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Ökobranche:Eine Frage des Vertrauens

Die Schattenseite des Ökobooms - Die Branche wird unübersichtlicher und anfälliger für Betrüger. Die Folge: Skandale häufen sich und die Käufer sind skeptisch.

Es ist nicht der erste Skandal der den Biomarkt erschüttert, aber einer, der mehr Aufsehen erregt als andere zuvor. Der Etikettenschwindel mit Biogeflügel, der im Januar publik wurde, rüttelt an den Grundfesten der Branche. Unter Verdacht steht mit Berthold Franzsander einer der Pioniere und Vorzeigeunternehmer im Ökogeschäft. Zu seinen Abnehmern gehörte auch eine Münchner Hendl-Braterei, die noch im vergangenen Herbst zum Oktoberfest einige tausend Hühnchen orderte. Festbesucher mussten für ein halbes vermeintliches Biohendl stolze 14,80 Euro bezahlen.

Ökobranche Eine Frage des Vertrauens

Die deutsche Biohandelskette Alnatura gibt es bereits seit 25 Jahren - sie betreibt 45 Filialen

(Foto: Foto: dpa)

Umso größer war die Empörung, als die Behörden feststellten, dass etwas nicht stimmte auf dem Geflügelhof im ostwestfälischen Delbrück. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz wies einen "nicht zulässigen Einsatz konventioneller Futtermittel" nach, die in der Bioproduktion nicht zulässig sind. Ungesund ist das zwar nicht, aber Verbrauchertäuschung und ein klarer Verstoß gegen das Ökolandbaugesetz. Das Landesamt bezeichnete den Fall als den "bisher größten Bioschwindel Nordrhein-Westfalens".

Verbraucher getäuscht

Der Schock in der Branche sitzt tief. Dieser Fall habe eine ganz andere Qualität als etwa der Betrug mit pestizidverseuchten Biomöhren aus Italien, der 2008 aufgedeckt wurde, stellt ein Branchenkenner fest. "Produzenten und Handel müssen sich nun überlegen, wie sie ihre Kontrollsysteme verbessern können", fordert er. Das gelte auch für Lieferanten aus dem Ausland. Vor allem Produzenten aus China, Osteuropa oder Afrika stehen im Verdacht, dass sie es mit den strengen Auflagen der Bioproduktion nicht immer ganz so ernst nehmen.

Die Angst, dass so manchem Verbraucher angesichts von Betrügereien der Appetit auf Bioprodukte gründlich vergehen könnte, wächst. Denn die Branche lebt wie kaum eine andere von ihrer Glaubwürdigkeit. Zwar wuchs der deutsche Biomarkt, der weltweit mit einem Umsatz von 5,8 Milliarden Euro einer der größten ist, 2008 mit einem Plus von zehn Prozent nicht mehr so stark wie in den Vorjahren. Doch der Aufwärtstrend scheint ungebrochen, ganz im Gegensatz zum konventionellen Lebensmittelhandel, wo Umsätze und Gewinne seit Jahren stagnieren oder sogar zurückgehen.

Es ist der eigene Erfolg, der den Bioproduzenten und dem -handel zunehmend zu schaffen macht. Selbst Discounter wie Aldi und Lidl mischen seit einigen Jahren mit wachsendem Erfolg in diesem lukrativen Geschäft mit. Eine Entwicklung, die auch ihre Schattenseiten hat: "Die Branche, die Handelsbeziehung und Warenströme sind unübersichtlicher geworden", sagt Alexander Gerber, Geschäftsführer des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).

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