Öl- und Gasrevolution in Nordamerika Was die Revolution für Deutschland bedeutet

Weil Amerika nun über so viel eigenes Gas verfügt, braucht es seine Kohle nicht mehr. Die drängt auch auf den deutschen Markt. Das hat Auswirkungen auf die hiesige Energiewende: Der amerikanische Stoff ist so billig, dass Kohlekraftwerke hierzulande noch rentabler werden. Im Gegensatz zu Gaskraftwerken feuern sie aber deutlich mehr CO2 in die Atmosphäre. So konterkariert der US-Schiefergasboom die Versuche der Bundesregierung, Energie umweltfreundlicher zu produzieren. Zudem fürchtet die deutsche Industrie um ihre Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich mit Herstellern in den USA, weil der Gaspreis dort so billig ist.

Selbst in tiefere Gesteinsschichten vorstoßen wird Deutschland vermutlich nicht. Bedenken gegen Fracking sind hier größer als anderswo. Während zum Beispiel Polen auf die Technologie setzt, fürchten die Deutschen die Kräfte, die da ganz tief unten freigesetzt werden - vor allem die eingesetzten Chemikalien, die das Grundwasser verseuchen können. Allein wegen der Umweltauflagen dürfte Fracking in Deutschland unrentabler werden als in den USA.

Ölstadt Fort McMurray

Arme reiche Stadt

Außenpolitisch könnten die Deutschen mehr gefordert werden, wenn sich die Amerikaner aus der Golfregion und seiner Peripherie zurückziehen, sagt Westphal: "Im Rahmen des burden sharing (Lastenteilung, d. Red.) müssen die Europäer mehr Verantwortung übernehmen, im östlichen Mittelmeer, Nordafrika und im Kaspischen Meer."

China:

Mit dem Schiefergasboom verschieben sich die Konfliktlinien. Zusammenstöße könnten bald öfter in Ostasien stattfinden. Westphal sagt: "Schiefergas und Tightöl-Revolution verstärken den asian pivot der USA - die Neuorientierung in den asiatisch-pazifisch Raum, da sich auch die Energiehandelsströme in diese Region verlagern." Dort, am Westrand des Pazifik, werden die USA vermehrt mit China zusammenstoßen. Der Streit um die Senkaku-Inseln im südchinesischen Meer vor wenigen Wochen gab schon einen Vorgeschmack darauf.

Fort McMoney Wie aus Teersand Öl wird
Doku-Spiel Fort McMoney

Unkonventionelle Fördermethoden

Wie aus Teersand Öl wird

Bohren, Schleudern, Abschöpfen: In teuren und aufwendigen Verfahren gewinnen Konzerne Öl aus Teersand. Die interaktive SZ-Grafik zeigt die verschiedenen Abbaumethoden und die Verarbeitung.

Während beide Mächte sich in Ostasien zunehmend auf die Füße treten, könnte China in der Golfregion in jene Lücke stoßen, die die USA dort hinterlassen. Eindrücklich zeigt sich schon am Beispiel Afrikas, was passiert, wenn der Westen sich nicht mehr für eine Weltregion interessiert: China ist mit viel Geld und einem Heer von Geschäftsmännern und Arbeitern zur Stelle. Dass China allerdings versuchen wird, militärisch präsent zu sein wie die USA, hält Westphal allerdings für unwahrscheinlich: "China geht in Nahost im merkantilistischem Stil rein. Sie sichern Rohstoffe, bauen Infrastruktur auf."

Süddeutsche.de und Le Monde sind Medienpartner von Arte für das Doku-Game "Fort McMoney". Wer mitspielt, bestimmt mit: Er übernimmt die Rolle der Einwohner von Fort McMurray in Kanada, ihren Zwiespalt zwischen Wirtschaftsboom einerseits, sozialen und ökologischen Problemen andererseits. Das Spiel wird von der kanadischen Medienförderung CMF/FMC mitfinanziert, vom kanadischen Filmboard ONF/NFB und der Firma Toxa produziert. Hier geht es zum Spiel.

Dabei wird das Riesenland nicht sparen: Schließlich braucht es für seine schnell wachsende Wirtschaft und die hektische Verstädterung immer mehr Energie. China verfügt wie auch Russland selbst über größere Schiefervorkommen, aber noch nicht über nötige Technologien und Investitionen, um diese im Umfang der USA ausbeuten zu können.