Offshore-Leaks Die Kunden: große Namen und kleine Fische

"Anbei finden sie die Korrespondenz von Sotheby's, vor allem jene betreffend den Kauf von der "Wassermühle bei Gennep" von Vincent van Gogh." Dieses Memo in den Kundendaten von Portcullis wurde 1996 verfasst, nur ein paar Tage nach einer Auktion bei Sotheby's in London, bei der die "Wassermühle bei Gennep" versteigert worden war - ein Werk Vincent van Goghs von 1884. Den Zuschlag erhielt für 751 550 Dollar eine Firma namens Nautilus Trustees Limited mit Sitz auf den Cook-Inseln. Erst Monate nach der Auktion taucht das Gemälde wieder auf: im Museum Thyssen-Bornemisza in Madrid, als Leihgabe der Nautilus Trustees Limited.

Dank des Datenlecks weiß man nun: Die Besitzerin der Firma trägt denselben Namen wie das Museum. Nautilus gehört Baroness Carmen Thyssen-Bornemisza, der fünften Frau von Hans Heinrich von Thyssen-Bornemisza, eine der wichtigsten Kunstsammlerinnen der Welt.

Die Namensliste hinter den mehr als 100.000 Briefkastenfirmen und Trusts ist so lang wie heterogen. Klingende Namen wie der von Gunter Sachs, Elie de Rothschild, der 2007 verstorbene Gründer der Züricher Rothschild-Bank, oder eben Baroness Carmen Thyssen-Bornemisza stehen neben Mittelständlern und Kleinkriminellen. Griechische Steuerflüchtlinge und indonesische Milliardäre, Waffenschmuggler und Diamantenhändler, Hedgefondsmanager, Zahnärzte und Sängerinnen sind ebenso vertreten wie unspektakuläre Kleinkunden mit Adressen in Bad Langensalza, Rosenheim oder Mönchengladbach.

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Putins Vertrauter holt Geld aus Steueroasen zurück, in Südkorea gerät der Sohn eines Diktators in den Fokus: Globale Enthüllungen durch Offshore-Leaks im Überblick auf der Weltkarte.

Diese breite Mittelschicht dominiert das Bild der deutschen Kunden, die zahlenmäßig weit hinter den Kunden aus Großbritannien zurückstehen - deutsche Steueroptimierer nutzen eher andere, nähergelegene Schlupflöcher, Luxemburg, Liechtenstein oder die Schweiz zum Beispiel.

Egal wer sich in Steueroasen betätigt, es gilt die Regel: Ein paar Millionen sollten es schon sein, damit sich eine Offshore-Konstruktion lohnt. Die Finanzdienstleister in Übersee verlangen jährliche Gebühren von ein paar tausend Dollar, dazu kommen Honorare für Anwälte, die sich um die Details kümmern, vielleicht noch ein Konto in der Schweiz; das Ganze oft über viele Jahre. Dazu muss das Vermögen oft umständlich dorthin geschafft werden, über ein paar Umwege. Diese - in der Regel legalen - Tricks zahlen sich nur aus, wenn die Steuerersparnis höher ist als die Kosten.

Bestes Beispiel: der Fall Thyssen-Bornemisza. Der Anwalt der Kunstsammlerin räumte ein, dass die Nautilus für den Kunsthandel genutzt werde. Der Hintergrund dürfte sein: Spanien erhebt eine Vermögensteuer auf Kunstwerke. Wären die Werke seiner Klientin in Madrid gemeldet, müsste sie jährlich rund 13,5 Millionen Euro zahlen, schätzt das spanische Medium El Confidential.