bedeckt München

Ölkartell:Opec-Staaten wollen Ölförderung deutlich reduzieren

File photo of employees working on a drilling rig at the Rosneft-owned Samotlor oil field outside the West Siberian city of Nizhnevartovsk

Russische Arbeitskräfte in Sibirien: Ob die Förderreduktion um 1,5 Millionen Barrel pro Tag gelingt, hängt unter anderem von Russland ab.

(Foto: SERGEI KARPUKHIN/REUTERS)
  • Die 14 Staaten des Ölkartells Opec streben eine Kürzung der Rohöl-Förderung von 1,5 Millionen Barrel am Tag an.
  • Sie setzen dabei jedoch auf die Unterstützung ihrer zehn Kooperationspartner, zu denen unter anderem Russland gehört - und die ist alles andere als ausgemacht.

Das Ölkartell Opec erwägt eine deutlich Kürzung der Rohöl-Förderung. Noch am Freitag wollen die 14 Opec-Mitglieder mit ihren zehn Kooperationspartnern darüber beraten, ob sie künftig 1,5 Millionen Barrel Öl pro Tag weniger aus dem Boden pumpen sollen. Die Opec hatte sich am Donnerstag auf diese Strategie verständigt, nachdem die Nachfrage und damit der Ölpreis wegen der Folgen des Coronavirus weiter gesunken war.

Die 14 Opec-Staaten selbst peilen an, ihre Tagesproduktion um eine Million Barrel Öl kürzen. Sie hoffen, dass ihre Partner der Strategie folgen und ihre Fördermenge um insgesamt 500 000 Barrel (je 159 Liter) kürzen. Ob Russland und die anderen Partnerländer dieser Strategie folgen, ist aber nicht sicher.

Zunächst hatte das Ölkartell mitgeteilt, dass eine entsprechende Kürzung nur für das zweite Quartal angestrebt werde. Nachdem der Ölpreis trotz der Ankündigung auch am Nachmittag nicht gestiegen war, hieß es am späten Donnerstagabend, man habe den Vorschlag gleich auf das gesamte Jahr 2020 ausgeweitet.

Die angestrebte Kürzung entspräche rund 1,5 Prozent der weltweiten Rohölproduktion und wäre ein deutliches Signal des "Opec+"-Verbundes, der bereits seit drei Jahren versucht, den Ölpreis mit Förderlimits zu stabilisieren. Bereits im Dezember hatten sich die 24 Staaten darauf verständigt, 2,1 Millionen Barrel Öl pro Tag weniger zu produzieren als im Oktober 2018. Die Kürzung hatte jedoch kaum einen Effekt, weil das Coronavirus die Weltwirtschaft in den folgenden Wochen ins Stocken brachte. So ist etwa das stark betroffene China einer der größten Öl-Importeure weltweit.

Seit Jahresbeginn ist der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent von etwa 65 auf unter 51 US-Dollar gesunken. Experten erwarten zudem, dass die Nachfrage nach Rohöl deutlich langsamer als erwartet steigen oder sogar zurückgehen wird. Analysten hatten daher eine Kürzung um etwa eine Million Barrel pro Tag oder mehr als realistisches Szenario eingestuft.

Opec läuft Gefahr, Marktanteile zu verlieren

Eine Kürzung der Rohölförderung um 1,5 Millionen Barrel pro Tag wäre also ein durchaus ernstzunehmender Einschnitt. Die Opec-Staaten produzieren derzeit rund 28,9 Millionen Barrel Öl pro Tag, gemeinsam mit den zehn Kooperationspartnern kommen sie auf eine Tagesproduktion von rund 45 Millionen Barrel Öl.

Die "Opec+" läuft jedoch Gefahr, durch ihre immer strengeren Förderlimits Marktanteile zu verlieren. Obwohl der Dezember 2016 der letzte Monat ohne "Opec+"-Förderlimit war, steigt die tägliche weltweite Produktion und auch die Nachfrage nach Rohöl. Denn während die insgesamt 24 Staaten ihre Produktion in den vergangenen Jahren eingeschränkt haben, wurde etwa die Produktion in den USA deutlich erhöht. Eine Zustimmung der Kooperationspartner zu dem Plan ist daher alles andere als ausgemacht.

© SZ.de/dpa/vit
Zur SZ-Startseite

SZ PlusKakaoanbau
:Schokolade macht selten glücklich

Viele Menschen wollen bei Schokolade nicht genau wissen, wo sie herkommt. Wäre es nicht Zeit, hinzuschauen? Ein Besuch bei Kakaobauern an der Elfenbeinküste.

Von Caspar Dohmen

Lesen Sie mehr zum Thema