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Streit um Fördermenge:Ölpreise brechen um 30 Prozent ein

Ölpreise geben nach

Tiefpumpen auf dem Gelände der Wintershall Dea im niedersächsischen Emlichheim

(Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa)
  • Der Ölpreis ist in der Nacht auf Montag prozentual so stark eingebrochen wie seit etwa 30 Jahren nicht mehr.
  • Seit Jahresbeginn hat sich der Preis für ein Barrel Öl (159 Liter) der Nordseesorte Brent fast halbiert. Das Barrel kostete zwischenzeitlich nur noch 32,83 Dollar.
  • Hintergrund ist ein eskalierender Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Russland über eine angestrebte Kürzung der Öl-Fördermenge.

Der Ölpreis ist zum Wochenstart dramatisch eingebrochen: Die Preise für Rohöl aus der Nordsee und für Öl aus den USA sind um jeweils etwa 30 Prozent gefallen. Das ist der stärkste prozentuale Einbruch seit fast 30 Jahren. Damals gab es während des Golfkrieges einen regelrechten Preisverfall.

Als Ursache für den Crash gelten die gescheiterten Verhandlungen des Ölkartells Opec mit dessen zehn Kooperationspartnern (Opec+), zu denen auch Russland gehört. Außerdem belastet stärker denn je die Sorge vor den wirtschaftlichen Folge der Coronavirus-Krise den Kurs.

Der Ölpreis in der Nacht von Sonntag auf Montag auf den tiefsten Stand seit Anfang 2016 zurückgefallen: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zwischenzeitlich nur noch 31,02 Dollar. Das sind 12,44 Dollar weniger als noch am Freitag. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte WTI sackte um 12,44 Dollar auf 28,84 Dollar ab.

Saudi-Arabien will einem Insider zufolge nun seine Ölproduktion erhöhen

Noch am Freitag hatten die 14 Opec-Mitglieder mit den zehn weiteren Öl-Förderländern über eine gemeinsame Förderbremse gesprochen. Das Ölkartell wollte seine zehn Kooperationspartner von einer Kürzung der Rohöl-Förderung von 1,5 Millionen Barrel am Tag überzeugen. Die Gespräche waren jedoch im Laufe des Freitagnachmittags gescheitert - vor allem an der strikten Ablehnung Russlands.

Der Öl-Konzern Saudi Aramco kündigte daraufhin an, den offiziellen Verkaufspreis für alle Öl-Sorten und alle Abnehmer zu senken. Lieferungen nach Nordwest-Europa etwa sollten sich demnach um acht Dollar je Barrel verbilligen. Das Königreich Saudi-Arabien - der weltgrößte Öl-Exporteur - will Insidern zufolge zudem seine Fördermenge hochfahren. Das wiederum dürfte Russland provozieren, einen ähnlichen Schritt zu unternehmen.

Der eskalierende Konflikt zwischen Russland und Saudi Arabien schickte am Montagmorgen die Aktien von Saudi Aramco auf Talfahrt. Die Papiere des staatlichen Ölkonzerns fielen an der Börse Riad um zehn Prozent auf zwischenzeitlich 27 Riyal und notieren erstmals unter ihrem Ausgabepreis von 32 Riyal.

Experten sprechen von "Öl-Preiskrieg"

Experten sagten schon jetzt einen wochen- oder sogar monatelangen Konflikt voraus. "Saudi-Arabien und Russland sind in einen Öl-Preiskrieg eingetreten, der begrenzt und taktisch sein dürfte", schreibt das Beratungsunternehmen Eurasia Group in einer Analyse.

Der Streit zwischen Saudi-Arabien und Russland ist jedoch nicht das einzige Problem der ölfördernden Länder: Seit das neuartige Coronavirus die Wirtschaft belastet, sinkt auch der Ölpreis. So ist etwa das stark betroffene China einer der größten Öl-Importeure weltweit. Seit Jahresbeginn ist der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent von etwa 65 auf kanpp 31 US-Dollar gesunken - er hat sich also mehr als habiert. Experten erwarten zudem, dass die Nachfrage nach Rohöl deutlich langsamer als erwartet steigen oder sogar zurückgehen wird. Analysten hatten daher eine Kürzung der Ölfördermenge um etwa eine Million Barrel pro Tag als realistisches und auch notwendiges Szenario eingestuft.

© SZ.de/dpa/vit
File photo of employees working on a drilling rig at the Rosneft-owned Samotlor oil field outside the West Siberian city of Nizhnevartovsk

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