Ökostrom:Chemie sucht Energie

Pressebild Vattenfall Horns Rev 3 Wind Farm

Vattenfall betreibt bereits mehrere Windparks in der Nord- und Ostsee. Nun beteiligt sich BASF am Bau von 140 neuen Turbinen vor der Küste Hollands.

(Foto: oh)

BASF und Vattenfall wollen gemeinsam den weltgrößten Windpark auf See bauen. Mit der Idee sind sie nicht allein.

Von Benedikt Müller-Arnold, Düsseldorf

Martin Brudermüller braucht Power, das kann man in seinem Fall wörtlich nehmen. "In der Basischemie ist der Energiebedarf extrem hoch", sagte der BASF-Chef kürzlich. Sein Konzern betreibt beispielsweise 850 Grad heiße Öfen, um lange Kohlenstoffketten in winzige Grundprodukte zu zerlegen. Bislang befeuert BASF sie mit Erdgas, doch das muss sich ändern, wenn Deutschland und seine Firmen in den nächsten Jahrzehnten klimaneutral werden wollen. "Wir brauchen viele neue, strombasierte Verfahren", so Brudermüller. Allein das Stammwerk in Ludwigshafen werde künftig wohl dreimal so viel Strom brauchen wie heute. Um das Klima zu schützen, sollte diese Energie aus erneuerbaren Quellen stammen.

Für diese "grüne" Zukunft sichern sich Chemieunternehmen nun mehr und mehr Ökostrom. So planen BASF und der schwedische Energiekonzern Vattenfall gemeinsam, vor der holländischen Küste den bislang weltgrößten Windpark auf hoher See zu bauen. Die Anlage mit 140 Turbinen soll in drei Jahren den Betrieb aufnehmen.

Ein Teil des Ökostroms soll künftig das BASF-Werk im belgischen Antwerpen versorgen, einen der größten Standorte des Konzerns. Dafür will sich BASF zunächst zu knapp der Hälfte an dem Windprojekt beteiligen und etwa 1,6 Milliarden Euro investieren; beide Firmen schließen einen langfristigen Abnahmevertrag. Ein anderer Teil des Ökostroms soll Vattenfall-Kunden in den Niederlanden versorgen.

Wie BASF schließen immer mehr energieintensive Unternehmen derlei Kontrakte. Im Idealfall nützt das beiden Seiten: Der Windpark-Betreiber kann Teile seiner Erzeugung auf Jahre zu festen Preisen verkaufen; das hilft ihm, Projekte auch ohne staatliche Förderung zu entwickeln. Der Industriebetrieb wiederum sichert sich "grüne" Energie zu planbaren Kosten. Beispielsweise haben auch der Persil-Konzern Henkel in den USA oder der Kunststoffhersteller Covestro in Deutschland und Belgien entsprechende Verträge geschlossen.

BASF hatte bereits im Mai ähnliche Pläne mit RWE bekanntgegeben. Dem Essener Energiekonzern schwebt ein neuer Windpark vor der deutschen Nordseeküste vor, der von 2030 an zu beträchtlichen Teilen das BASF-Werk in Ludwigshafen mit Ökostrom versorgen soll. Allerdings zielen die Partner dabei auf Meeresgebiete ab, deren Nutzung eigentlich erst für die Zeit nach 2030 vorgesehen ist. Auch an anderer Stelle wären die Unternehmen auf politische Unterstützung angewiesen, wenn es etwa darum geht, den nötigen Netzausbau an Land zu beschleunigen.

An der Börse hat die BASF-Aktie am Donnerstag zeitweise gut ein Prozent an Wert gewonnen. Der Partner Vattenfall gehört vollständig dem schwedischen Staat und ist folglich nicht an der Börse notiert.

© SZ vom 25.06.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB