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Ölpreis:Neu entdeckte Vorkommen gibt es kaum

Zu den Problemen, mit denen sich die Vorstände der Ölkonzerne in Houston befassen müssen, gehört auch, dass allgemein immer weniger Vorkommen gefunden werden. 2014 wurde weltweit so wenig neues Öl entdeckt wie zuletzt 1952, insgesamt etwa 4,5 Milliarden Barrel. Das hat die amerikanische Beratungsfirma IHS berechnet. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 wurden Vorkommen mit einem Volumen von mehr als 20 Milliarden Barrel entdeckt.

Die Zeichen sind nicht zu übersehen. Das fossile Zeitalter neigt sich dem Ende zu. Die USA können das Ende mit Hilfe von Fracking noch ein bisschen hinauszögern. Die jüngsten Zahlen der US-Energieagentur deuten jedoch an, dass so manche Einschätzung in dieser Hinsicht vielleicht zu optimistisch war. Tatsache ist, dass die EIA die Förderung in North Dakota - eine Region, die zwölf Prozent zur US-Ölfördermenge beisteuert - schon länger zu hoch einschätzt. Zahlen der Behörden aus dem Bundesstaat selbst zeigen zudem deutlich, dass die Produktion in der Bakken-Formation bereits seit Jahresanfang sinkt, und nicht erst ab Mai, wie von EIA prognostiziert.

SZ-Grafik; Quellen: IHS, Ludwig Bölkow Systemtechnik, Peak Oil Barrel

Bakken, das ist nicht irgendein Ölfeld. Der Name steht für eines der größten nicht konventionellen Ölvorkommen der USA. Erst die umstrittene Fracking-Technologie hat die Ausbeutung möglich gemacht. Es sind Funde wie dieser, die das Land in den vergangenen Jahren deutlich unabhängiger gemacht haben, etwa von Öllieferungen aus Saudi Arabien. Sinkt die Förderung in North Dakota, dann wird das in der Branche als Zeichen gewertet, dass der Fracking-Aufschwung schneller seinen Zenit erreichen könnte als bisher angenommen. Während ein Teil der Experten glaubt, dass die Ölförderung jederzeit wieder den alten Stand erreichen kann, wenn der Ölpreis steigt und wieder mehr investiert wird, sind andere skeptisch. "Die ergiebigsten Quellen sind bereits erschlossen und auch in Betrieb", sagt Werner Zittel von der Energy Watch Group, einem internationalen Netzwerk von Wissenschaftlern und Parlamentariern. Vorkommen, die in der nächsten Welle erschlossen würden, seien nicht mehr so ergiebig.

Viele Unternehmen haben sich finanziell übernommen

Deshalb werde es für die USA immer schwerer, ihre Ölproduktion hoch zu halten. Auch die Industrie stellt sich auf härtere Zeiten ein. 130 Fusionen und Übernahmen wurden 2014 in der amerikanischen Öl- und Gasbranche registriert, das ist neuer Rekord. In diesem Jahr könnten es noch mehr werden. Dies ist immer auch ein Zeichen dafür, dass viele Unternehmen sich finanziell übernommen haben. Fracking habe zuletzt einen enormen Anstieg erlebt, jetzt bereinige sich der junge Markt, heißt es in einer Analyse des Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW. Sollte sich der Frackingboom in den USA tatsächlich schon bald abschwächen, könnte das die Wendemarke bei den Ölpreisen bedeuten. Aber auch andere Faktoren spielen dafür eine entscheidende Rolle. So hat sich die Organisation erdölproduzierender Länder (OPEC), die von Saudi Arabien angeführt wird, bislang geweigert, ihre Produktion zu drosseln, um den Preisverfall des Öls zu stoppen. Ob es dabei bleibt, ist unklar, das nächste Treffen der Opec steht im Juni an. Für einen deutlichen Anstieg der Nachfrage gibt es derzeit zumindest keine Anzeichen. Dämpfend wirkt sich derzeit die schwächelnde Wirtschaft Chinas aus.

Auch die deutsche Wirtschaft könnte Schaden nehmen

Ein Anstieg des Ölpreises kann für die Weltwirtschaft vor allem dann zum Problem werden, wenn er sehr rasch erfolgt. Ein Risiko, das derzeit allerdings kaum gesehen wird, auch nicht vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Öl werde im Jahresdurchschnitt 2015 mit 58,14 Dollar pro Fass um fast 40 Prozent billiger sein als 2014, prognostizierte der IWF in dieser Woche. Führende deutsche Wirtschaftsinstitute gehen in einer noch nicht veröffentlichten Studie für das Bundeswirtschaftsministerium davon aus, dass der Ölpreis vorerst niedrig bleibt. Sollte das nicht der Fall sein, sei mit einem dämpfenden Effekt für die deutsche Konjunktur zu rechnen, warnen sie.

Doch es gibt auch Zweifel an der IWF-Prognose. Energieexperte Zittel warnt vor unterschätzten Risiken: "Beim Ölpreis wird viel schöngeredet."

© SZ vom 17.04.2015/pwe
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