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NRW vor der Wahl:In Oberhausen zahlen Firmen doppelt so viel wie in Monheim

Und Monsanto soll nach der offiziellen Übernahme ebenfalls dort angesiedelt sein. "Es ist natürlich ein legitimes Mittel, sowohl von Seiten der Stadt, als auch des Konzerns", sagt Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath, "aber für uns ist Monheims Steuerpolitik ein riesiges Problem." Seine Stadt habe zwar viel Industrie, aber im Vergleich eine "katastrophale Gewerbesteuerlage", sagt er.

Finanziell noch schlechter geht es der Stadt Oberhausen. Keine Stadt in dem großen Bundesland ist so hoch verschuldet, kein Ort so dringend auf die Steuereinnahmen großer Konzerne angewiesen. Mit einem Gewerbesteuerhebesatz von 550 Punkten müssen Firmen dort jedoch mehr als doppelt so viel zahlen wie in Monheim.

Erst Anfang des Jahres zog aus genau diesem Grund ein weiterer großer Chemiekonzern nach Monheim: Oxea. Für Oberhausen besonders schmerzhaft. "Wir haben seitdem eklatante Mindereinnahmen bei der Gewerbesteuer", sagt Oberbürgermeister Daniel Schranz.

Auch kleine Firmen sparen Steuern, jedoch stiller und unauffälliger

"Aus Monheimer Sicht war die Senkung ein erfolgreicher Weg. Wir dürfen aber nicht die Gefahr unterschätzen, wenn Kommunen in einen ruinösen Wettbewerb um die geringsten Steuersätze eintreten, bei dem es am Ende zahlreiche Verlierer geben kann."

Daniel Zimmermann kann mit dieser Kritik wenig anfangen. Wichtig sei es ihm, die Lebensqualität der Monheimer zu heben. Ohnehin stehe die Stadt nicht nur im Wettbewerb mit umliegenden Gemeinden, sondern auch mit Nachbarstaaten wie den Niederlanden. Hinzu komme, dass keine andere Kommune so viel zum umstrittenen Kommunal-Soli beisteuere wie Monheim, sagt Kämmerin Sabine Noll, nämlich 33,3 Millionen Euro. "Von Unsolidarität kann also wirklich keine Rede sein", sagt sie.

Mit der Absenkung der Gewerbesteuer kamen allerdings auch weniger bekannte Firmen nach Monheim, nur stiller, unauffälliger. Sie haben ihren Sitz nicht im offiziellen Gewerbegebiet, wo man alle zehn Minuten den Containerschiffen beim Vorbeituckern zusehen kann, sondern zum Beispiel in einem unauffälligen Zweckbau in einem noch unauffälligeren Wohngebiet.

Die Namen von 34 Unternehmen stehen auf dem Briefkasten vor einem Zweckbau

Acht Autos stehen vor dem Haus mit der Nummer 29, eingestaubt, die Kennzeichen abmontiert. Das Gebäude selbst ist ein schmuckloser Zweckbau, zwei grüne Plastik-Ampelmännchen im Fenster, daneben ein winziger Fikus, der zu vertrocknen droht. Das Kalenderblatt an der Wand zeigt noch das Jahr 2016.

Wer klingelt, dem wird an diesem Montagmorgen nicht die Tür geöffnet, dabei ist es die Anschrift von gleich 34 Unternehmen. Ihre Namen stehen auf dem schneeweißen Briefkasten vor dem Haus. Doch das ist auch schon der einzige Hinweis darauf, dass hier tatsächlich jemand arbeitet.

Angelockt wurden die Firmen von einem Dienstleister, der sich "Monheim 285" nennt. Auf seiner Website lädt er Unternehmen dazu ein, ihren Firmensitz nach Monheim zu verlegen - für 149 Euro im Monat. Dafür gibt es dann eine "ladungsfähige Geschäftsadresse", wer 399 Euro zu zahlen bereit ist, bekommt sogar einen Arbeitsplatz im Haus mit der Nummer 29 - was nicht allzu viele in Anspruch zu nehmen scheinen.

Im Gegensatz zur Generalkritik an seiner Steuerpolitik kann Daniel Zimmermann die Aufregung um diese "hochgradig unseriöse" Firma verstehen, wie er sagt. Schon Ende vergangenen Jahres gab er an, die Firma den Steuerbehörden melden zu wollen.

Derzeit scheint das Geschäft mit der Niederstraße 29 aber noch gut zu funktionieren. Die meisten der Firmen machten 2016 Umsätze im fünfstelligen Bereich, einige wenige sogar mehr als eine Million. Das geht aus dem Bundesanzeiger hervor. Auch diese Firmen zahlen etwa 25 Prozent ihrer Gewinne an die Stadt Monheim - die eben auch mit solchen Gästen rechnen muss, wenn sie groß einlädt.

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