Die Bremer Raumfahrtfirma OHB verhandelt weiterhin mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall. Es geht um den gemeinsamen Bau einer Konstellation von Kommunikationssatelliten für die Bundeswehr. „Das ist natürlich ein laufendes Vergabeverfahren, das für uns eine sehr große Bedeutung hat“, sagte OHB-Chef Fuchs am Donnerstag bei der Vorlage der Jahresbilanz. Er dürfe die Verhandlungen jedoch „nicht im Detail vertiefen“. Indirekt bestätigte er auch, dass der Airbus-Konzern als dritter Kandidat für ein Konsortium an den Gesprächen beteiligt sei. Rheinmetall-Vorstandschef Armin Papperger hatte dies vergangene Woche angedeutet. „Wenn Airbus einen Teil der Satelliten bauen kann, glaube ich, das beschleunigt das Programm enorm“, hatte der Rheinmetall-Chef bei der Jahrespressekonferenz des Rüstungskonzerns in Neuss gesagt. „Da habe ich nichts hinzuzufügen oder zu dementieren“, sagte Fuchs nun. OHB hatte Gespräche bereits grundsätzlich mit zwei knappen Ad-Hoc-Meldungen bestätigt.
Papperger hatte seine Pläne vorige Woche auch in einer Analystenkonferenz erläutert. Wenn Rheinmetall in Neuss und OHB in Bremen die Satellitenproduktion aufbauen, so Papperger, würden „die Kapazitäten nicht ausreichen“. Deshalb werde gerade mit Airbus verhandelt. Seine Logik: „Dann gäbe es nur einen Bieter“, sagte er, „dann wäre der Auftrag für das Konsortium sehr sicher“. Airbus hatte im Januar angekündigt, sich auch um den Bundeswehrauftrag zu bewerben. Reuters zufolge geht es um ein Auftragsvolumen von bis zu zehn Milliarden Euro.
Sollte OHB Aufträge wie den der Bundeswehr für größere Satellitenzahlen bekommen, will Marco Fuchs die Satelliten in Deutschland bauen. „Wenn man für den Staat, wenn man für Verteidigungsministerien arbeitet, dann ist die Frage, wo produziert wird, ganz wichtig“, sagte er am Donnerstag. „Wir als deutsches Raumfahrtunternehmen schauen natürlich auf deutsche Produktionsstandorte.“ Dafür gebe es mehrere Alternativen, über die man bisher nicht entschieden habe. OHB habe jedenfalls „explizit nicht vor“, solche Satelliten in Schweden bauen zu lassen. Dort wollen die Bremer bald Satelliten für die Arktisforschung herstellen. Auch Aufträge des italienischen und schwedischen Militärs habe man in den jeweiligen Ländern gebaut, sagte Fuchs.
OHB bleibt an der Börse
Ob Satellitenkommunikation, Aufklärung, Frühwarnsysteme oder auch Trägerraketen: Der OHB-Chef sieht angesichts deutlich höherer Budgets der Bundeswehr und der Europäischen Kommission für Verteidigungsausgaben „sehr viel Wachstumschancen“. Dazu komme ein 32 Prozent höheres Budget der europäischen Raumfahrtagentur Esa. „Ich sehe das als eine Riesenchance, wir wollen diese Welle mitnehmen.“ Fuchs rechnet damit, dass der OHB-Umsatzanteil für Verteidigung in den nächsten Jahren weiter wachsen wird, zuletzt habe er bei etwa 27 Prozent gelegen – in früheren Jahren lag er bei zehn bis 13 Prozent.
Schon jetzt macht sich die steigende Nachfrage bemerkbar, der Auftragsbestand liegt nach OHB-Angaben mit knapp 3,2 Milliarden Euro auf Rekordhoch, im Vorjahr waren es knapp 2,4 Milliarden Euro. Bei einem Jahresumsatz von 1,2 Milliarden Euro erwirtschaftete OHB einen Konzern-Jahresüberschuss von 50 Millionen Euro, nach 900 000 Euro im Jahr 2024. Für das Geschäftsjahr 2025 wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung eine Dividende von 0,60 Euro je Aktie vorschlagen. Die Gründerfamilie Fuchs hält mit rund 65 Prozent den Großteil der Aktien, knapp 29 Prozent der Investor KKR. Ursprünglich wollte sich OHB nach dem Einstieg von KKR von der Börse zurückziehen. Angesichts der weltpolitischen Umstände und der Marktlage verfolge OHB das jedoch nicht weiter. Es befinden sich noch etwa 1,1 Millionen Aktien im Streubesitz. Der Aktienwert ist innerhalb eines Jahres von etwa 84 auf zuletzt 244 Euro gestiegen.

