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Online-Händler:Alibaba steigt bei Smartphone-Anbieter ein

  • Der chinesische Online-Riese Alibaba steigt für 590 Millionen Dollar bei dem kleinen Smartphone-Anbieter Meizu ein.
  • Für den Internetkonzern werden Kunden, die via Smartphone Waren bestellen, immer wichtiger.
  • Im vergangenen Jahr hatten die verschiedenen Portale des Unternehmens 334 Millionen Nutzer, 265 Millionen von ihnen verwendeten dabei ihr Smartphone.

Die großen Drei auf dem chinesischen Internetmarkt könnten sich bequem zurücklehnen und ihr Kerngeschäft pflegen. Der Alibaba-Konzern ist in China zur Zeit unangefochtener Marktführer im Onlinehandel. Bei den sozialen Netzwerken und im Bereich der Onlinespiele liegt das Unternehmen Tencent schier uneinholbar vorn. Und der Dritte im Bunde, Baidu, behauptet sich als Quasi-Monopolist unter den Suchmaschinen.

Die drei Konzerne fürchten sich allerdings davor, den nächsten großen Trend zu verpassen und am Tag "X" nicht rechtzeitig vorbereitet zu sein. Also rüsten sie ihre Anteile in der IT-Branche in vielen Bereichen auf. Auch deshalb überschneiden sich die Interessen der Drei zunehmend. Zehn Jahre lang haben sie friedlich nebeneinander ihre Marktanteile ausgebaut. Nun beginnen sie damit, auch das angestammte Terrain des jeweils anderen zu beackern: Baidu und Tencent im Internethandel, und Alibaba ist beim Kurznachrichtendienst Weibo beteiligt.

Die Welt wird immer mobiler - Alibaba reagiert

Wohin die Reise führt, weiß niemand so genau. Es sind sich alle jedoch darin einig, dass die digitale Welt immer mobiler wird. Die Zahl der Internetnutzer in China, die über ihre Telefone ins Netz gehen, wächst stark. Von den etwa 650 Millionen Menschen, die in der Volksrepublik das Internet nutzen, geht die Mehrheit mit ihren Smartphones online. Alibaba reagiert darauf und hat deshalb 590 Millionen US-Dollar für eine Minderheitsbeteiligung an einem chinesischen Smartphone-Hersteller aus der zweiten Reihe namens Meizu ausgegeben. Die Partner gaben die Einigung am Montag bekannt, Details über das Volumen des Anteils nannten sie aber nicht.

Der Einstieg ist für Alibaba ein weiterer Schritt auf einem Markt, auf dem sich das Unternehmen noch unsicher fühlt. Alibabas Sorge wächst, dass der E-Commerce zunehmend über mobile Geräte abgewickelt wird. Der Konzern möchte nicht eines Tages hilflos zusehen müssen, wie die Konkurrenz die kaufwilligen Kunden mit Hilfe der mobilen Endgeräte auf deren eigene Handelsplattformen umleitet. Meizu ist also Teil einer Lösung für ein Problem, das bislang zwar noch nicht akut, aber durchaus absehbar ist.

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Es ist nicht die erste derartige Investition von Alibaba, das seit dem Rekordbörsengang im September 2014 an der Wall Street weltweit Interesse geweckt hat. So investierte der Konzern bereits etwa eine Milliarde US-Dollar in andere Beteiligungen, um sich für die Zukunft zu wappnen. Dazu zählt der Einstieg beim Kurznachrichtendienst Weibo, aber auch Investitionen in einen digitalen Kartenservice und in das eigene Betriebssystem YunOS gehören dazu. Die strategischen Entscheidungen haben im Grunde nur ein Ziel: Onlinekäufer sollen ihr Geld letztlich bei den Handelsplattformen von Alibaba ausgeben.

Wer ist der neue Partner?

Da passt der Einstieg bei Meizu ganz gut ins Bild. Das Unternehmen aus dem südchinesischen Zhuhai stellt eigene Smartphones her, die das YunOS-System von Alibaba nutzen. Die Frage ist, ob Meizu in der Lage ist, seinen Anteil auf dem chinesischen Smartphone-Markt entscheidend zu erhöhen. Gelingt das nicht, dann sind 590 Millionen US-Dollar ein stolzer Preis für die Minderheitsbeteiligung. Zuletzt verkaufte das Unternehmen rund zwei Millionen Einheiten in China, das sind weniger als zwei Prozent des Marktes.

Meizu hat früher MP3-Musikspieler hergestellt, ehe es auf Telefone umstieg. Das Unternehmen will vornehmlich junge Kunden locken, die nicht dazu bereits sind, viel Geld für ein Smartphone von Apple oder Samsung auszugeben. In dem unteren Segment sind jedoch nicht nur die Margen deutlich geringer als bei den Highend-Produzenten, auch die Konkurrenz ist sehr stark.

Als direkter Gegenspieler von Meizu gelten die Senkrechtstarter von Xiaomi, wo auch Alibaba-Chef Jack Ma investiert hat. Xiaomi ist es gelungen, innerhalb von vier Jahren zum drittgrößten Handy-Hersteller der Welt zu werden. Zumindest wenn man die verkaufte Stückzahl im letzten Quartal des vergangenen Jahres als Maßstab nimmt.

Reaktionen auf das Investment

Das jetzige Alibaba-Investment wird deswegen von Branchenkennern als riskant bezeichnet. "Man kann sagen, die geben 590 Millionen Dollar aus und experimentieren ein bisschen, um zu sehen, was passiert. Das ist ein teures Experiment, oder?", sagte Michael Clendenin von den Redtech Advisors aus Shanghai der Nachrichtenagentur Reuters.

Bei Alibaba sieht man den Einstieg naturgemäß deutlich positiver. Cheftechniker Jian Wang kommentierte in einer Stellungnahme: "Die Investition in Meizu stellt eine bedeutende Expansion des Alibaba-Ökosystems dar und einen wichtigen Schritt in unserer übergreifenden Mobilstrategie, in der wir uns darum bemühen, unseren Nutzern einen breite Spanne an mobilen Angeboten und Erfahrungen zu bieten."

© SZ vom 10.02.2015/infu
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