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BMW-Chef Reithofer im Gespräch:Elektrofahrzeug Megacity Vehicle

SZ: Mit welchen Innovationen wollen Sie künftig junge Leute begeistern?

Reithofer: Wir werden 2013 unser Megacity Vehicle auf den Markt bringen. Damit bieten wir das erste maßgeschneiderte Elektrofahrzeug für das urbane Umfeld an. Es wird weltweit das erste Großserienfahrzeug mit einer Fahrgastzelle aus leichtem kohlefaserverstärktem Kunststoff sein, denn weniger Gewicht bedeutet mehr Reichweite.

SZ: Carbon ist ein schicker neuer Ersatz fürs herkömmliche Blech, aber auch sehr teuer. Und dann noch die Batterie - mit einem solchen Auto werden Sie erst Mal kein Geld verdienen, oder doch?

Reithofer: Natürlich haben wir das Ziel, damit bereits in der ersten Generation Geld zu verdienen. Aber wir würden es auch entwickeln, wenn dies zunächst nicht der Fall wäre, dafür hat das Megacity Vehicle eine zu große strategische Bedeutung für den ganzen Konzern.

SZ: Das heißt, Sie stehen nicht unter dem Druck Ihrer Aktionäre, die Gewinne sehen wollen?

Reithofer: Selbstverständlich setzen wir uns grundsätzlich ehrgeizige Renditeziele. Und die meisten unserer Aktionäre denken im Übrigen langfristig. Bei einer unserer Telefonkonferenzen mit Analysten meinte jedoch jemand: "Aber Sie müssen damit doch schnell Geld verdienen." Da kann ich nur sagen: "Thema verfehlt." Die Elektromobilität kommt. Für Autohersteller, die da zögern, wird es verdammt eng werden. Diese Technologie ist nicht optional, sie ist ein Muss.

SZ: Beim Elektroauto müssen Sie jetzt viel Geld investieren, um vielleicht irgendwann in ein paar Jahren Geld damit zu verdienen. Ihre Aktionäre aber sind daran gewöhnt, in Quartalen zu denken.

Reithofer: Es ist wichtig, dass wir vom Quartalsdenken wegkommen und lernen, langfristiger zu denken.

SZ: Wie teuer muss Ihr neues Carbonauto denn sein, damit Sie damit Gewinne einfahren?

Reithofer: Warten Sie es ab. Es wird ein Premium-Auto sein, mit einem entsprechenden Preis, so viel kann ich sagen. Sie werden das Fahrzeug also nicht für beispielsweise 20.000 Euro kaufen können.

SZ: Wie viele Fahrzeuge wollen Sie davon verkaufen?

Reithofer: Ich möchte jetzt noch keine Stückzahlen nennen. Aber noch einmal: Es geht beim Megacity Vehicle zunächst nicht nur um Stückzahlen und Gewinne. Es geht darum, das Unternehmen mit dieser innovativen Technologie fit für die Zukunft zu machen und zukünftige politische Auflagen hinsichtlich CO2-Emissionen zu erfüllen. Allein in den USA werden die CO2-Auflagen in den kommenden Jahren mindestens so streng wie in Europa sein. Da können Sie als Autobauer nur erfolgreich bestehen, wenn Sie auch Plug-in-Hybride, also Autos mit Elektro- und Verbrennungsmotor und reine Elektroautos im Angebot haben. Wenn nicht, haben Sie mit Ihrer gesamten Flotte ein politisches Problem. Und in China dürfen Sie womöglich irgendwann mit normalen Autos nicht mehr in die Innenstädte fahren - oder Sie haben zumindest massive Privilegien für Elektrofahrzeuge. Darauf müssen wir uns vorbereiten. Deshalb kooperieren wir auch mit dem weltgrößten Stromversorger State Grid Corporation of China bei unserem Feldversuch mit dem MINI E und dem BMW Active E in Beijing und Shenzhen.

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