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Konjunktur:Der Ölpreis-Schock ist auch eine Gefahr für Deutschland

Maritime Wirtschaft

Über 90% des Welthandels wird per Schiff abgewickelt.

(Foto: dpa)

Bleibt das Öl teuer, belastet das auch die Exportwirtschaft. Die Bundesregierung muss dringend die Nachfrage im eigenen Land ankurbeln.

Als Saddam Hussein 1990 Kuwait überfiel, regierte in den USA noch der Vater von George W. Bush. Bush junior selbst verließ auch schon vor zehn Jahren das Weiße Haus. 1990/91: So lange ist es her, dass der Ölpreis an einem Tag so hochschoss wie jetzt nach der Attacke auf Saudi-Arabien. Das zeigt, wie sehr der Drohnenangriff die Märkte durchschüttelt. Der Petroschock türmt ein weiteres Risiko für die Weltwirtschaft auf, die für Deutschland zentral ist. Die Bundesregierung muss eine Antwort darauf finden.

Sicher, es gibt Argumente dafür, dass der ökonomische Fallout der Attacke begrenzt bleibt. Der Erdball hängt nicht mehr so am Tropf des Nahen Ostens wie in der ersten Ölkrise 1973, als das Opec-Kartell den Preis vervierfachte. Heute heißt der größte Produzent USA - und könnte mit seinen Reserven die ausfallende saudische Förderung wochenlang ausgleichen. Insgesamt herrscht ein Überangebot am schwarzen Rohstoff. Keiner der Anbieter will den Preis hochschnellen sehen, weil das die Loslösung des Westens von klimaschädlichen Energien beschleunigt. Dieses Eigeninteresse begrenzt den Ölpreis und damit die konjunkturellen Folgen.

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Auf der anderen Seite könnte der Drohnenangriff fundamental etwas verändern. Die Märkte nehmen ihn viel ernster als die Zwischenfälle, die sich am Golf dieses Jahr bereits ereigneten. Schlimmstenfalls kommt es zu einem Krieg zwischen dem Iran, Saudi-Arabien und den USA. Daran kann zwar eigentlich keiner Konfliktpartei gelegen sein. Doch es agieren auf allen Seiten Hitzköpfe, die womöglich schneller schießen als denken - mit Donald Trump, anders als zu früheren Zeiten, auch in der US-Regierung. Explodiert der Ölpreis, wird es zu einer Rezession kommen, so wie in jeder Dekade seit den 1970er-Jahren.

Auch wenn der Welt ein Krieg erspart bleiben mag, hat die Attacke doch die Unsicherheit auf der globalen Energie-Landkarte etabliert. Die Ölfirma Aramco gilt als gewinnträchtigstes Unternehmen des Erdballs. Das bevölkerungsarme Saudi-Arabien ist der drittgrößte Waffenkäufer der Welt. Wenn sich diese Macht mit Drohnen für einige Tausend Dollar überwinden lässt, so dass auf einen Schlag fünf Prozent der globalen Ölproduktion ausfallen - was kann dann noch alles passieren? Analysten sprechen nun von einer Risikoprämie für den Rohstoff. Steigt der Ölpreis dauerhaft um zehn Dollar, belastet das schon die globale Wirtschaft.

Denn der Weltkonjunktur kommt weitere Unsicherheit alles andere als gelegen. Ob Brexit oder Trumps Strafzölle - Politiker hatten schon einen Abschwung ausgelöst, bevor Jemens Rebellen Drohnen abfeuerten. Und anders als nach der Finanzkrise 2008 wird Asien die globale Konjunktur diesmal nicht retten. China meldet diese Woche den niedrigsten Anstieg der Industrieproduktion seit 17 Jahren. Die Wachstumsmaschine, die gerade deutschen Firmen Geschäft bescherte, läuft seit Jahren langsamer.

Trumps Monsterzölle verschärfen die Probleme

Schon diese Normalisierung, die ein Newcomer auf dem Weltmarkt irgendwann erleben muss, belastet Exportnationen wie die Bundesrepublik. Nun aber verschärfen Trumps Monsterzölle Chinas Probleme. Mancher beruhigt sich damit, der Präsident werde den Konflikt bald beenden, um die US-Konjunktur nicht vor den Wahlen 2020 abschmieren zu lassen. Doch je länger die schon eineinhalb Jahre währende Machtprobe dauert, desto möglicher wird ein anderes Szenario: Dass einer der beiden Seiten keinen raschen Deal will, sondern den Kampf um die ökonomisch-technologische Vorherrschaft bis zum Ende austrägt.

Ölschock, Chinaschwäche, Handelsstreit: Mancher deutsche Politiker mag sich gerade wünschen, er säße in der französischen Regierung. Ja, ausgerechnet das als reformlahm geltende Frankreich dürfte wirtschaftlich in diesem Jahr drei Mal so stark wachsen wie Deutschland. Denn es hängt nur zu 30 Prozent von Exporten ab, die Bundesrepublik aber zu 50 Prozent.

Wenn die Weltwirtschaft kriselt und sogar in die Knie geht, trifft das Deutschland besonders. Die Bundesregierung sollte daraus die Konsequenzen ziehen und endlich die heimische Nachfrage stärken. Wenn die Exporte dümpeln, können es nur Aufträge an die Firmen richten - und Anreize für Konsumenten. Ersteres lässt sich durch Investitionen in die malade Infrastruktur erreichen. Letzteres, indem die Masse von Steuern und Abgaben entlastet wird. Damit Bürgern vom Lohn mehr bleibt, statt durch teureres Öl noch weniger. Die Bundesregierung ist gefordert. Sie kann es sich durch die rekordniedrigen Zinsen leisten, das nötige Geld zu beschaffen. Sie muss es nur wollen.

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