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Nissan:Massiver Stellenabbau

Nissan CEO Hiroto Saikawa attends a news conference in Yokohama

Nissan-Vorstandschef Hiroto Saikawa überbrachte am Donnerstag in Tokio schlechte Nachrichten.

(Foto: Issei Kato/Reuters)

Nach einem Gewinneinbruch will der Konzern 12 500 Arbeitsplätze streichen. Das Hickhack um Carlos Ghosn verschärft die Probleme bloß.

Von Christoph Neidhart, Tokio

Nissan in der Krise: Das japanische Unternehmen streicht 12 500 Stellen und reagiert damit auf einen massiven Profiteinbruch. Wie es am Donnerstag bekannt gab, ist der Gewinn im ersten Frühjahrsquartal gegenüber dem Vorjahr von 109 Milliarden Yen, 900 Millionen Euro, auf 1,6 Milliarden Yen gesunken. Das sind mickrige 13 Millionen Euro. Und ein Rückgang von 98,5 Prozent. Vor allem in Nordamerika sind die Verkäufe eingebrochen.

Nissan steckt wegen der angeblichen Finanzvergehen des früheren Konzernchefs Carlos Ghosn, seiner Strafverfolgung und den Streitereien mit Partner Renault um die Zukunft der Allianz in einer Krise. Der Gewinneinbruch ist damit jedoch nicht zu erklären, das rufschädigende Hickhack um Ghosn verschärft Nissans Probleme bloß. Zumal die Ghosn-Krise längst nicht ausgestanden ist. Der Prozess in Tokio dürfte im Spätherbst beginnen. Zugleich hat Ghosn Nissan und Mitsubishi in Frankreich auf Schadenersatz verklagt, weil die beiden Firmen ihn aus einer Tochterfirma in den Niederlanden warfen, "ohne dies genügend zu begründen", so die Klageschrift. Nissans Hauptproblem ist es viel mehr, dass die Autobauer es versäumt haben, rechtzeitig neue Modelle auf den amerikanischen Markt zu bringen. Zudem haben sie den US-Absatz über Jahre mit übermäßigen Rabatten und Abzahlungsangeboten befeuert. Diese teuren Finanzierungshilfen belasten nun das Betriebsergebnis, zudem gibt es in Amerika ein Überangebot an Gebrauchtwagen von Nissan.

Nissan-Chef Hiroto Saikawa skizzierte am Donnerstag vor der Presse einen Sanierungsplan, der zusammen mit dem Stellenabbau massive Reduktionen der Produktionskapazitäten vorsieht. "Wir haben in acht unserer Werke bereits Linien gestoppt und Stellen gestrichen, sechs weitere Standorte werden derzeit geprüft", sagte er. Mit einem Seitenhieb gegen Ghosn ergänzte er, vor allem der Strategieplan "Power 88" würde zurückgefahren. So nannte Ghosn einen seiner Expansionsschritte. Allerdings gerät Saikawa auch selbst wieder unter Druck. Einerseits gilt er als Anführer jener Gruppe, die gegen Ghosn geputscht haben soll, wie es dieser formuliert. Andrerseits halten manche Teilhaber den einst treuen Leutnant Ghosns nicht für fähig, das Unternehmen zu sanieren. Auf der Jahresversammlung des Konzerns im Juni versuchten mehrere Aktionärsgruppen, ihn zu stürzen.

© SZ vom 26.07.2019

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