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Ölpreis:Warum der Ölpreis plötzlich wieder steigt

Fracking TTIP

Pro Tag fördern die USA - wie hier in Kalifornien - mehr als acht Millionen Barrel Rohöl.

(Foto: David McNew/AFP)
  • Ein Barrel Öl der Sorte Brent kostete am Dienstagmorgen 59,31 Dollar. Das ist der höchste Stand seit Juni 2015.
  • Grund für den Anstieg ist das Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak und eine davon ausgehende Drohung der türkischen Regierung.

Gerade erst wurde die neue große Phase des billigen Öls ausgerufen, nun scheint sie schon wieder vorbei zu sein: Am Dienstagmorgen stieg der Ölpreis für die Sorte Brent auf 59,31 Dollar pro Barrel (159 Liter). So viel hatte der Rohstoff seit mehr als zwei Jahren nicht gekostet.

Damals war der Ölpreis abgestürzt auf knapp über 40 Dollar, gefolgt von einem historischen Tief von weniger als 30 Dollar pro Barrel Anfang 2016. Seitdem hat sich der Preis zwar wieder etwas berappelt, von einer Stabilisierung konnte aber kaum die Rede sein. Erst vor drei Monaten war er erneut unter die psychologisch wichtige Marke von 45 Dollar gesunken.

Der aktuelle Anstieg ist vor allem durch das Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak zu erklären, das am Montag stattfand. Zwar war am Dienstagmorgen, als der Ölpreis seine zwischenzeitliche Rekordmarke erreichte, erst ein Bruchteil der Stimmen ausgezählt. Die Befürworter eines eigenständigen Staates lagen jedoch schon da mit mehr als 90 Prozent deutlich vorne.

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Dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan ist allein die Tatsache, dass die Abstimmung stattfand, ein Dorn im Auge. Er ist vehement gegen einen eigenständigen Kurdenstaat und drohte bereits eine Militärintervention in diesem Falle an. Und, was die Märkte bewegte: eine Blockade der kurdischen Öl-Exporte.

Pro Tag fließen aus dem Nordirak Hunderttausende Barrel Öl durch türkische Pipelines in den Rest der Welt. Der Öl-Export, auch aus den umstrittenen Gebieten, ist die wichtigste Einnahmequelle der Regionalregierung. Diesen Umstand nutzt der türkische Präsident nun als Druckmittel. "Wir kontrollieren den Öl-Hahn", sagte er in Istanbul. "In dem Moment, wo wir den Hahn zudrehen, ist es vorbei." Die Kurden würden dann schon sehen, wem sie ihr Öl verkaufen, so Erdoğan.

Auch Fördergrenzen und der schwache Dollar steigern den Preis

Macht die Türkei ihre Drohungen wahr, hat das Folgen für die Ölversorgung ganz Europas. Ein Kanal für Öl-Importe wäre dann abgeriegelt, wenn auch bei weitem nicht der bedeutendste. Deutschland beispielsweise deckt fünf Prozent des landesweiten Ölbedarfs mit Importen aus dem Nachbarstaat der Türkei ab, größter Lieferant ist mit Abstand Russland. Trotzdem trieb allein die Sorge vor einer Verknappung des Angebots am Dienstag den Preis in die Höhe.

Der Konflikt um die kurdische Unabhängigkeit ist allerdings nur einer von mehreren Faktoren, die derzeit den Preisanstieg beim Öl bedingen. Ein weiterer Faktor ist die hohe Nachfrage, die das schon länger andauernde Überangebot auf dem Ölmarkt kompensiert. Auch die schwache US-Währung macht das in Dollar gehandelte Rohöl in Ländern außerhalb des Dollar-Raums günstiger. Das sorgt für eine stärkere Nachfrage und stützt den Preis.

Nach wie vor schauen Analysten außerdem ganz genau auf die nächsten Schritte des Ölkartells Opec. Die Mitgliedsstaaten konnten sich lange nicht auf eine Begrenzung der Fördermengen zur Stabilisation des Preises einigen, und als sie sich dann geeinigt hatten, hielten sich einige Mitglieder nicht daran. Seit wenigen Monaten scheint es nun erstmals, als hielten sich die Opec-Staaten und Russland an die vereinbarten Limits. Klar ist jedoch auch: Sollte auch nur ein Staat diese Vereinbarung aufkündigen, dürfte es mit dem Höhenflug des Ölpreises wieder vorbei sein.

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