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Öko-Bauer:"Meine Kuh-Aktie - ein Modell für Deutschland"

Keine Sicherheiten, keine Kredite: Öko-Bauer Mathias von Mirbach besorgt sich sein Kapital daher anders. Seine Rezepte: "Kuh-Aktie" und "Hof-Flatrate".

Tobias Dorfer

20.000 Euro für eine Rinderherde und keine Sicherheiten? Da sind auch die freigiebigsten Banken rigoros. Mathias von Mirbach, 50, hat ein Rezept gefunden, sich Geld zu beschaffen. Der Landwirt, der mit seinem Geschäftspartner Klaus Tenthoff einen Öko-Hof in Schleswig-Holstein betreibt, verkauft Anteile an seiner Kuhherde. Das Papier heißt "Kuh-Aktie", obwohl es mit einer richtigen Aktie wenig zu tun hat. Trotzdem, findet Mirbach, ist sein Papier ein Modell für Deutschland.

Kuh-Aktie, Foto: dpa

Öko-Bauer Mathias von Mirbach mit seiner "Kuh-Aktie". Der Landwirt sagt: "Unsere Anteilseigner sind Kunden, die am langfristigen Erfolg des Hofes interessiert sind."

(Foto: Foto: dpa)

sueddeutsche.de: Herr von Mirbach, ausgerechnet ein Öko-Bauer verkauft Anteile an seiner Kuhherde. Werfen Sie die Tiere nun Spekulanten zum Fraß vor?

Mathias von Mirbach: Im Gegenteil. Durch die Einnahmen konnten wir unsere Existenz sichern. Und unsere Anteilseigner sind auch keine Spekulanten, sondern Kunden, die am langfristigen Erfolg des Hofes interessiert sind.

sueddeutsche.de: Wie kamen Sie auf die Idee, sogenannte Kuh-Aktien auszugeben?

Mirbach: Vor vier Jahren wollte ein Landwirt bei uns einsteigen und einen Teil seiner Kühe mitbringen. Dann überlegte er es sich doch anders. Ich sagte: Wenn du nicht einsteigst, dann möchte ich wenigstens deine Kühe behalten. Ich wollte die Tiere nicht verlieren.

sueddeutsche.de: Und wie reagierte er?

Mirbach: Indem er eine Rechnung auf den Tisch legte. Eine Kuh kostet zwischen 1200 und 1500 Euro. Ich musste also auf die Schnelle knapp 20.000 Euro organisieren.

sueddeutsche.de: Ein Unternehmer geht in einer solchen Situation zu seiner Hausbank und bittet um einen Kredit. Was hätte Ihnen ein Berater einer Privatbank entgegnet?

Mirbach: Er hätte mich ausgelacht. Der Hof ist gepachtet, daher haben wir keine Sicherheiten für die Bank. Also musste eine andere Lösung her. Auf meinem ehemaligen Hof hatte ich bereits Anteile meiner Herde verkauft - eine Kuh pro Kunde. Das Problem dabei: Wenn Nicht-Landwirte eine Bindung mit Tieren eingehen, wird das schnell sentimental.

sueddeutsche.de: Aber jetzt machen Sie doch dasselbe?

Mirbach: Nein. Jetzt verkaufe ich Anteile an der gesamten Herde. Eine "Kuh-Aktie" kostet 500 Euro, eine "Kalb-Aktie" gibt es für 100 Euro. Der Wert bleibt unverändert. Der Käufer muss den Anteilsschein mindestens drei Jahre halten. Außerdem stehen seine Forderungen im Zweifelsfall hinter den Forderungen von Banken und Lieferanten zurück.

sueddeutsche.de: Eine Aktie funktioniert aber anders ...

Mirbach: Genaugenommen ist es auch keine richtige Aktie. Dafür hätten wir einen Prospekt schreiben und die Bankenaufsicht mit ins Boot holen müssen. Das war uns zu heiß. Jetzt ist die "Kuh-Aktie" ein Genussschein, so umgehen wir die gesetzlichen Regularien. Trotzdem ist alles von einem Steuerberater und einem Rechtsanwalt geprüft.

sueddeutsche.de: Wird die Anlage auch verzinst?

Mirbach: Die Verzinsung beträgt jährlich 2,5 Prozent der Investitionssumme in bar. Wer sich für Naturalien entscheidet, bekommt fünf Prozent. Da kann kein Sparkonto mithalten. Es gibt auch keinen einzigen Anteilseigner, der sich seine "Dividende" bar auszahlen lässt.

Lesen Sie im zweiten Teil, was Mathias von Mirbach mit den Erträgen aus der "Kuh-Aktie" gekauft hat - und sich hinter seiner "Hof-Flatrate" verbirgt.

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