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Öl-Katastrophe:Libyens Staatschef Gaddafi plant Einstieg bei BP

London spielt den Worst Case durch - falls BP zusammenbricht. Möglicherweise aber steigt Gaddafi als Investor ein.

Der BP-Chef Tony Hayward? Angezählt. Der gesamte Konzern British Petroleum? Auf der Suche nach frischem Kapital. Und jetzt bereitet sich die britische Regierung einem Zeitungsbericht zufolge auch noch auf einen Zusammenbruch des angeschlagenen Energieriesen vor.

Ein Konzern in Angst: Wird BP die Ölkatastrophe überleben?

(Foto: afp)

Vertreter des Wirtschafts- und des Finanzministeriums führten Gespräche über die Zukunft des Ölmultis und schmiedeten Notfallpläne, berichtet die Times unter Berufung auf mit den Beratungen Vertraute. Die Regierung stelle sich auf "alle Eventualitäten" ein.

Weitere Details wurden nicht genannt. Das Finanzministerium wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Das Wirtschaftsministerium konnte für eine Stellungnahme zunächst nicht erreicht werden.

Zeitgleich bringt sich ein prominenter Investor ins Spiel. Der libysche Staatschef Muammar el Gaddafi könnte BP aus der Patsche helfen. "BP ist interessant, seitdem sich der Börsenwert halbiert hat", sagt Shokri Ghanem, Chef der staatlichen Ölgesellschaft Libya National Oil der Nachrichtenagentur Dow Jones. Er wolle Gaddafis Staatsfonds Libyan Investment Authority (LIA) BP-Aktien zum Kauf empfehlen.

Riesiges Milliardenloch

Der Hintergrund: Die Ölpest im Golf von Mexiko entwickelt sich zu einem immer riesigeren Milliardendesaster für BP. Die Aktien des Unternehmens, die von vielen britischen Pensionsfonds gehalten werden, haben seit Beginn der Katastrophe Mitte April beinahe die Hälfte ihres Werts verloren.

Zweieinhalb Monate nach dem Untergang der Plattform Deepwater Horizon musste der britische Energiekonzern eigenen Angaben zufolge bereits mehr als drei Milliarden Dollar für die Bewältigung der Katastrophe aufbringen, inklusive 147 Millionen Dollar an Entschädigungszahlungen. Und die Rechnung steigt weiter, denn ein durchschlagender Erfolg bei der Bekämpfung zeichnet sich zumindest bis August vorerst nicht ab. Um sich vor einer Übernahme zu wappnen, ist BP inzwischen auf der Suche nach Investoren.

Berater des Ölmultis rührten unter Rivalen und Staatsfonds die Werbetrommel, um sie zur Übernahme eines Anteils von fünf bis zehn Prozent zu bewegen, berichtete die britische Sunday Times. In anderen Berichten hieß es zudem, mehrere Staatsfonds hätten Interesse an BP-Vermögenswerten im Mittleren Osten oder Asien. Der Konzern äußerte sich zu den Berichten nicht, hat aber bereits erklärt, durch den Verkauf von Geschäftsteilen in diesem Jahr zehn Milliarden Dollar einnehmen zu wollen.

BP hofft, dass das defekte Bohrloch in gut 1,5 Kilometern Tiefe im kommenden Monat verschlossen werden kann, wenn die Entlastungsbohrungen greifen. Bis dahin sollen anderen Maßnahmen helfen, die Ausbreitung des Ölteppichs zumindest etwas im Zaum zu halten.

So teilte BP mit, an Plänen für weitere Öl-Auffangvorrichtungen zu arbeiten. Einsatzbereit könnten diese demnach Mitte oder Ende des Monats sein. Außerdem soll ein Supertanker mit dem Namen A Whale in Kürze damit beginnen, Öl von der Meeresoberfläche abzugreifen. Noch befindet sich dieses Vorhaben in der Testphase, die wegen des hohen Seegangs in Folge des durchgezogenen Hurrikans Alex verlängert wurde, wie ein Sprecher des taiwanischen Schiffseigners TMT Shipping Offshore mitteilte. A Whale soll etwa 80 Millionen Liter ölverseuchtes Wasser von der Oberfläche aufnehmen können.

Seit Ende April sprudelten Millionen Liter Öl in den Golf, nur ein Bruchteil wird bislang aufgefangen. Die Ölpest hat bereits massive Umweltschäden an der US-Golfküste verursacht und unter anderem die örtliche Tourismus-Industrie in Mitleidenschaft gezogen. So kamen am verlängerten Feiertagswochenende merklich weniger Besucher an die sonst so weißen Sandstrände.

© sueddeutsche.de/dpa/Reuters/mel/hgn
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