Verwirrende Nachrichten kommen in Sachen Öl von den Experten. Keine Sorge, die deutsche Wirtschaft kann auch mit einem Ölpreis von 80 Dollar gut leben, sagen die einen. Ein paar Tage später bricht dann das Stimmungsbarometer des Mannheimer ZEW überraschend ein; und schuld ist, neben der näher rückenden Erhöhung der Mehrwertsteuer, die Erwartung steigender Ölpreise.
Offensichtlich teilen die Finanzmarktexperten - und die werden für den ZEW-Indikator befragt - den Optimismus der Industrieforscher nicht. Aber was ist nun richtig? Sollten die Unternehmer gelassen sein oder sich auf harte Zeiten einstellen?
Fast-Vervierfachung des Preises
Eine sichere Antwort ist nicht möglich, das liegt bei Konjunkturerwartungen in der Natur der Sache. Aber es gibt einige verlässliche Hinweise: So kann die Weltwirtschaft inzwischen erstaunlich flexibel auf steigende Energiepreise reagieren.
Es ist erst ein paar Jahre her, dass ein Fass Rohöl noch weniger als 20 Dollar kostete, doch die Fast-Vervierfachung des Preises seither hat nicht verhindert, dass die Weltwirtschaft - außerhalb Kontinentaleuropas - derzeit einen regelrechten Boom erlebt. In China, einem der Auslöser für die Rohstoff-Hausse, wächst die Wirtschaft inzwischen um elf Prozent. Auch Deutschland hat den hohen Ölpreis bisher gut verkraftet, der deutsche Maschinen- und Anlagenbau profitiert sogar indirekt von der Entwicklung: Die Nutznießer des hohen Ölpreises im Nahen Osten und anderswo brauchen Produkte aus Deutschland, wenn sie ihre Kapazitäten erhalten oder erweitern wollen.
Anstieg über 80 Dollar wäre gefährlich
Aber natürlich funktioniert dies alles nicht bei jedem beliebigen Ölpreis. Besonders ein rascher Anstieg über die 80 Dollar hinaus wäre gefährlich. Und genau deshalb birgt die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten so hohe Risiken für die Weltwirtschaft.
Bisher ist der Preisanstieg zwar spekulativ überzeichnet, im Wesentlichen jedoch durch die Nachfrage getrieben, vor allem aus den boomenden Volkswirtschaften Asiens. Wenn jetzt jedoch, etwa weil der Ölexport aus Iran ausfallen sollte, eine Angebotsverknappung dazu kommt, ist eine andere Dimension erreicht.
Risiken liegen schließlich auch in den Vereinigten Staaten. Bisher waren die Zinsen dort angesichts der hohen Wachstumsraten und trotz mehrerer Erhöhungen immer noch sehr niedrig; billiges Geld ist so zu einem Teil ein Ausgleich für teures Öl geworden. Doch nun, da die Sorgen vor einem Wiederaufleben der Inflationserwartungen wachsen, dürften die Zinsen sowohl in Amerika als auch in Europa noch weiter steigen. Es lohnt sich also, in Sachen Öl wachsam zu sein.