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Öl:Heizen zum Tiefpreis

Heizöllieferung

Einmal volltanken, bitte: Heizöl ist gerade historisch günstig.

(Foto: Philipp von Ditfurth/dpa)

Gas und Öl sind so günstig wie seit zehn Jahren nicht mehr - wer seinen Tank gerade nicht voll gefüllt hat, kann davon profitieren. Aber nicht nur, weil die Preise gerade unten sind, lohnt es sich, noch im laufenden Jahr Heizöl zu ordern.

Von Max Müller, Berlin

Für Hausbesitzer sind gerade gute Zeiten, Heizöl zu ordern: Im August kosteten 2000 Liter laut Daten des Vergleichsportals "Esyoil" im Durchschnitt 814 Euro. 2012 mussten Verbraucher für die gleiche Menge noch knapp 1900 Euro hinlegen, mehr als 1000 Euro mehr. Besonders drastisch war der Preiseinbruch mit 36 Prozent in diesem Jahr. Gute Nachrichten gibt es auch für die Besitzer einer Gasheizung: 20 000 Kilowattstunde (kWh) kosteten im Durchschnitt 1154 Euro - ebenfalls der tiefste Wert seit zehn Jahren. Für den neuerlichen Fall des Ölpreises machen Börsenexperten eine ganze Reihe von Gründen verantwortlich: Da Öl in Dollar gehandelt wird und die US-Währung gerade anzieht, sinkt die Nachfrage aus dem Ausland. Dazu drücken ernüchternde Konjunkturerwartungen den Kurs.

Und der Zeitpunkt der Talfahrt könnte für Verbraucher kaum besser sein. Die Temperaturen werden in den kommenden Wochen langsam aber sicher fallen, die Heizung wieder aufgedreht. "Häufig wird nach den Sommerferien Heizöl bestellt", sagt Oliver Klapschus, Geschäftsführer des Vergleichsportals "heizoel24.de". Doch viele Verbraucher haben wegen des günstigen Preises bereits im März und April Heizöl in großen Mengen geordert und gehortet. "Die meisten Haushalte dürften gut versorgt sein", sagt Klapschus. Den Run auf Heizöl merkte er damals besonders an den vielen Aufrufen seines Portals, das an einem Tag im März so viele Menschen besuchten wie sonst in einem ganzen Monat. Auch die Lieferanten bekamen den Boom zu spüren: Bis zu drei Monate mussten Verbraucher auf den Tankwagen warten. Wer jetzt einen vollen Tank hat, kann aber nicht mehr vom historisch niedrigen Preis profitieren. Externe Tanks, um Heizöl zu lagern, lohnen sich für private Verbraucher nicht.

In jedem Fall sollten Hausbesitzer noch in diesem Jahr die Tanks füllen

Durch die geballte Menge an Bestellungen im Frühjahr gab der Heizölpreis zu Beginn der Corona-Krise nur langsam nach - verglichen mit der Talfahrt, den der Rohölpreis hinlegte. Das sei durchaus ungewöhnlich, denn "der Heizölpreis ist am stärksten an den Rohölpreis gekoppelt, viel stärker als Benzin", sagt Klapschus. "Was heute an der Börse passiert, kann man normalerweise morgen schon am Heizölpreis ablesen." Die anhaltend hohe Nachfrage stabilisierte den Preis aber, der nun mit Verzögerung doch noch seinen bisherigen Jahrestiefstwert erreicht hat. Klapschus glaubt nicht, dass es sich lohnt, auf einen noch günstigeren Preis zu warten.

In jedem Fall dürfte es sich für Verbraucher lohnen, noch in diesem Jahr ihre Tanks aufzufüllen. Im neuen Jahr werden für den Ausstoß von einer Tonne CO₂ 25 Euro fällig. Umgerechnet sind das etwa acht Cent pro Liter. Ein Heizöl-Musterhaushalt mit 20 000 kWh Energieverbrauch im Jahr wird dann um 158 Euro mehr zahlen müssen, mit einer Gasheizung sind es 119 Euro mehr. Bis 2025 steigt der CO₂-Preis schrittweise auf 55 Euro je Tonne, was Zusatzkosten von 347 Euro für Öl und 262 Euro für Gas bedeutet. Entscheidend ist dabei der Lieferzeitpunkt, nicht das Bestelldatum. Wer im Dezember bestellt, aber erst im Januar beliefert wird, zahlt drauf.

© SZ vom 05.09.2020

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