Ölpreis-Strategie der Opec:Das Ziel ist nicht mehr, den Ölpreis direkt zu steuern

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In den vergangenen Monaten aber zeigte sich erst das eigentlich Erstaunliche: Die meisten Staaten hielten sich an ihre Zusagen und kürzten ihre Förderung um das individuelle Niveau. Kaum ein Land schummelte, um die Situation auszunutzen.

Mit der diplomatischen Leistung der Opec-Vertreter geht auch ein neues Selbstverständnis einher. Anfang des Monats versprach al-Falih während einer Rede in Kuala Lumpur: Man werde tun, "was immer auch nötig ist", um den Ölmarkt in Balance zu bringen, und wiederholte das am Donnerstag in Wien. Die Wortwahl ist kein Zufall. "Whatever it takes", hatte EZB-Präsident Mario Draghi im Jahr 2012 direkt in die Geschichtsbücher diktiert. Die europäische Notenbank werde tun, was auch immer nötig ist, um den Euro zu retten. Mit dem neuen Ton rückt al-Falih als mächtigster Opec-Minister - erst seit einem Jahr im Amt - die Organisation in die Nähe von Zentralbanken.

Die Manöver der Opec sind riskant

Daran lässt sich die geschwundene Marktmacht ablesen. Spätestens seit den achtziger Jahren haben die Opec-Staaten Marktanteile an Produzenten in Industrieländern und neue Konkurrenten außerhalb der Opec verloren; der Wiederaufstieg der USA zu einem der größten Ölproduzenten hat den Einfluss des Kartells weiter beschränkt. Das Ziel ist folglich nicht mehr, den Ölpreis direkt zu kontrollieren, sondern mit Bedacht die Fördermenge zu steuern, um den Markt zu stabilisieren.

Doch auch diese Manöver sind riskant, wie die Ölexporteure schnell zu spüren bekamen. Die Schieferöl-Produzenten in den USA hatten auf steigende Preise nur gewartet. Mehr als hundert Ölförderer und Dienstleistungsfirmen hatte der Preisverfall in die Pleite gezwungen, andere waren hoch verschuldet und investierten nicht mehr, insgesamt sank die Fördermenge.

Seit Anfang des Jahres aber kehren die Vereinigten Staaten mit aller Macht und deutlich schneller als erwartet zurück. Um mehr als 800 000 Barrel am Tag haben die US-Firmen ihre Förderung binnen sieben Monaten gesteigert und so allein mehr als die Hälfte der Opec-Kürzungen ausgeglichen. Die EIA rechnet vor, die US-Förderung werde bis Ende 2017 auf 9,9 Millionen Barrel am Tag steigen. Es wäre ein Rekord.

Nicht nur deshalb war die Vereinbarung von 2016 unzureichend, um den Überfluss zu beseitigen. Inzwischen steigern mit Libyen und Nigeria zwei wichtige Opec-Produzenten ihre Fördermengen, die wegen politischer Probleme von Kürzungen ausgenommen waren und dies auch bleiben. Diese Umstände zwingen die Ölexporteure, geduldig zu bleiben - und weiter zu hoffen: Dass nicht zu schnell zu viele Konkurrenten die Gunst der Stunde nutzen, zurück auf den Markt drängen und die Förderlimits kompensieren. US-Konzerne, so viel ist abzusehen, werden genau das tun.

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