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Ölpreis:Für einen Abgesang auf die Opec ist es zu früh

Seit 2008 aber hat der Öl-Klub nicht mehr nennenswert in den Markt eingegriffen. Damals beschlossen die Mitglieder zuletzt niedrigere Förderquoten, um der schwachen Nachfrage wegen der Weltwirtschaftskrise zu begegnen. Zwischen 1998 und 2008 hatten sie solche Entschlüsse noch 27-mal getroffen. Die letzte Opec-Entscheidung fiel während der Konferenz im Dezember, als die Öl-Staaten ihre gemeinsame Förderquote faktisch abschafften.

Die Preise waren daraufhin erneut abgestürzt. Die Ölsorte Brent fiel bis auf etwa 27 Dollar pro Fass (159 Liter), ein Liter Diesel kostete an deutschen Tankstellen deutlich weniger als einen Euro. Al-Falih und seine Delegation sind jetzt mit guten Argumenten in Wien angereist, warum ihr Plan endlich zu funktionieren scheint: Seit Februar sind die Ölpreise um mehr als 85 Prozent gestiegen. Wegen der Waldbrände in Kanada, Attacken auf Pipelines und Terminals im Nigerdelta und wegen des Kriegs in Libyen verschwanden innerhalb weniger Wochen mehrere Millionen Barrel Öl vom Markt. Das stützte die Preisentwicklung. Zugleich dürfte die Ölproduktion außerhalb der Opec in diesem Jahr so stark zurückgehen wie nie während der vergangenen zehn Jahre. Die teilweise teure Schieferöl-Produktion in den USA sinkt, Ölkonzerne kürzen ihre Investitionen zusammen und entlassen Tausende Mitarbeiter. Langsam bewegt sich der Markt wieder in ein Gleichgewicht, das weltweite Überangebot an Erdöl dürfte allmählich verschwinden - obwohl gerade die Fördermenge der Opec in den ersten drei Monaten des Jahres noch einmal deutlich gestiegen ist.

Die Opec ist heute eher eine Dialogplattform

Während die Saudi-Araber dazu schwiegen, füllten andere die Lücke. Die Vertreter Nigerias und der Vereinigten Arabischen Emirate verbreiteten im Lauf der Woche Optimismus. "Der Markt wird von allein einen Preis finden, der für Konsumenten und Produzenten fair ist", sagte Suhail Mohamed al-Mazrouei, Ölminister der Emirate. Sein nigerianischer Kollege Emmanuel Ibe Kachikwu sagte, dem Ölmarkt "geht es gut". Vor einigen Wochen hatten sich Vertreter Kuwaits ähnlich geäußert. Die mächtigeren Opec-Staaten schlagen sich mithin mehrheitlich auf die Seite Saudi-Arabiens: abwarten und durchhalten, bis sich die niedrigen Preise von allein erledigt haben.

Khalid al-Falih kann das nur recht sein. Er muss seine Rolle als Vertreter des mächtigsten Opec-Mitglieds erst noch finden, nachdem Vize-Kronprinz Mohammed Bin Salman dem Königreich eine wirtschaftspolitische Radikalkur verordnet hat, ein Mega-Projekt, um das Land weniger abhängig von den Öl-Einnahmen zu machen. Strategische Entscheidungen der Opec wird Saudi-Arabien nur noch im Lichte dieser innenpolitischen Pläne mittragen.

Für einen Abgesang auf die Opec ist es trotz allem noch zu früh. Seit Bestehen des Länderklubs gab es selten Phasen, in denen er effektiv als Kartell agierte. Macht und Ohnmacht, Streit und Einigkeit wechselten sich in der 55-jährigen Geschichte der Organisation häufig ab. Man muss sich die Opec heute vor allem als Dialogplattform derjenigen Länder vorstellen, die am meisten von Petrodollars abhängen. Sie mag derzeit machtlos sein. Irrelevant ist sie deshalb noch lange nicht.

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Saudi-Arabien

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Eins ist sicher: Eine Begrenzung der Öl-Fördermenge, die weltwirtschaftlich so wichtig wäre, steht nicht auf Khalid al-Falihs Plan.   Von Paul-Anton Krüger

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