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Ökostrom:Energiewende wird teurer

Bislang zahlt ein durchschnittlicher Haushalt 220 Euro im Jahr als Ökostrom-Umlage. Nun warnt das Wirtschaftsministerium, dass der Beitrag schon wieder steigen könnte - "stark".

Die Ökostromförderung könnte im nächsten Jahr noch einmal teurer werden. Ein Anstieg der entsprechenden Umlage auf den Strompreis sei "für das Jahr 2017 (. . .) wahrscheinlich", heißt es in einem Papier des Bundeswirtschaftsministeriums. Grund seien die stark gefallenen Börsenpreise für Strom. Die Förderung überbrückt die Lücke zwischen dem Erlös, der sich mit dem Verkauf von Strom an der Börse verdienen lässt, und den gesetzlich garantierten Fördersätzen. Bringt Strom an der Börse wenig ein, ist die Lücke größer. Entsprechend mehr müssen Stromkunden draufzahlen. Hinzu kämen die steigenden Kosten für das Management der Stromnetze. Wegen Engpässen lässt sich hier nicht aller Ökostrom transportieren. Die Kosten "betrugen im Jahr 2015 bereits rund 1,1 Milliarden Euro und könnten (. . .) in den kommenden Jahren stark ansteigen", heißt es in dem Papier, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Auch der Netzausbau werde teuer. Derlei Kosten werden großteils über Netzentgelte auf die Stromkunden umgelegt.

Derzeit streiten Bund und Länder über die Zukunft der Ökostromförderung. Das Papier dürfte insofern auch dazu dienen, Begehrlichkeiten der Länder abzuwehren. So rechnet das Ministerium auch vor, was Forderungen Bayerns für eine weitere Förderung der Biomasse kosten würden. Sollten alle Biogaskraftwerke weiter gefördert werden, müssten die Stromkunden im Jahr 2025 eine um 1,5 Cent höhere Ökostrom-Umlage zahlen, warnt das Ministerium. Selbst ein Kompromissvorschlag Bayerns führe noch zu Mehrkosten von 0,35 Cent je Kilowattstunde. Für die eigenen Vorschläge eines gedrosselten Windenergie-Ausbaus dagegen rechnet das Bundesministerium mit einer Ersparnis um 0,5 Cent je Kilowattstunde. Derzeit liegt die Umlage bei 6,35 Cent je Kilowattstunde. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden zahlt rund 220 Euro im Jahr. Bund und Länder hatten vorige Woche bei einem Spitzentreffen in Berlin versucht, eine gemeinsame Linie zu finden - ohne Erfolg. Einige Länder fürchten einen massiven Einbruch beim Ökostrom, sollte sich der Bund durchsetzen. Ende Mai ist ein weiteres Treffen geplant.