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Ökostrom in der Energiewende:Alle wollen Reformen - nur will jeder eine andere

An Vorschlägen für eine Reform mangelt es nicht. Da wäre etwa die Light-Variante der Grünen. Danach würden vor allem Vergünstigungen beschnitten, die bislang die Industrie genießt - sie muss nämlich je weniger zum Ökostromausbau beitragen, je mehr Strom sie verbraucht, zum Schutz im internationalen Wettbewerb. Vier Milliarden Euro Ersparnis soll die Kürzung bringen, haben die Grünen errechnet. Und die Fördersätze für den Ökostrom ließen sich auch noch hier und da senken. Nur ändert das nichts am Problem des Mechanismus.

Denkbar wäre auch, die Förderung nicht mehr als Garantieerlös, sondern als Aufschlag auf den Börsenpreis zu gewähren. Dann bekäme ein Windmüller nicht mehr neun Cent je eingespeiste Kilowattstunde, sondern nur den Börsenpreis plus einen Aufschlag von x Cent. Selbst die Wirtschaft könnte sich damit anfreunden. "Ein sehr kluges Modell", lobt Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. "Der Charme ist: Erzeuger haben automatisch ein Interesse, Strom dann zu verkaufen, wenn er besonders teuer gehandelt wird." Indirekt werde das neue System auch den Bau von Stromspeichern fördern - um Zeiten zu überbrücken, in denen Elektrizität nicht viel einbringt. Das Problem: Wieder müssten die Aufschläge politisch ausgehandelt werden. Es schlüge die Stunde der Lobbyisten.

Am Donnerstag zauberte deshalb die Monopolkommission, ein von der Bundesregierung eingesetztes Beratergremium, einen nicht ganz neuen Vorschlag aus dem Hut: ein "Quotenmodell". Danach müssten die Stromversorger künftig feste Quoten erneuerbaren Stroms verkaufen und dies über Zertifikate nachweisen, die an einer Börse gehandelt würden. Wären die Zertifikate knapp, stiege der Preis, und neue Ökostromanlagen würden errichtet. "Das Ausbauziel könnte so zielgenau erreicht werden", sagt Daniel Zimmer, Kopf der Kommission. "Und außerdem würde endlich Wettbewerb angefacht werden." Allerdings wären damit nur noch die billigsten Ökostrom-Projekte rentabel, vermutlich Windparks im Norden.

Selbst die FDP, solcherlei Gedanken grundsätzlich aufgeschlossen, warnte schon davor, der Ökostrom-Ausbau werde "zunächst einmal komplett zusammenbrechen". Billiger werde die Förderung so auch nicht, kritisieren Gegner der Quote. Das zeigten Erfahrungen etwa aus Großbritannien.

Hochflexible Gaskraftwerke stehen vor dem Aus

Dabei ist die Förderung des Ökostroms bei Weitem nicht das einzige Problem der Wende. Noch fehlen die Stromnetze, die dereinst den Windstrom von Nord nach Süd transportieren müssen. Ob sie rechtzeitig fertig werden, steht in den Sternen. Schwerer noch wiegen die Probleme der Kraftwerke. Genauso wie die Stromkunden haben sie mit den Folgen gesunkener Börsenpreise zu kämpfen: Viele Kraftwerke rechnen sich nicht mehr, vor allem hochflexible Gaskraftwerke stehen vor dem Aus. Dumm nur, dass eben diese Kraftwerke das Rückgrat der Energiewende werden sollen - als Reserve, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint.

Eines immerhin ist mittlerweile erreicht: Alle wollen Reformen. Nur will jeder eine andere, was nicht für eine rasche Besserung spricht. Zumal auch die Länder mitspielen müssen, und hier hat jedes seine eigene Agenda. Rheinland-Pfalz zum Beispiel: 100 Prozent Ökostrom - bis 2030.