Nordzypern:Diplomatische Blockade

Lesezeit: 4 min

Hasan Kahvecioglu ist 2004 für eine Wiedervereinigung auf die Straße gegangen. "Wir hatten immer das Gefühl, die ganze Welt hilft nur den Zypern-Griechen, nicht uns", sagt Kahvecioglu, der damals auch einen zweisprachigen Radiosender aufbaute. Der 62-Jährige wünscht sich immer noch die Einheit, "weil wir hier ja illegal sind". Kein Staat der Welt außer der Türkei hat die Türkische Republik Nordzypern anerkannt. Kahvecioglu sieht derzeit aber auch "keinen politischen Willen", die Wiedervereinigung wieder in die Wege zu leiten. 2014 wird eine Pipeline Frischwasser aus der Türkei auf die trockene Insel bringen, und auch Geld fließt von Ankara nach Nord-Nikosia. "So viel wie nie zuvor", sagt Kahvecioglu.

Auch der Süden Zyperns dürstet, aber Wasser aus der Türkei will die dortige Regierung nicht haben. Offiziell gibt es keine Beziehungen zwischen beiden Hälften. Die Türkei hat ihrerseits mit dem EU-Mitglied Zypern keinen diplomatischen Kontakt. Deshalb blockiert wiederum die griechisch-zyprische Regierung regelmäßig die Beitrittsverhandlungen der EU mit Ankara.

Wie Hasan Kahvecioglu will auch der Grieche Harry Tzimitras die Hoffnung nicht aufgeben, dass der zyprische Knoten irgendwann entwirrt werden wird - zum Vorteil aller. Der Professor aus Athen hat an der Bilgi-Universität in Istanbul gelehrt und in der Türkei die Wirtschaftskrise von 2001 erlebt. "Da gab es Leute, die haben eine halbe Zigarette gekauft", erinnert sich Tzimitras. Damals wurden Nord-Zyperns Banken schwer gebeutelt. Der Grieche glaubt, das Verständnis für die Nöte der Nachbarn werde auf türkischer Seite letztlich größer sein als die Schadenfreude.

Gas-Funde als Tür zur Annäherung

Tzimitras ist heute Direktor des Peace Research Institute Oslo, Zypern, mit Sitz in der von den UN kontrollierten Pufferzone. Während der Debatten um den Annan-Plan spielte das Institut eine wichtige Mittlerrolle. Tzimitras zieht einen großen imaginären Kreis um die Mittelmeerinsel: "Die jüngste Annäherung zwischen der Türkei und Israel, die Gas-Verträge der Zypern-Griechen mit Israel, die Energienöte der Türkei, die Finanznöte Zyperns" - all das spreche für eine Verständigung. Langfristig zumindest. "Die Gas-Funde können eine Plattform für eine Annäherung sein", sagt Harry Tzimitras.

Nicht nur Gold glänzt, auch im Spielcasino des Saray Hotels in Nord-Nikosia blinkt und blitzt es. Doch viele Spielautomaten rotieren leer. Der Umsatz sei "drastisch zurückgegangen", sagt Casino-Chef Mesut Sahin. Türkischen Soldaten ist das Glücksspiel verboten wie auch den Bürgern von Nord-Zypern. Die vielen Casinos im Norden sind für die Griechen, für Türken aus dem Mutterland und für Gäste aus Russland oder Israel. Plakate werben für "Griechische Nächte". Wenn die Griechen aber wegbleiben, weil sie schon zu viel verloren haben, werden zumindest in der Spielhölle bald viele Lichter ausgehen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB