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BMW-Chef Reithofer im Gespräch:"Für zögernde Autohersteller wird es eng"

Wie sieht die mobile Welt von morgen aus? BMW-Chef Norbert Reithofer über sparsame Motoren, rasche Umbrüche - und den Quartals-Irrsinn.

Thomas Fromm und Marc Beise

Es ist noch gar nicht so lange her, da waren Tausende BMW-Mitarbeiter in Kurzarbeit. Jetzt brummt es wieder in den Fabriken in München, Dingolfing und Regensburg. Zeit, sich entspannt zurückzulehnen, hat BMW-Chef Norbert Reithofer aber nicht. Die Branche befindet sich in einem Umbruch. Fest steht nur: Es geht aufwärts. Nur wohin, das ist die Frage. Eine gute Zeit also für ein Gespräch über die Zukunft des Autobauens.

Norbert Reithofer will dafür sorgen, dass junge Menschen BMW auch in 10 Jahren "cool finden".

Norbert Reithofer, 54, steht seit 2006 an der Spitze des Münchner Dax-Unternehmens. Der Ingenieur hatte BMW schon vor der Krise einen harten Sparkurs verordnet und Milliarden eingespart. Inzwischen läuft das Geschäft wieder blendend, und Reithofer investiert massiv in neue Technologien wie Leichtbau und Elektroantriebe. Gleichzeitig kooperiert er mit dem französischen PSA-Konzern (Peugeot), mit dem er unter anderem einen Motor für die BMW-Tochter Mini baut.

(Foto: AP)

SZ: Herr Dr. Reithofer, Ihr Vertrag ist kürzlich bis 2016 verlängert worden. Genug Zeit, um noch in Ihrer Amtszeit den Niedergang der Autoindustrie zu erleben ...

Reithofer: Da bin ich aber ganz anderer Meinung. Wie kommen Sie darauf?

SZ: Nun, Umfragen zufolge interessieren sich immer mehr junge Leute überhaupt nicht mehr für Autos, sondern für I-Pods und I-Pads.

Reithofer: So dramatisch sehe ich das nicht. Viele junge Menschen auf der ganzen Welt träumen nach wie vor davon, ein Premiumfahrzeug zu fahren. Aber natürlich nehmen wir solche Umfragen ernst. Übrigens gefällt mir das Beispiel der Computerindustrie - solche Veränderungen sind auch in der Autoindustrie möglich. Neben sparsamen größeren Fahrzeugen werden wir deshalb zukünftig auch noch mehr effiziente kleinere Automobile anbieten. Wir werden damit dafür sorgen, dass junge Leute auch in zehn Jahren noch sagen: "Die sind cool."

SZ: Ihr Geländewagen X6 ist eine Art Monster Truck, und der neue 5er sieht aus wie ein 7er. Kann man damit noch junge Leute erreichen?

Reithofer: Ja, und das gelingt uns sehr gut. Wir haben mit dem BMW 1er oder dem MINI ja beispielsweise auch sehr attraktive Angebote im Kompakt- und Kleinwagensegment. Der X6 läuft wie auch die anderen großen Baureihen übrigens sehr gut. Und ein 7er BMW mit Dieselmotor verbraucht inzwischen beispielsweise nur noch 6,8 Liter je 100 Kilometer. Dies ist ein Wert, der manchem Mittelklassemodell gut zu Gesichte stehen würde. Und ich kann Ihnen versichern: Wir haben immer noch viele Kunden, die auch in Zukunft einen 7er BMW fahren wollen.

SZ: Die Grünen liegen in Umfragen bei 20 Prozent, und sie wollen das Dienstwagen-Privileg abschaffen. Ohne Dienstwagen aber hätten Sie in Deutschland ein Problem.

Reithofer: Es würde uns wie auch anderen deutschen Herstellern sehr weh tun. Ich bin dagegen, die Regelung abzuschaffen, denn sie stellt zum einen kein Privileg dar. Darüber hinaus werden in diesem Segment zum großen Teil sehr effiziente Fahrzeuge wie der BMW 320d nachgefragt, so dass eine Abschaffung auch unter Umweltgesichtspunkten nichts bringen würde. Deshalb bin ich auch bereit, dafür zu kämpfen.

SZ: Weil die Alternative für BMW existenzbedrohend wäre?

Reithofer: Das wäre nicht existenzbedrohend, aber natürlich würden wir dann in Deutschland weniger Fahrzeuge verkaufen.

SZ: Ihre Dienstwagenkunden sind eine sehr überschaubare Klientel. Verlieren Sie langfristig nicht die breite Gesellschaft?

Reithofer: Nein, denn wir decken vom Kleinwagen bis zur absoluten Luxusklasse alle Segmente ab. In den kommenden Jahren werden wir ein breiteres Angebot an Hybrid-Fahrzeugen haben und auch ein Serien-Elektrofahrzeug auf die Straße bringen. Aber wir werden dann noch viele Kunden haben, die keinen Hybrid und kein Elektroauto fahren wollen. Für uns heißt das, dass wir in den nächsten Jahren mehrgleisig fahren müssen. Wir brauchen den herkömmlichen Verbrennungsmotor, der immer sparsamer wird, das Elektroauto und die Mischung, den Hybrid.

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