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Ökologische Geldanlage:Nebenbei die Welt retten

Etliche Fonds appellieren an das gute Gewissen der Anleger, doch selbst Öko-Investments sind ethisch bedenklich. Jetzt wird nachgerechnet. Was bringen grüne Finanzprodukte wirklich?

Der Kampf gegen die Erderwärmung findet bislang vor allem in der politischen Arena statt. Einige Menschen wollen aber auch die Macht der Anleger nutzen, um das Klima zu verbessern. "Ich habe Unternehmen wie Pensionskassen und Versicherungen dazu angehalten, ihre Investitionen in eine Wirtschaft zu überdenken, die von fossilen Rohstoffen abhängt", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon vor wenigen Monaten. Auch Privatanleger können mitmischen, denn zunehmend wird erfasst, wie klimaschädlich Anlageprodukte wie beispielsweise Investmentfonds sind.

Der CO₂-Fußabdruck misst die Emissionen, die beim Einsatz fossiler Brennstoffe entstehen, beispielsweise für die Herstellung eines Computers. Mittlerweile kann man auch den CO₂-Fußabdruck ganzer Konzerne berechnen, angefangen vom Rohstoff- und Energieeinkauf über die Verarbeitung diverser Produkte bis hin zur Energiebilanz der hergestellten Waren über ihren Lebenszyklus hinweg. Somit lässt sich der CO₂-Fußabdruck einer einzelnen Aktie oder eines Aktienfonds bestimmen. Pionier bei solchen Berechnungen ist die South Pole Group, eine Ausgründung der renommierten Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Sie hat jüngst im Auftrag der Verbraucherzentrale Bremen den CO₂-Fußabdruck von 13 Fonds gemessen, die weltweit in Aktien investieren und von jedermann zu kaufen sind. Als Maßstab für einen Vergleich diente der Aktienindex MSCI World. Untersucht wurden vier konventionelle Fonds und neun ethisch-ökologische Investmentfonds, die bei einer Marktuntersuchung der Verbraucherzentrale Bremen und der Stiftung Warentest in puncto Nachhaltigkeit am besten abgeschnitten hatten und/oder explizit Investitionen in die Kohle- und Ölbranche ausdrücklich ausschlossen.

Erst sieben Prozent der weltweit gelisteten Unternehmen informieren über Treibhausgase

Die Bandbreite der Ergebnisse war groß: Wer eintausend Euro in den Fonds DWS Top Dividende investiert, finanziert damit indirekt den Ausstoß von rund 904 Kilogramm CO₂, beim Triodos Sustainable Equity - dem Besten - waren es dagegen nur 163 Kilogramm CO₂. Die Differenz entspricht in etwas dem Ausstoß an Treibhausgasen, der bei einer 4600 Kilometer langen Autofahrt vom Nordkap bis nach Neapel entsteht. Die Studie birgt einige Überraschungen: So schnitten vier ethisch-ökologische Fonds in puncto Klimabilanz schlechter ab als konventionelle Fonds. Woran liegt das?

Manche Fonds haben einen großen CO₂-Fußabdruck, weil sie in chinesische Energieunternehmen investieren, die Kohlekraftwerke betreiben.

(Foto: Andy Wong/AP)

Die Aussagekraft des CO₂-Fußabdrucks eines Fonds sei beschränkt, "schon, weil es sich immer nur um eine Momentaufnahme handelt", sagt Maximilan Horster, Partner bei South Pole. Und über einen gewissen Zeitverlauf betrachtet, müsse man eine andere Bewertung von bestimmten Investments vornehmen. Ein Hersteller von Solarzellen hat beispielsweise zunächst einen vergleichsweise großen CO₂-Fußabdruck, weil bei der Herstellung der Solarzellen viel Energie verbraucht wird. Auf Dauer helfen die produzierten Solarzellen aber bei der Senkung des Energieverbrauchs. Ein Fonds schnitt vergleichsweise schlecht ab, weil er in ein chinesisches Energieunternehmen investiert, dass Kohlekraftwerke betreibt. Aber dieses Unternehmen schichtet sukzessive seine Investitionen in Windenergie um, befindet sich also in einer Übergangsphase, die der Fonds befördere. "Entscheidend ist immer der Nettoeffekt", sagt Horster. Der CO2-Fußabdruck könne nur eine erste Orientierung für einen Anleger sein, der sich mit den Klimaauswirkungen seiner Investments beschäftige. Hinzu kommen müssten noch detaillierte Folgeangaben über die sozialen und ökologischen Auswirkungen, sogenannte Impactstudien.

Noch steht die Erfassung der CO₂-Emission von Investments erst am Anfang. Bislang berichteten erst sieben Prozent der weltweit an den Börsen gelisteten Unternehmen über ihren Ausstoß an Treibhausgasen, sagt Horster. Und von deren Angaben seien einige "unglaubwürdig".

Auch Verbraucher sind kritischer geworden. Mancher war schockiert, als er nach der schweren Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 2010 merkte, dass er mit seinem nachhaltig angelegten Geld an der Ölfirma BP beteiligt war. Bei anderen grünen Anlegern kam das böse Erwachen nach der Atomkatastrophe von Fukushima - sie waren über ihre Fonds an der Betreiberfirma Tepco beteiligt. "Verbraucher erwarten etwas anderes, wenn sie nachhaltige Fonds kaufen", sagt Monika Pietsch-Hadré, Expertin für nachhaltige Geldanlage bei der Verbraucherzentrale Bremen. Allerdings hätten sich die jeweiligen Fonds gemäß ihrer Anlagestrategie "korrekt" verhalten. Aber das Kleingedruckte lesen sich eben nur die wenigsten Anleger durch. Nachhaltige Fonds picken sich häufig die - nach ökologischen oder sozialen Aspekten - besten Firmen einer Branche heraus - auch, wenn es sich um Unternehmen aus der Auto- oder Ölindustrie handelt. Best-in-Class heißt diese Auswahlmethode. Und BP und Tepco galten eben bis zu den Katastrophen als Vorreiter.

Viele nachhaltige Fonds lassen sich zudem eine Hintertür bei ihren Investments offen, indem sie einen Schwellenwert definieren. Demnach dürfen dann beispielsweise fünf Prozent ihrer Anlagevolumina gegen Kriterien verstoßen, die der Fonds eigentlich ausgeschlossen hat. "Das führt die Idee der Ausschlusskriterien ad absurdum", sagt Pietisch-Hadré.

Die Mehrheit der Anleger ignoriert jedoch die Wirkungen ihrer Ersparnisse auf Mensch und Umwelt und schaut stattdessen auf Sicherheit, Rendite und Liquidität. Welche zerstörerischen Folgen Anlageentscheidungen haben, zeigt sich ständig. Zum Beispiel pumpten Anleger jahrelang Geld in den spanischen Immobilienmarkt. Ganze Landstriche wurden mit Siedlungen zugebaut, die kein Mensch brauchte. Die Sinnfrage aber stellte sich wohl kaum ein Aktienkäufer. Anleger können die Dynamik des Kapitalmarktes genauso gut nutzen, um die Welt zukunftsfähiger zu gestalten, indem sie schädliche Investitionen meiden und in gute investieren. Strenggläubige Christen hatten die Idee bereits im 18. Jahrhundert: Angehörige der Quäker mieden Anlagen in Brauereien oder Waffenschmieden.

Anleger können vor allem bei Neuemissionen von Aktien oder Anleihen Einfluss nehmen - indem sie beispielsweise einem Unternehmen die Rote Karte zeigen, dass mittels Anleiheemission seine Produktion ins Ausland verlagern will, wo es ein laxeres Umwelt- und Sozialrecht gibt. Streng genommen haben Privatanleger nur einen geringen Einfluss auf Unternehmen, wenn deren Anleihen und Aktien bereits im Umlauf sind. Wer diese Papiere jetzt an der Börse boykottiert, schädigt damit direkt nur denjenigen, der sie besitzt, aber keinesfalls den Emittenten. Wenn allerdings eine sehr große Anlegerzahl bestimmte Papiere boykottiert, kann sich dies auf den Kurs und das Image eines Unternehmens und damit auf dessen Wert auswirken. Und mittlerweile machen einige Fonds aktiv Druck auf Unternehmen, wenn es um schädliche Einflüsse auf Klima oder Menschen geht.

Einige Fonds machen Druck auf Unternehmen, wenn es die Umwelt schädigt

Aber auch Investoren, die Fonds-Anteile kaufen, welche sich besonders strenge Kriterien gegeben haben, sollten keine Wunderdinge erwarten. Das zeigt ein Blick in den Mischfonds (Renten und Aktien) FairWorldFonds, dessen Kriterien Brot für die Welt und das Südwind-Institut entwickelt haben. Er investierte laut Jahresbericht 2014 beispielsweise in den Konsumgüterkonzern Henkel, das Softwareunternehmen SAP und die Hotelkette Mariott, vor allem aber investierte der Fonds in Staatsanleihen.

Neben moralischen sprechen aber auch ökonomische Gründe dafür, bei der Geldanlage Umweltaspekte einzubeziehen. 2011 entfachte die Nichtregierungsorganisation Carbon Tracker zu dem Aspekt eine Debatte. Die Aktivisten ermahnten Investoren, es werde erhebliche Folgen für Unternehmen aus dem fossilen Energiebereich haben, wenn die Regierungen tatsächlich eine Begrenzung auf ein Zweigradziel beschließen würden. Die Unternehmen müssten nämlich dann in großen Umfang auf Vorkommen aus Öl und Kohle Abschreibungen in ihren Bilanzen vornehmen, weil sie diese dann gar nicht mehr fördern könnten. Entsprechend weniger wert wären solche Investments.

Bislang kümmern sich allerdings nur wenige Investoren um Klimaschutzziele. "Weltweit sind es vielleicht 200 Investoren", schätzt Horster. 32 besonders ambitionierte Investoren haben sich mit ihrer Unterschrift unter das Montreal-Protokoll verpflichtet, den CO₂-Fußabdruck ihrer Investments zu berechnen.

© SZ vom 31.03.2015

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