bedeckt München 15°

Offshore-Leaks:Wer den illegalen Weg wählt, wird es schwerer haben

Wer den illegalen Weg wählt und heimlich Firmen in nahen oder entlegenen Steueroasen gründet, wird es in Zukunft schwerer haben. Dafür sorgt auch jene Dynamik, die seit der Enthüllung des Offshore-Leaks immer weiter zugenommen hat, siehe Luxemburg, siehe Österreich.

Aber auch der legale Weg - und das ist eine Entwicklung aus jüngerer Zeit - ist in Deutschland mittlerweile nicht mehr gesellschaftlich akzeptiert. Das zeigt die Empörung, die seit Tagen das Land erfasst hat - und die auch durchaus berechtigt ist. Eine Menge der aufgedeckten Geschäfte in Steueroasen war legal.

Es ist zum Beispiel legal, den wahren Besitzer hinter Scheinfirmen und Scheindirektoren zu verstecken, und es ist auch legal, dass Tausende Firmen auf dem Papier in einem einzigen Haus residieren, um Steuern aus dem Weg zu gehen. Und das sind nur zwei von sehr vielen Tricks. Man stört sich zurecht daran, aber solange die Politik keine Handhabe findet, werden auch deutsche Konzerne solche Schlupflöcher weiterhin nutzen.

Kubickis Satz als Herausforderung

"Was legal ist, muss auch legitim sein", sprang der FDP-Mann Wolfgang Kubicki, selbst Anwalt, den oft gescholtenen Steuerminimierern kürzlich in einer Talkshow bei. Ein Satz, der bei derzeitiger Lage falsch klingt. Zu viele Schlupflöcher erlauben es, zum Schaden der Allgemeinheit Steuerbelastungen zu minimieren, und diese Tricks möchte man nur ungerne als legitim bezeichnen. Aber: Tatsächlich sollte als legitim gelten, was legal ist.

Deswegen muss es jetzt gelten, den Satz Kubickis als Herausforderung zu sehen: Aus dem offensichtlich Illegitimen muss das gesetzlich Illegale werden. Moralische Appelle sind sinnlos, nicht die Einzelnen kann man verändern, sehr wohl aber das System. Wenn Offshore-Leaks nun dazu beigetragen hat, dieses Thema auf der Agenda nach oben zu rücken, ist damit mehr erreicht, als wenn noch drei, vier oder fünf spektakuläre Fälle mehr aufgedeckt worden wären.

© SZ vom 13.04.2013/ebri

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite