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Ölpreis:Langfristig könnte der Ölpreis wieder steigen

Auch sonst rumort es unter den Ölländern, die sich auf die Förderkürzung geeinigt haben. Russland, Venezuela und der Irak setzen die Vereinbarung nur schleppend um, während Saudi-Arabien noch weniger produziert als vereinbart. Die anderen Länder profitieren so vom höheren Preis ohne weitaus weniger Öl zu verkaufen. Saudi-Arabien fällt damit in das gleiche Muster zurück, das sich auch bei früheren Produktionsgrenzen zeigte: Es schultert einen Großteil der Kürzungen und steht relativ schlechter da. Dazu, das zeigten al-Falihs Äußerungen in Houston, sind sie nicht mehr ohne Weiteres bereit. Die bald anstehenden Verhandlungen über eine Verlängerung der Förderkürzung werden nicht zuletzt deshalb spannend.

Zum neuerlichen Preisrutsch unter 50 Dollar tragen auch die Lagerbestände in den USA bei: Die dortigen Öltanks sind so gut gefüllt wie noch nie, was vor allem auf Importe zurückgeht. "Kurz vor Beginn der vereinbarten Förderkürzungen haben die Exporteure so viel Rohöl wie möglich auf den Seeweg gebracht", sagt Steffen Bukold von der Energieberatung Energy Comment. Da nur die USA über große und billige Öltanklager verfügten, sei vor allem dorthin exportiert worden. Ein Großteil der Last-Minute-Exporte stammt aus Saudi-Arabien. Bevor die Opec-Einigung von Januar an umgesetzt wurde, exportierten die Opec-Staaten so viel es ging - dieses Öl taucht jetzt verzögert in den Statistiken auf. So haben die Ölstaaten die Effektivität ihrer Kürzungen selbst beschädigt.

Schon früher scheiterte die Opec mit derartigen Versuchen

Das Ziel, den Markt zu stabilisieren, die Lagerbestände schneller abzubauen und den Preis zu stützen, ist also wieder einmal gescheitert. Die eigenen Marktanteile zu schützen und gleichzeitig den Preis zu erhöhen, erweist sich als kaum lösbares Dilemma. Schon früher scheiterte die Opec mit derartigen Versuchen.

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Langfristig könnte der Ölpreis allerdings wieder steigen. Die Internationale Energieagentur erwartet Angebotsengpässe ab 2020, wie sie in ihrem jüngsten Bericht warnt. Darin verweist sie auf die Jahre 2015, 2016, als der Ölpreis tief gefallen war: Vielen Ölkonzernen brachen damals die Einnahmen weg, sie mussten sparen und strichen Gelder. Investieren aber Konzerne und Staaten nicht ausreichend in den Erhalt bestehender Quellen und in neue Förderanlagen, kommt weniger Öl auf den Markt, was die Preise treibt.

Genau dies wäre allerdings aus anderer Perspektive wünschenswert, meint Klaus-Jürgen Gern, Rohstoff-Experte am Institut für Weltwirtschaft: "Den Pariser Klimavertrag wird die Weltgemeinschaft beim aktuellen Ölpreis wohl nicht umsetzten", sagt er. Erst hohe Preise für fossile Brennstoffe erzeugen den nötigen Druck, auf Alternativen umzusteigen.