Iran-KriegÖlpreis bricht ein – Spritpreise weiter auf hohem Niveau

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Ein Tropfen Benzin fällt aus der Zapfpistole einer Tankstelle.
Ein Tropfen Benzin fällt aus der Zapfpistole einer Tankstelle. Alain Jocard/AFP/dpa

Die Preise für Rohöl sind auf dem niedrigsten Stand seit Mitte März, doch die Entspannung an den Tankstellen bleibt aus. Die Bundesregierung und der Mineralölwirtschaftsverband hatten zuvor die Hoffnung auf sinkende Spritpreise bereits gedämpft.

Nach der Verkündung einer zweiwöchigen Waffenruhe im Iran-Krieg haben die zuletzt stark gestiegenen Ölpreise deutlich nachgegeben. Der Preis für ein Fass (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juni sackte rasant um rund 16 Prozent auf circa 92 US-Dollar (rund 79 Euro) – der niedrigste Wert seit Mitte März. Bei der für den US-Markt wichtigeren Sorte WTI fiel der Preisrückgang mit Auslieferung im Mai ähnlich aus.

Auf die Spritpreise in Deutschland zeigt der gesunkene Rohölpreis hingegen kaum Auswirkung, die allermeisten Tankstellen haben am Mittwochmittag ihre Preise sogar deutlich erhöht. Im bundesweiten Durchschnitt verteuerte sich Superbenzin der Sorte E10 zwischen 11.45 Uhr und 12.15 Uhr um 5,7 Cent pro Liter, Diesel um 5,3 Cent, wie der ADAC mitteilt. Nach der Erhöhung kostete ein Liter E10 im Schnitt 2,208 Euro, ein Liter Diesel 2,471 Euro.

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Bei genauer Betrachtung deuten die jüngsten Anhebungen jedoch in Richtung sinkender Spritpreise, denn der Anstieg am Mittwochmittag war der bisher niedrigste seit Einführung der 12-Uhr-Regel vor einer Woche. Noch vergangene Woche hatten die Preissprünge um die Mittagszeit teilweise mehr als 10 Cent betragen, nun geht es weniger stark nach oben.

Auch die Durchschnittspreise um 12.15 Uhr sind niedriger als am Vortag zur selben Zeit - bei E10 um knapp 3 Cent, bei Diesel sogar um gut 3 Cent. Der ADAC fordert, dass der gesunkene Ölpreis „zügig an die Verbraucher weitergegeben werden“ muss.  Ob das passiert und falls ja, wie schnell, ist unklar. Das Bundeskartellamt hat in der Vergangenheit beobachtet, dass Kostensteigerungen schnell im Preis sichtbar werden, sinkende Kosten aber nur langsam.

Waffenruhe sorgt nicht sofort für niedrigere Spritpreise

Schon am Vormittag hatten sowohl die Bundesregierung als auch der Mineralölwirtschaftsverband die Erwartungen auf eine Entlastung an den Zapfsäulen gedämpft. Die zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg sei eine sehr gute Nachricht, „aber es braucht eine realistische Erwartungshaltung“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille ⁠am Mittwoch in Berlin. Erstens sei der Waffenstillstandsprozess mit großen Unsicherheiten behaftet. „Wir sind noch weit von einem Abkommen entfernt, und erhebliche Rückschläge sind ‌jederzeit möglich“, sagte Hille. „Zweitens, die ‌Wiedereröffnung der Straße von Hormus braucht Zeit und führt nicht schnell unmittelbar zurück zum Status aus dem Februar.“

Es werde dauern, bis bei der Schifffahrt das Vorkriegsniveau wieder erreicht sei und sich das Angebot am Weltmarkt stabilisiert habe. ‌Es werde zudem dauern, bis zerstörte Produktionsanlagen wiederhergestellt seien. Wenn Schiffe die ‌Straße von ‌Hormus ab sofort wieder passieren könnten, dauere es logistisch drei bis sechs Wochen, bis Schiffe die Transportrouten nach Europa vollständig zurückgelegt hätten. „Es wird also ‌geraume Zeit dauern, bis diese zusätzlichen Mengen physisch verfügbar sind. Dementsprechend wird es auch dauern, bis deutliche Preissenkungen bei uns ankommen“, sagte Hille. Zudem würden die Transportkosten ⁠absehbar erhöht bleiben.

Auch der Mineralölwirtschaftsverband dämpfte die Hoffnungen auf eine Entspannung bei den Energiepreisen. Entscheidend für die Tankstellenpreise sei nicht der Rohölpreis, erklärt der Wirtschaftsverband Fuels und Energie. Ausschlaggebend seien die an den Börsen gehandelten Preise für Kraftstoffe wie Benzin und Diesel. Diese richteten sich nach der Angebots- und Nachfragesituation auf dem Weltmarkt. Es bleibe abzuwarten, wie die Märkte auf die veränderte Lage reagierten. Dies hänge auch vom Ausmaß der Zerstörung von Infrastruktur in den betroffenen Gebieten ab. „Wir hoffen auf eine rasche Entspannung“, erklärt der Verband. „Preisprognosen nehmen wir nicht vor.“

Dax steigt deutlich an

Auf den Dax hingegen hat die verkündete Waffenruhe positive Auswirkungen: Er steigt bei Handelsstart deutlich. Der deutsche Leitindex legte am Morgen um 4,9 Prozent auf 24 033 Punkte zu. Entsprechend deutlich steigt die Risikofreude der Anleger. Auch in Ostasien legten die Börsenkurse kräftig zu. Der japanische Leitindex Nikkei 225 schoss um mehr als 5 Prozent nach oben auf das Niveau von Anfang März. Wichtig für die globalen Märkte ist vor allem, dass Iran die Straße von Hormus nun wieder für den Schiffsverkehr öffnen will.

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Seit dem Beginn des Iran-Kriegs verteuerte sich die Referenzsorte für den weltweiten Ölmarkt um mehr als 50 Prozent. Öl der Sorte WTI mit Auslieferung im Mai kostet am Dienstag rund 115 Dollar und damit rund 70 Prozent mehr als vor Beginn des Kriegs vor mehr als fünf Wochen.

Dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi zufolge soll nun zwei Wochen lang die sichere Durchfahrt durch die Meerenge gewährleistet werden. Iran und die USA hatten sich kurz vor Ende eines Ultimatums von US-Präsident Donald Trump auf die Waffenruhe geeinigt. Trump hatte mit heftigen Angriffen auf Irans Energiesektor gedroht, sollte es nicht bis Mittwoch um 2 Uhr deutscher Zeit zu einer Einigung und der Öffnung der Straße von Hormus kommen. Kurz vor Ablauf der Frist verkündeten beide Seiten die Einigung auf die Feuerpause.

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