Autoindustrie:Der Manta wird elektrisch

150 Jahre Opel

Auch der Klassiker aus den 70ern soll neu aufgelegt werden - mit Strom.

(Foto: UPI/dpa)

Opel will ab 2028 nur noch Batteriewagen anbieten - und belebt dazu ein legendäres Modell wieder.

Von Max Hägler

Es wirkte wie ein lustiger Scherz: Vor einem Monat stellte Opel-Chef Michael Lohscheller Fotos eines grellgelben Manta online. Man feiere die Elektrifizierung dieser Ikone aus den 1970ern. Nur der Fuchsschwanz fehlte, um das Bild zu komplettieren. Doch an diesem Donnerstag stellte sich heraus: Es ist kein Scherz. Opel bringt eine Neuauflage des Manta, allerdings elektrisch. "Wir werden Mitte des Jahrzehnts den Manta neu erfinden", sagte Lohscheller. So wie der kleinste der deutschen Autobauer insgesamt eine bemerkenswerte Kehrtwende vollzieht: Ab dem Jahr 2028, also in sieben Jahren bereits, wird Opel in Europa nur noch Elektroautos anbieten. Das ist der ambitionierteste Zeitplan aller deutschen Autohersteller.

Die Entscheidung ist Teil eines großen, gleichlaufenden Strategieschwenks des Mutterkonzerns Stellantis. Das Unternehmen ist erst vor einem halben Jahr entstanden aus den beiden großen Firmengruppen PSA (mit Opel) sowie Fiat-Chrysler. Der französisch-italienische Autokonzern will bis 2025 mehr als 30 Milliarden Euro in Elektroautos und Hybridmodelle stecken. Bis dahin sollten fast alle Modelle des Konzerns elektrifiziert sein, erklärte Konzernchef Carlos Tavares auf einer Unternehmenskonferenz. Der Konzern mit starken Standbeinen in Europa und Nordamerika führt 14 Marken, unter ihnen sind Peugeot, Citroen, Fiat, Dodge oder eben Opel.

"Die heute hier vorgestellte Strategie lenkt die richtige Investitionssumme auf die richtige Technologie, um den Markt zur richtigen Zeit zu erreichen und sicherzustellen, dass Stellantis die Freiheit der Mobilität auf die effizienteste, erschwinglichste und nachhaltigste Art und Weise ermöglicht", sagte Tavares. In den vergangenen Jahren hatte er hingegen noch darauf hingewiesen, dass diese Technologie Nachteile mit sich bringe, gerade in Bezug auf die tatsächlich zu erreichende Kohlendioxid-Einsparung: Angesichts des vorherrschenden Strommixes in Europa, der sich vielerorts noch auf Kohlekraft speist, sei E-Mobilität nicht die sinnvollste Wahl. Diese Haltung hat sich nun offenbar geändert, wohl auch vor dem Hintergrund des Green New Deal der EU-Kommission, die in der kommenden Woche abermals die CO₂-Grenzen für diverse Wirtschaftsbereiche heruntersetzen dürfte.

Um die Stromversorgung der Fahrzeuge sicherzustellen, plant Stellantis den Bau von fünf sogenannten Gigafactories. Tavares zeigte sich zuversichtlich, trotz der Investitionen weiter zu den profitabelsten Autobauern zu gehören: Bereits für 2026 stellt er eine zweistellige Rendite in Aussicht.

© SZ
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