Ölkatastrophe im Golf von Mexiko BP rüstet sich für den Notfall

Die Ölpest vor der US-Küste belastet den Ölkonzern BP schwer. Nun verkaufen die Briten Unternehmensteile im Golf von Mexiko für fast sechs Milliarden Dollar - und wappnen sich damit für riesige Schadenersatzforderungen.

Von Silvia Liebrich

Der britische Ölkonzern BP kämpft noch immer mit den Folgen des verheerenden Ölunfalls vor der amerikanischen Küste vor knapp zweieinhalb Jahren. Das Unternehmen muss mit milliardenschweren Schadenersatzforderungen rechnen. Dafür wappnet sich BP nun mit einem weiteren Verkauf. Fünf Öl- und Gasförderprojekte im Golf von Mexiko sollen für 5,6 Milliarden Dollar, umgerechnet knapp 4,4 Milliarden Euro*, von der texanischen Ölfirma Plains übernommen werden. Das teilte BP am Montag mit.

Die schmierige Brühe, die auf diesem Bild im Sommer 2010 an den Strand schwappt, richtet bis heute Schäden an. Ein Tropensturm spülte vergangene Woche Öl an die US-Küste in Alabama, das vom Deepwater-Horizon-Unglück stammt.

(Foto: dpa)

Das Geschäft mit Plains ist Teil eines großen Verkaufsprogramms, das Konzernchef Robert Dudley nach der Umweltkatastrophe angestoßen hat. Bei der Explosion der Plattform Deepwater Horizon im April 2010 kamen elf Menschen ums Leben. Fast drei Monate lang strömte unkontrolliert Öl in den Golf von Mexiko und verursachte gewaltige Schäden, für die vor allem BP aufkommen muss. Dudley beschloss daraufhin, bis 2013 Firmenwerte in Höhe von 38 Milliarden Dollar abzustoßen, um die Kosten decken zu können. 32 Milliarden Dollar hat das Unternehmen bereits realisiert.

Als eine Art Notverkauf will Dudley den Deal mit dem texanischen Unternehmen aber keinesfalls verstanden wissen. "Diese Beteiligungen passen einfach nicht länger zu unserer Strategie", begründete er den Schritt. In Zukunft wolle sich das Unternehmen auf weniger, dafür aber größere Vorkommen und Tiefsee-Bohrungen konzentrieren. Zu den abgestoßenen Projekten im Golf von Mexiko zählen Marlin Hub, Horn Mountain und Holstein sowie Beteiligungen an den zwei noch nicht erschlossenen Ölfeldern Ram Powell und Diana Hoover. BP hatte den Verkauf im Mai angekündigt.

BP drohen Schadensersatzzahlungen in Milliardenhöhe

Trotzdem wollen die Briten weiter an ihrem Engagement in der Region festhalten. "In den nächsten zehn Jahren werden wir mindestens vier Milliarden Dollar pro Jahr in die Produktion im Golf von Mexiko investieren", kündigte BP-Chef Dudley an.

Auf die Erlöse aus dem Verkaufsprogramm wird der Konzern in den nächsten Jahren wohl zugreifen müssen. Zwar steht die Höhe der Schadenersatzzahlung noch nicht fest. Doch die USA haben in der vergangenen Wochen den Ton im Streit mit dem britischen Unternehmen verschärft. Sie werfen dem Konzern grobe Fahrlässigkeit und mutwilliges Verhalten vor, was BP entschieden zurückweist. Sollte das Gericht die Position der Regierung bestätigen, droht den Briten eine Vervierfachung der Zahlungen auf bis zu 21 Milliarden Dollar. Der Prozess soll im Januar beginnen und könnte sich über Jahre hinziehen.

Die Aussichten für BP sind schlecht. Aus Gerichtsunterlagen geht hervor, dass das Justizministerium seine Vorwürfe mit einem vernichtenden Urteil über einen Sicherheitscheck begründet. Als klaren Beleg für ihre Anschuldigungen werten die Anwälte der Regierung Fehler, die BP und der Bohrplattform-Besitzer Transocean bei der Auswertung eines Druck-Tests für das Ölfeld machten. "Dass ein solch einfacher, aber grundlegender und sicherheitskritischer Test so erstaunlich verpfuscht wurde in so vielen Punkten und von so vielen Menschen, zeigt die grobe Fahrlässigkeit", heißt es in den Prozessunterlagen.

*Anmerkung der Redaktion: Die ursprüngliche Dollar-Euro-Umrechnung war falsch.

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