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Opel:Opel wird französisch. Klingt verlockend!

Opel-Produktion in Rüsselsheim

Produktion des Opel-Astra am Standort Rüsselsheim.

(Foto: dpa)

Die bevorstehende Übernahme durch Peugeot verunsichert die Opelaner in Rüsselsheim. Eines hätte man dort aber für die größere Katastrophe gehalten: einen Verbleib beim US-Konzern GM.

Eine schlecht gelaunte Katze als Quasi-Gastgeber, das funktioniert. Die Party im Szeneclub Kraftwerk in Berlin war jedenfalls gut besucht. TV-Sternchen, Blogger und selbst Christiane Arp, Chefin der deutschen Vogue, drängten sich um die Bars und um "Grumpy Cat". Die Opel-Werber um den Vorstandsvorsitzenden Karl Thomas Neumann und seine Marketingchefin Tina Müller haben die missmutig dreinblickende Katze, die es im Internet zu einigem Ruhm gebracht hat, mittlerweile zu einer Ikone des Autobauers gemacht: Goldkette um den Hals mit einem fetten Blitz-Logo, abgelichtet von Ellen von Unwerth. Ab und zu feiert man gemeinsam. Maximale Ironie, maximale Partyeskalation, um wegzukommen vom onkelhaften Kadett-Image.

Doch das ist einen Monat her. Da konstruierten sie mal wieder geschickt den Schein. Das Opel-Sein, das ist Rüsselsheim, die Opel-Stadt, die von der Bahnlinie durchschnitten wird und eher so das Gegenteil von Berliner Szene ist. C&A, Dönerbude, Rot-Kreuz-Secondhand-Laden, hinten am Main ein metallenes Pferd samt Reiter, dann Öl-Tanks. Immerhin, im Merchandise-Laden kann man die Kette mit dem Blitzlogo kaufen. Aber offiziell über den Schein und das Sein reden, das mag gerade keiner. Seit bekannt ist, dass Opel den Eigentümer wechseln soll, ist da eine Sorge, die in einem Wort Ausdruck findet: Nein. Wir wollen uns nicht äußern, heißt es vom sonst so kommunikationsfreudigen Karl-Thomas Neumann, heißt es vom Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug, heißt es von den Arbeitern. Sie müssen verstehen, bekommt man zu hören überall: Wir stehen gerade zwischen zwei Herren.

Wobei sich zum Ende dieser Arbeitswoche zunehmend verdichtete, dass bald nur noch ein Herr aus Frankreich das Sagen hat. Verschiedene Quellen berichteten am Freitagabend, die wichtigsten Aktionäre der französischen Peugeot-Citroën-Gruppe, kurz PSA, hätten grünes Licht für einen Kauf gegeben. Noch gehört der 155 Jahre alte Autobauer Opel zu dem US-Konzern General Motors, kurz GM. Für Montagmorgen. Dazu passt, dass Opel für Montagvormittag um 9:45 Uhr kurzfristig eine Betriebsversammlung einberufen hat. Ebenso für Montagmorgen kündigten am Samstag Peugeot Citroën und GM eine Pressekonferenz an.

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Natürlich macht so eine Trennung vom Partner auch Angst. Die Amerikaner sind weit weg, bauen Autos, die mit denen aus Deutschland wenig gemein haben - bei den Franzosen wird das anders. Selbe Zielgruppe, selber Markt, selbe Wagengrößen: Da übernimmt ein direkter Konkurrent den anderen.

Autoprofessoren malen deshalb düstere Szenarien von überflüssigen Fabriken, die bald geschlossen würden, die Zahl von 8000 Opel-Jobs steht im Raum, die bald wegfallen könnten. Wer betriebswirtschaftlich denkt, dem erscheint das nicht abwegig. Aber in Rüsselsheim haben sie mittlerweile, nach dem Schreck über die unerwartete Scheidungsankündigung, eine andere Perspektive dazu entwickelt. Rüsselsheim wird französisch? Das klingt doch einigermaßen verlockend!

Das Offiziell-nicht-reden-wollen der vergangenen Tage bedeutet nämlich auch, dass die meisten mittlerweile den Partnerwechsel wünschen. Reden könnte da stören, so fürchten die Leute. "Was würde ein Aufbegehren bringen? Wir sind doch sowieso nur ein Ball, der zwischen Amerika und Frankreich gespielt wird", sagt ein Anzug tragender Ingenieur hinten am rostenden Tor D 24 auf dem Weg zum S-Bahnhof. "Da nehmen wir das doch lieber an und sehen die neuen Chancen!" Aber ist es denn eine Chance, wenn Standortgarantien nur bis zum Jahr 2018 gelten sollen? "Das ist doch mit GM nicht anders, bei denen wissen wir doch auch nicht, was danach kommt. Die wollen uns ja nicht."

Wer das verstehen will, der kann etwa auf dem Werksgelände das Classic-Zentrum besuchen. Hier ist die große Geschichte zu finden. Sie geben acht auf das, was Opel ausmacht, von Admiral bis Manta. Sobald man einem Wagen zu nahe kommt, läuft ein bekittelter Meister herbei und ruft: Nicht anlehnen, das ist Originallack! Sie mühen sich, im Rahmen dessen, was möglich ist. Aber der Rahmen ist klein. Seit 17 Jahren macht Opel Verluste. Deshalb ist das auch kein richtiges Museum. Kühlschränke stehen herum und Nähmaschinen, auch das hat Opel mal gemacht. Wer Zugang dazu will, der muss eine Klingel drücken, die schief neben einer rostigen opelgelben Tür hängt. Es ist anders hier als bei Audi, BMW, Mercedes oder VW, wo alles strahlt. Davon können sie in Rüsselsheim nur träumen.