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Ölkatastrophe im Golf von Mexiko:Millionenrechnung an BP

Zur Kasse bitte: BP soll 69 Millionen Dollar für die bisherigen Schäden der Ölpest zahlen. Gleichzeitig verzeichnet der Konzern einen ersten Teilerfolg bei dem Versuch, das Leck zu stopfen. Doch die Unsicherheit bei den Geldgebern wächst - und BP reagiert hektisch.

Auf den britischen Energiekonzern BP kommen wegen der Ölkatastrophe hohe Kosten zu: 69 Millionen Dollar (rund 55 Millionen Euro) müsse BP der US-Bundesregierung überweisen, teilte das Präsidialamt am Donnerstag mit. "Die Bundesregierung wird im Laufe des Tages eine Rechnung über bisher getätigte Ausgaben an BP schicken", sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Robert Gibbs. In der Summe seien die bisherigen Ausgaben zur Beseitigung der schlimmsten Ölpest in der US-Geschichte aufgelistet. Die US-Steuerzahler sollten damit ihr Geld zurückerhalten, BP müsse die Rechnung bis zum 1. Juli zahlen.

BP TO KNOW SUCCESS OF OIL SPILL CAP IN '12 TO 24 HOURS'

Auch nach der Kappung der Steigleitung tritt am Bohrungsleck noch immer Öl aus. Inzwischen ist es BP aber gelungen, eine Absaugglocke zu platzieren.

(Foto: afp)

Am Donnerstag war nach zahlreichen erfolglosen Versuchen, das Ölleck zu verschließen, erstmals eine positive Nachricht vom Betreiber BP verbreitet worden. Nachdem das Unternehmen ein beschädigtes Steigrohr an dem offenen Bohrloch kappen konnte, ist es in der Nacht auf Freitag gelungen, in rund 1500 Meter Tiefe eine Absaugglocke über dem Bohrleck zu platzieren. Die US-Küstenwache sprach von einem weiteren Fortschritt. Es werde aber noch einige Zeit dauern, bis man beurteilen könne, ob die Methode funktioniere und in welchem Umfang damit der Ölausfluss eingedämmt werden könne. Eine endgültige Stopfung des Lecks könne aber bis August dauern.

Obama ist wütend

Präsident Barack Obama redete sich unterdessen am Donnerstag in der CNN-Talkshow Larry King Live seinen Ärger von der Seele. Er sei "wütend" über die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko: "Ich würde gern die ganze Zeit meinem Ärger Luft machen und Leute anschreien, aber das ist nicht meine Aufgabe - meine Aufgabe ist es, das Problem zu lösen", fügte der Präsident hinzu, dem einige Kritiker vorgeworfen hatten, er reagiere zu kühl und gelassen auf die schlimmste Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA. Am Freitag wird Obama zum dritten Mal seit der Explosion auf der Bohrinsel am 20. April in die betroffene Region reisen, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Welche Kosten in Folge des Unglücks insgesamt auf BP zukommen werden, ist noch immer völlig ungewiss. Die Schätzungen haben eine extreme Spannweite: Die niederländische Bank ING tippt auf 5,3 Milliarden Dollar, Credit Suisse hält bis zu 37 Milliarden Dollar für möglich.

Angesichts dieser enormen Summen wächst die Unsicherheit - BP hat eilig eine Investorenkonferenz anberaumt. Zudem haben die US-Ratingagenturen Fitch und Moody's die Kreditwürdigkeit des Unternehmens schon herabgestuft: Fitch setzte BP von "AA+" auf "AA" herab. Konkurrent Moody's nahm seine Einstufung von "Aa1" auf "Aa2" zurück. Beide Ratingagenturen halten eine weitere Rückstufung angesichts der drohender Milliardenkosten für möglich.

Die Bohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko war nach einer Explosion am 20. April zwei Tage später gesunken. Seitdem strömen aus einem defekten Bohrloch jeden Tag bis zu drei Millionen Liter Öl ins Meer. Die Fischerei in Louisiana ist massiv betroffen, Experten zufolge droht der Ölteppich sich bis nach Florida auszudehnen, wo gerade die Reisesaison beginnt.

Umweltkatastrophen

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