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Offenbarung im Deutsche-Bank-Prozess:Knapp 200 Millionen Euro für Vertrauten von Leo Kirch

  • Die Deutsche Bank musste Schadensersatz an die Familie Kirch zahlen. Fast die Hälfte davon ging an Dieter Hahn, einem engen Vertrauten von Kirch.
  • Der hatte sich bei Gericht vergeblich dagegen gewehrt, seinen Anteil offenlegen zu müssen.
  • Das Gericht beharrte auf der Auskunft, um Hahns Rolle als Zeuge im Deutsche-Bank-Prozess besser einschätzen zu können.

Aus dem Gericht von Klaus Ott

Hahn profitierte persönlich vom Sieg über die Bank

Dieter Hahn war mal eine ganz große Nummer in der Medienbranche: Er war der engste Vertraute des Medienmagnaten Leo Kirch und Vizechef von dessen Film- und Fernsehimperium, bis dieses im April 2002 pleiteging. Auch danach blieb Hahn an Kirchs Seite, kümmerte sich um das verbliebene Geschäft und focht gemeinsam mit ihm gegen die Deutsche Bank. Die hatte den Medienmagnaten angeblich verraten und verkauft und zahlte nach zahlreichen Prozessen und mehr als einem Jahrzehnt schließlich 925 Millionen Euro Schadensersatz an die Erben und Gläubiger des 2011 verstorbenen Film- und Fernsehunternehmers. Ein nicht ganz unerheblicher Teil des Geldes ging an Hahn, der also persönlich von dem Sieg über die Bank profitierte.

Was Hahn bekam, war bislang ein Geheimnis, das aber am Dienstag beim Deutsche-Bank-Prozess am Münchner Landgericht keinen Bestand mehr hatte. Hahn trat als Zeuge auf und musste nach einigem Hin und Her auch in eigener Sache Auskunft geben. Knapp 200 Millionen Euro hatte der langjährige Kirch-Vertraute aus dem Vergleich mit der Deutschen Bank kassiert. Eine hübsche Stange Geld. Hahn hatte immer in Treue fest zu Kirch gestanden. Und der und seine Familie haben Treue immer belohnt.

Auskunft notwendig, um seine Aussage einschätzen zu können

Gegen die Nennung dieses Betrags hatte sich Hahn zusammen mit seinem Anwalt ziemlich gewehrt. Das falle in die Privatsphäre, und die werde verletzt, wenn er Auskunft geben müsse. Peter Noll, der Vorsitzende Richter der fünften Strafkammer, bei der fünf Deutschbanker wegen versuchtem Prozessbetrug angeklagt sind, ließ das nicht gelten. Es wundere ihn, sagte Noll, dass bei einem wirtschaftlich erfolgreichen Menschen die Nennung einer Summe als "hochnotpeinlich" betrachtet werde. "Es geht nicht um die privaten Vermögensverhältnisse, es geht nur um diese eine Auskunft." Und die seit notwendig, um Hahn Aussage einschätzen und würdigen zu können. Der Kirch-Vertraute könnte ja, im Falle eines sehr hohen Anteils an der Zahlung der Deutschen Bank, "nahe an einer Parteirolle" sein. Vor Gericht macht es eben einen Unterschied, ob jemand als Zeuge aussagt. Oder als Partei.

© SZ/kabr

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