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Opel: Forster geht, Lutz kommt:Alles neu bei GM

Opel bleibt beim Mutterkonzern - und wichtiges Personal geht. GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster räumt ebenso seinen Stuhl wie Treuhänder Dirk Pfeil. Dafür taucht ein alter Bekannter auf - Bob Lutz soll Opel kontrollieren.

General Motors gibt Opel nicht frei - und die personellen Konsequenzen lassen nicht lange auf sich warten. Der Ländervertreter in der Opel-Treuhand, Dirk Pfeil, muss das Gremium verlassen. Und auch GM-Europachef Carl-Peter Forster räumt seinen Stuhl, wie das Unternehmen am Abend mitteilte.

Carl-Peter Forster, dpa

Carl-Peter Forster hat seinen Arbeitgeber General Motors mit Sitz in Detroit öffentlich kritisiert - nun trennen sich die Wege.

(Foto: Foto: dpa)

Ein Nachfolger wurde bereits gefunden. Forster soll von David N. ("Nick") Reilly abgelöst werden, erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus Firmen- und Gewerkschaftskreisen. In Firmenkreisen war der Name Reilly schon häufiger als möglicher Nachfolgekandidat für Forster gefallen.

Seit mehr als 30 Jahren bei GM

Reilly ist seit 1975 für GM aktiv und startete seine Karriere dort bei der früheren Detroit Diesel Allison Division in Großbritannien. Er gilt als echter Hardliner. Derzeit ist er Vizepräsident von GM und Chef der Einheit GM International Operations, womit er allen Aktivitäten des Konzerns außerhalb Nordamerikas vorsteht. Gut möglich, dass er allerdings nur vorübergehend als GM-Europachef wirken wird.

Im Video: GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster verlässt nach übereinstimmenden Medienberichten den Konzern.

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Forster wurde 2001 Chef bei der Adam Opel GmbH und verantwortete damals den Umbau des Unternehmens. Im Juni 2004 stieg er zum Chef von GM-Europe auf. Forsters Amt als Opel-Aufsichtsratschef soll einem Bericht des Magazins Der Spiegel zufolge von der Managerlegende Bob Lutz übernommen werden.

Die Personalien Reilly und Lutz, die beide noch nicht offiziell bestätigt wurden, könnten von der europäischen Belegschaft als Affront gewertet werden - beide Manager waren an den Fehlentwicklungen innerhalb des Konzerns in den vergangenen Jahren beteiligt. Lutz war bis zum Sommer als Chef der globalen Produktentwicklung bei GM tätig.

Kritik an Detroit

Forster hatte sich in der Vergangenheit immer wieder für den Opel-Verkauf an ein Konsortium aus Magna International und der russischen Sberbank ausgesprochen. Nachdem der Deal am späten Dienstagabend geplatzt war, äußerte Forster scharfe Kritik am GM-Verwaltungsrat in Detroit. Experten hatten seinen Rückzug daher bereits erwartet.

"So ein plötzlicher Schwenk ist kaum nachzuvollziehen", hatte Forster gesagt. Er hätte sich gewünscht, "dass es zu einem ganz anderen Ergebnis kommt". Für das Vorgehen von GM in den USA habe er keine Erklärung und er wisse auch nicht, wie es weitergehe.

Auf die Frage, wie das neue Sanierungskonzept für Opel aussieht, hatte Forster geantwortet: "Ich weiß es nicht. Das müssen wir in den nächsten Tagen erarbeiten. Ich glaube, die wichtigen Herren, die das entschieden haben, wissen es selbst nicht."

Pfeil muss gehen

Nach der aus Sicht der Bundesregierung katastrophalen Entscheidung, Opel bei GM zu belassen, ziehen auch die vier Bundesländer mit Opel-Standorten Konsequenzen. Der Ländervertreter in der Opel-Treuhand, Dirk Pfeil, muss das Gremium verlassen. Grund sei ein kompletter Vertrauensverlust. Pfeil, FDP-Mitglied ab, habe sich abfällig über das Verhalten von Politikern in den Verhandlungen zum Opel-Verkauf geäußert. Sein Nachfolger soll der nordrhein-westfälische Wirtschaftsstaatssekretär Jens Baganz (CDU) werden.

Die Treuhand hatte im Mai unmittelbar vor der Insolvenz der Opel-Mutter GM 65 Prozent an der Adam Opel GmbH übernommen. Die verbleibenden 35 Prozent an dem Unternehmen hält GM bis heute.

Knapp ein halbes Jahr nach ihrer Gründung steht das Gremium nun vor seiner Auflösung. Mit dem Verzicht von GM auf den Teilverkauf seiner europäischen Tochter hat sich die vorrangige Aufgabe des Gremiums mit Sitz in Frankfurt erledigt, nämlich die Verhandlungen mit möglichen Investoren zu überwachen.

Der genaue Ablauf zur Auflösung der Treuhand sei Sache von Verhandlungen zwischen GM und der Bundesregierung, hatten Kreise der Treuhand in Frankfurt erklärt. Ein Termin stehe noch nicht fest.

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