Ölindustrie Große Pleitewelle 

US-Energiefirmen verlieren eine Billion Dollar an Börsenwert in neun Monaten. 59 Firmen müssen Insolvenz anmelden, ein Ende ist nicht in Sicht.

Der Ölpreisverfall hat in den USA eine Pleitewelle ausgelöst. Durch die massiv gesunkenen Einnahmen mussten bislang 59 Öl- und Gasfirmen einen Antrag auf Gläubigerschutz stellen. Diese Woche meldeten Midstates Petroleum und Ultra Petroleum Insolvenz an. Allein in den ersten drei Monaten des Jahres waren es damit 15 Unternehmen. Ursache dafür ist der niedrige Ölpreis. Wenn die Pleitewelle anhält, könnte sie größere Ausmaße annehmen als das Firmensterben in der Telekombranche in den Jahren nach 2000. Damals meldeten 68 Unternehmen Insolvenz an.

Fachleute rechnen mit einer weiteren Zuspitzung - ungeachtet der jüngsten Erholung des Ölpreises, der am Donnerstag bei 46 Dollar je Fass lag. Die Notierungen sind zwar seit Mitte Januar um 65 Prozent gestiegen, doch die aktuellen Preise liegen weit unter den Spitzenwerten von mehr als 100 Dollar vor zwei Jahren.

Laut Charles Gibbs, Experte für Unternehmenssanierungen bei der Anwaltskanzlei Akin Gump in Texas, ist die Branche noch längst nicht über den Berg. Nicht einmal die Hälfte sei geschafft. "Nach meiner Einschätzung wird es im zweiten Quartal mehr Pleiten geben als im ersten", sagte er. Seit Mitte 2014 haben US-Energiefirmen insgesamt eine Billion Dollar an Börsenwert eingebüßt, das geht aus dem entsprechenden Dow-Jones-Branchenindex hervor.

Banken zeigen Härte bei der Vergabe von Krediten

Große Ölkonzerne wie Shell, BP und Exxon können wegbrechende Erlöse leichter auffangen als kleine Unternehmen - etwa durch Einsparungen. Zudem haben sie haben ihre Lagerbestände massiv ausgebaut, damit sie später zu höheren Preisen verkaufen können. So wendete Shell nach eigenen Angaben zwischen Januar und März etwa eine Milliarde Dollar auf, um Rohöl zu lagern. Der französische Konkurrent Total bunkerte Rohöl im Wert von 750 Millionen Dollar. Diese Option haben kleinere Produzenten in der Regel nicht.

Vor allem junge Firmen, die in der Öl- und Gasförderung aus Schiefergestein mitmischen, tun sich schwer. Die Fracking-Technik ist nicht nur wegen des Umweltschutzes umstritten, sondern auch aufwendig und teuer. Die Produzenten brauchen einen ständigen Zufluss von Kapital, an das sie immer schwerer herankommen. Banken zeigen bei der Kreditvergabe Härte, auch weil ihnen selbst die Aufsichtsbehörden im Nacken sitzen. Zudem stocken rettende Fusionen, weil die schwankenden Ölpreise Bewertungen schwierig machen und Käufer die Schulden der anvisierten Unternehmen erst dann übernehmen wollen, wenn diese das Insolvenzverfahren abgeschlossen haben.

Zuletzt scheiterte ein Zusammenschluss von Schwergewichten. Am Montag platzte die 28-Milliarden-Dollar-Fusion der US-Öldienstleister Halliburton und Baker Hughes. Schuld daran waren allerdings nicht die Banken, sondern der Widerstand der Kartellbehörden in Amerika und Europa. Diese waren zu dem Schluss gekommen, dass beide Firmen zusammen eine zu große Marktmacht hätten.