Onlinehandel:Mit Luxusuhren an die Börse

Onlinehandel: Der Handel mit Luxusuhren ist ein wachsender Markt, für den sich auch Investoren wie der LVMH-Großaktionär Bernard Arnault interessieren.

Der Handel mit Luxusuhren ist ein wachsender Markt, für den sich auch Investoren wie der LVMH-Großaktionär Bernard Arnault interessieren.

(Foto: oh)

Der Onlinehändler Chronext profitiert von steigender Nachfrage der Millennials.

Die Corona-Krise hat dem Handel von Luxusuhren über das Internet einen Schub gegeben. Das Geschäft erhalte aber auch von längerfristigen Treibern Rückenwind. "Wir sehen gerade die Millenials als Impulskäufer, die prädestiniert sind für Online-Käufe", sagte Philipp Man, Chef von Chronext, der Schweizer Luxusuhren-Händler plant jetzt den Börsengang. Nach Einschätzung von Analysten wächst der Sekundärmarkt, also der für gebrauchte Zeitmesser, schneller als der Markt für neue Uhren und kommt auf ein Volumen von rund 20 Milliarden Dollar. "Er ist meist online, transparent und zieht jüngere Käufer an, die mit den Produkten handeln und in Uhren als Anlageklasse investieren", heißt es. Immer mehr der bislang sehr traditionellen Hersteller würden ihre Skepsis gegenüber diesem Geschäft ablegen.

Chronext verkauft über eine Online-Plattform gebrauchte und neue Uhren von Marken wie Rolex, Omega oder Patek Philippe und peilt nun im vierten Quartal eine Notierung an der Schweizer Börse SIX an, wie die Firma mitteilte. Hauptsitz sei die Schweiz, das operative Geschäft werde aber größtenteils aus Köln betrieben. Im Rahmen der Transaktion wolle die Firma neue Aktien im Volumen von rund 250 Millionen Franken platzieren. Zudem dürften auch die bestehenden Aktionäre, zu denen eine Reihe von Finanzinvestoren sowie die Gründer gehören, Anteile verkaufen. Einem Insider zufolge könnten diese ein Volumen von etwa 100 Millionen Franken erreichen.

Chronext machte keine Angaben zum angepeilten Börsenwert. Spekulationen zufolge könnte dieser aber bis zu eine Milliarde Euro erreichen. Die 2013 gegründete Chronext wuchs 2020 um 18 Prozent auf 101,3 Millionen Euro. Im laufenden Jahr strebe das Unternehmen ein Plus von rund 40 Prozent an. Die Erlöse aus dem Börsengang sollen je etwa zur Hälfte in Zukäufe und in das bestehende Geschäft fließen. Bisher war die Firma vor allem in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Großbritannien aktiv, im vergangenen Jahr kamen Frankreich, Italien und die Niederlande dazu. Chronext wolle auch in den asiatischen und den US-Markt einsteigen. Gegenwärtig habe die Firma mehr als 120 Mitarbeiter.

Chronext sieht sich selbst als Luxusfirma und bietet den Kunden auch die Möglichkeit, die Uhren vor dem Kauf in einer ihrer Boutiquen anzuschauen und nach dem Online-Kauf auch dort abzuholen. Experten prüfen die Uhren zudem auf ihre Echtheit. Zu den Konkurrenten gehören etwa die deutsche Chrono 24, die Richemont-Tochter Watchfinder, die amerikanische Watchbox oder auch Ebay. Chrono 24 aus Karlsruhe nahm vor einem möglichen Börsengang kürzlich prominente neue Investoren an Bord, darunter auch LVMH-Großaktionär Bernard Arnault.

© SZ vom 11.09.2021 / SZ, Reuters
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