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Öffentliches Wlan:Mehr als nur Netz

Wlan am Marienplatz: In München gibt es an mehr als Hundert Plätzen kostenloses Internet. In anderen Städten sucht man die Hotspots vergebens.

(Foto: Robert Haas)

Internetzugang per Wlan auf öffentlichen Flächen und in Supermärkten - besteht dafür eigentlich noch Bedarf im Zeitalter von 5G?

Von Helmut Martin-Jung, München

Die meisten haben es zu Hause: Drahtloses Internet, genannt Wlan oder Wifi. Es ermöglicht über einen Router, der an die Festnetzleitung angeschlossen ist, kostengünstigen Zugang zum Internet. Schon vor Jahren wurde viel diskutiert, ob nicht auch im öffentlichen Raum solche Zugänge zur Verfügung gestellt werden sollten - um so wenigstens ansatzweise das oft geforderte Recht auf Internetzugang für alle zu verwirklichen.

Geworden ist daraus nicht allzu viel. Einige Städte, etwa Barcelona oder Paris, haben eine ganz ordentliche Abdeckung mit Hunderten sogenannter Hotspots. Auch in München bieten die Stadtwerke an mehr als Hundert Zugangspunkten kostenlos Wlan an. In vielen anderen Städten und Gemeinden sieht es dagegen weit weniger gut aus. Öffentliches Wlan gibt es allenfalls an einigen zentralen Plätzen, dann bleiben meist bloß noch Cafés oder andere Einzelanbieter oder die Hotspots kommerzieller Betreiber.

Aber ist öffentliches Wlan überhaupt noch nötig, heute, wo die meisten ein Smartphone und damit über Mobilfunk auch Zugang zum Internet haben? "Die Frage höre ich sehr oft", sagt Jonathan Sauppe, Geschäftsführer von Frederix, einer Firma, die Städte-Wlans konzipiert und realisiert. Aber es gehe inzwischen ja nicht mehr primär darum, das Recht auf Internetzugang einzulösen. "Wlan ist ein Kommunikationskanal", sagt Sauppe.

Was er damit meint, hängt zusammen mit der Technik von Funknetzen. Wenn die Menschen mobile Internetzugänge über ihr Smartphone nutzen, tun sie das über den Netzbetreiber, also etwa die Telekom oder O2. Wenn jedoch Kommunen Wlan anbieten, steht ihnen damit ein Kommunikationskanal zur Verfügung. Denn wer sich einmal bei einem Wlan angemeldet hat, dessen Gerät bucht sich wieder in dieses Netz ein, sobald das Gerät in in dessen Reichweite kommt. Sobald am Smartphone der Hotspot genutzt wird, kann der Betreiber mit dem Nutzer in Kontakt treten.

Zum Beispiel, sagt Sauppe, für Feedback-Systeme oder kommunale Angebote. Die Stadt Braunschweig zum Beispiel stellt den Nutzern ihres öffentlichen Wlans unter anderem Inhalte von Tageszeitungen zur Verfügung, die etwa in Wartebereichen des öffentlichen Nahverkehrs gelesen werden können. Per Wlan können Anbieter aber auch Nutzern ermöglichen, ihre Meinung zu verschiedenen Themen zu äußern oder Missstände zu melden.

Zudem können die Betreiber mit Hilfe des Wlan abschätzen, wie belebt bestimmte Orte sind oder wie attraktiv touristische Angebote sind. Weil der Betreiber auch feststellen kann, an welchem Hotspot ein Nutzer eingeloggt ist, sind auch Angebote wie die passgenaue Übermittlung von Störungsmeldungen für den ÖPNV möglich.

Aber nicht nur für Kommunen kann sich ein Wlan-Angebot lohnen. Auch Händler können davon profitieren, zum Beispiel, indem sie Angebote zu einer Happy hour machen, Loyalitätsprogramme anbieten. Ihr großer Vorteil: Die Nutzer müssen sich keine App herunterladen. Die müsste immer geöffnet sein, um auf Angebote reagieren zu können. "Bei Apps ist die Hürde hoch", sagt Wlan-Experte Jonathan Sauppe. Beim Wlan dagegen wird man automatisch angemeldet, sobald das Gerät das Signal des Senders empfängt.

Störerhaftung spielt keine Rolle mehr

Das habe auch die Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) dazu bewogen, in ihren Märkten auf Wlan zu setzen. Das Unternehmen treibe damit auch seine eigene Digitalisierung voran, sagt Sauppe. Wichtig sei dabei gewesen, sich nicht davon abhängig zu machen, ob die Kunden über einen eigenen mobilen Internetzugang verfügen. Der, auch das ein wichtiger Aspekt, in den großen Märkten wegen der Abschirmung durch Metall und Beton nicht immer gut funktioniert.

Ein Problem, das öffentliches Wlan früher stark behindert hat, spielt mittlerweile keine Rolle mehr: die sogenannte Störerhaftung. Die kam zum Tragen, wenn über einen Wlan-Zugang zum Beispiel Filme illegal heruntergeladen wurden. Durch eine gesetzliche Neuregelung wurde das abgeschafft. Die Betreiber können allenfalls noch dazu verpflichtet werden, den Zugang zu solchen Inhalten zu sperren, wenn ihnen das zumutbar ist.

Sauppe glaubt daher nicht, dass öffentliches Wlan wieder verschwinden wird, wenn die jüngste Mobilgeneration 5G zumindest in den Städten flächendeckend verfügbar ist. 5G sieht er eher als geeignet für ultramobile Anwendungen wie etwa beim autonomen Fahren. Sein eigenes Unternehmen versteht er als Plattform, die verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten wie in einem Baukasten bereithält, so etwa die Registrierung von Gästen in der Gastronomie oder der digitale Check-in in der Hotellerie.

In einem anderen Geschäftsfeld, das momentan gerade boomt bei Sauppes Firma Frederix, geht es allerdings vorerst wirklich nur um die blanke Infrastruktur: In Schulen muss überhaupt erst einmal der Wlan-Zugang geschaffen werden - für die Inhalte sind dann andere zuständig.

© SZ
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