Onlinehandel:Krieg beendet Boom

Die Ukraine-Krise und die trübe Kauflaune treffen den seit der Corona-Pandemie erfolgsverwöhnten Online-Handel in Deutschland. Die Umsätze sanken zum Start ins zweite Quartal spürbar, wie am Donnerstag der Branchenverband BEVH mitteilte, der zugleich seine Prognose für deutliches Wachstum 2022 einkassierte. "Auch der E-Commerce kann sich den Auswirkungen von Krieg, steigenden Preisen und verunsicherten Verbrauchern nicht entziehen." Seit Kriegsbeginn in der Ukraine am 24. Februar verlor die Branche eine Milliarde Euro Umsatz. Die Erlöse im E-Commerce mit Waren fielen zudem von Anfang April bis Mitte Mai binnen Jahresfrist um 6,7 Prozent. Der Rückgang traf alle Warengruppen - außer Dingen des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Drogeriewaren und Tiernahrung. Dieser Bereich steigerte den Online-Umsatz trotz mauer Konsumstimmung um 4,1 Prozent.

"Wir sind in einem Nachfrageschock", sagte Gerrit Heinemann, E-Commerce-Fachmann von der Hochschule Niederrhein. Dies sei ausgelöst durch die Unsicherheit wegen der Ukraine-Krise und der hohen Inflation. "Das zeigt, dass die Kunden alles andere als in Kauflaune sind." Dies belaste den gesamten Einzelhandel - also Ladengeschäfte und Online-Unternehmen.

Trotz jüngster Delle befürchtet die Branche kein grundlegend geändertes Verbraucherverhalten. Anfang 2022 habe die Kundenzufriedenheit einen Rekord erreicht, erklärte der BEVH. Zudem würden es zwei Drittel der Onlineshopper als Einschränkung der Lebensqualität empfinden, nicht im Netz bestellen zu können.

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