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Nissan:Job mit Krimi

Nissan Board Brief Media After CEO Saikawa Says He's Ready To Resign Once Successor Is Found

Nissan-Chef auf dem Absprung: Hiroto Saikawa.

(Foto: Toru Hanai/Bloomberg)

Der japanische Autobauer Nissan steckt in schweren Problemen und sucht einen neuen Konzernchef - mit heilenden Kräften.

Am Dienstag meldete sich der japanische Wirtschaftsminister Hiroshige Seko zum Rücktritt des Nissan-Chefs Hiroto Saikawa, und zwar in einem Ton heller Freude. Die Unternehmenskontrolle funktioniere, Reformen würden greifen nach den heftigen Untreue-Enthüllungen gegen Saikawa-Vorgänger Carlos Ghosn, durch die auch eine Überbezahlung Saikawas ans Licht kam. Sekos Einwurf klang ein bisschen wie Selbstlob, denn zuvor hatte der Minister erklärt, die Regierung begleite die Krisenbewältigung beim Autobauer sehr aufmerksam. Oder ging es doch nur um Zuspruch in schwierigen Zeiten? Für die Suche nach Saikawas Nachfolge wünschte Seko jedenfalls alles Gute: "Ich hoffe, dass der Nachfolger nach den funktionierenden Regeln der Corporate Governance gewählt wird, hauptsächlich durch das Nominierungskomitee, und nicht durch interne Machtkämpfe wie früher."

Bis Oktober soll die Nissan-Spitze neu besetzt sein, vorerst führt Betriebsleiter Yasuhiro Yamauchi die Geschäfte. Der Plan wirkt sportlich, wenn man die Job-Ausschreibung bedenkt. Der neue Mensch an der Spitze muss eine Säule der japanischen Autoindustrie aus der Krise holen. Die schwachen Verkaufszahlen sind dabei nicht das einzige Problem, daran hat die Saikawa-Sache wieder erinnert. Denn dass Saikawa einräumte, 2013 eine unberechtigte Aktienausschüttung in Höhe von 438 000 Dollar bekommen zu haben, hat ja auch mit dem Sturz von Ghosn zu tun, der wohl im März in einem Untreue-Prozess in Tokio münden wird.

Der Untersuchungsbericht, der Saikawa und andere Nissan-Manager schlecht aussehen lässt, befasst sich in erster Linie mit dem Finanzgebahren von Ghosn, dem langjährigen Spitzenmanager in der strategischen Partnerschaft Nissan/Renault. Im November 2018 nahm die japanische Polizei ihn fest, seither liegt die Ära Ghosn wie ein Schatten über der Firma. Im veröffentlichen Teil des Untersuchungsberichts heißt es: "Von 2009 bis 2017 haben Ghosn und der frühere Vizedirektor Greg Kelly insgesamt 9,078 Milliarden Yen an Vergütungen für Ghosn verschleiert." Ghosn bestreitet die Vorwürfe, Nissan kämpft um Geld und Glaubwürdigkeit. Die neue Führungskraft übernimmt also im Grunde den Schauplatz eines Wirtschaftskrimis.

Und sie muss das Verhältnis mit Renault neu ordnen: Nach dem Sturz von Ghosn, der beide Hersteller in Personalunion führte, deutet sich erst mit dem Rückzug Saikawas eine Neuordnung der Kapitalverflechtung beider Unternehmen an. Die Japaner fordern das seit Jahren. Seit Gründung der Allianz vor 20 Jahren halten die Franzosen 43 Prozent an Nissan, während Nissan nur 15 Prozent der Renault-Anteile besitzt.

Bisher hatte die Renault-Führung eine Neugewichtung kategorisch ausgeschlossen, obwohl Nissan heute der größere Hersteller ist. Jetzt aber sind Verhandlungen über eine neue Anteils-Balance in Gang gekommen, berichtet die Pariser Wirtschaftszeitung Les Echos. Die Franzosen sollen bereit sein, ihren Anteil an Nissan deutlich zu senken - ohne allerdings die entscheidende Sperrminorität aufzugeben. Auch ein Sondervertrag, der die Beziehungen der Konzerne bisher am Börsenrecht vorbei regelt, soll zur Disposition stehen.

Die Geschäfte von Nissan mögen schlecht laufen. Trotzdem haben die Japaner gegenüber Renault ein starkes Druckmittel: Die neue Konzernführung in Paris will Renault mit dem Rivalen Fiat-Chrysler fusionieren. Ein erster Versuch war im Frühjahr gescheitert - unter anderem, weil die Franzosen Nissan nicht in diesen Plan eingebunden hatten. Erst wenn das Verhältnis zwischen Nissan und Renault besser und neu geregelt ist, wird auch die Fusion möglich. Alle drei Hersteller haben Interesse an einer raschen Lösung: Ihre Zusammenarbeit, etwa in der Produktion oder im Einkauf, kann viele Milliarden Euro sparen. Wer auch immer Hiroto Saikawa folgt: Er oder sie wird nicht nur an Nissans Zukunft arbeiten.

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