Talfahrt an den Börsen:Ölpreis-Sturz stellt Händler vor ein Rätsel

"Das war das Schnellste, was ich je erlebt habe": Binnen Minuten rauscht am Montag der Ölpreis an den US-Börsen nach unten. Händler und Kontrollbehörden können sich das nicht erklären.

Ungläubig starrten die Händler auf ihre Bildschirme. "Sie waren wie gelähmt vor Angst", sagte Peter Donovan, Börsenhändler in New York. Was war passiert? Innerhalb kürzester Zeit war der Ölpreis am Montag eingebrochen. Brent-Öl verbilligte sich binnen drei Minuten um mehr als fünf Dollar auf 111,60 Dollar je Barrel. Ein Barrel der US-Sorte WTI rutschte zur selben Zeit auf unter 95 Dollar und kostete damit zwischenzeitlich fast drei Prozent weniger als am Freitag.

"Niemand wusste, was los ist", sagte Donovan. Nicht nur die Händler waren verwirrt, auch die Regulierungsbehörden sind noch ratlos, wie es zu dem Preissturz kommen konnte.

Das Ungewöhnliche: Zur Zeit des Ölpreis-Einbruchs wurden innerhalb einer Minute 13.000 Posten der US-Sorte WTI und 10.000 Posten der Sorte Brent bewegt. Kurz zuvor waren es 131 beziehungsweise 152 Posten in der Minute.

Viele Händler führten den Ausverkauf auf ein Problem mit einem automatischen Computer-Handelsprogramm zurück. "Ich mache das jetzt seit 14 Jahren, aber das war das Schnellste, was ich je erlebt habe", sagte John Gretzinger, Risk-Manager beim Finanzdienstleister INTL.FCStone. Es könne sich nur um Hochfrequenzhandel oder Algo-Trading gehandelt haben.

Bei Algo-Trading bewegen Computer mit Hilfe von Handelsalgorithmen innerhalb von Sekunden große Mengen. Mehr als 70 Prozent des amerikanischen Aktienhandels sind inzwischen computergesteuert. Der Börsendienstleister Nanex hat die Entwicklung des Hochfrequenzhandels grafisch dargestellt.

Die Chicago Mercantile Exchange (CME), an der Öl hauptsächlich gehandelt wird, teilte mit, man wisse von dem Problem mit den Ölpreisen. Es würden aber keine Geschäfte rückgängig gemacht. Die IntercontinentalExchange (ICE), Handelsplatz für Brent, lehnte eine Stellungnahme ab. Die Regulierungsbehörde CFTC erklärte, sie forsche nach den Ursachen. "Wir sind in Kontakt mit der CME und der ICE und werden der Sache auf den Grund gehen", sagte ein Sprecher.

© Süddeutsche.de/Reuters/bero/hgn/bavo
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