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Nirvana:Magie im Griff

MTV Unplugged: Nirvana

Legendär: Kurt Cobain, Frontman der Band Nirvana, beim „Unplugged“-Konzert am 18. November 1993 in New York.

(Foto: Frank Micelotta Archive/Getty Images)

Faszinierend, spektakulär, gewaltig: Die berühmteste Gitarre von Kurt Cobain wird versteigert.

Von Angelika Slavik

Es gibt zwei Arten von Magie. Eine, die sich schnell verflüchtigt, und eine andere, die Jahrzehnte überdauert. Die spürt man zum Beispiel, wenn man das Unplugged-Konzert ansieht, das Nirvana im November 1993 in New York gespielt haben. Das ist mehr als ein Vierteljahrhundert später immer noch: faszinierend, spektakulär, gewaltig.

Fünf Monate nach dem Konzert kam die Geschichte dieser Band zu ihrem Ende, Sänger Kurt Cobain nahm sich, 27 Jahre alt, das Leben. Das hat zweifelsfrei den Mythos verstärkt, aber dass Nirvana bis heute die berühmteste Grunge-Band der Geschichte ist, dass sie nicht nur die Musik, sondern die Mode und das Lebensgefühl eines ganzes Jahrzehnts entscheidend beeinflusst haben, das liegt nicht am tragischen Ausgang der Geschichte. Es hat maßgeblich mit diesem Konzert zu tun, das vielen bis heute als das beste Live-Konzert gilt. Und die Gitarre, auf der Kurt Cobain an diesem Abend gespielt hat, kommt am Wochenende bei einer Versteigerung in Beverly Hills unter den Hammer.

Startgebot: eine Million Dollar.

Die Martin D-18 E wird als Objekt Nummer 742 im Katalog von Julien's Auctions geführt - und man kann annehmen, dass unter den Grunge-Fans aus den Neunzigerjahren heute auch ein paar Vermögende sind, die sich dieses Erinnerungsstück leisten wollen. Die olivgrüne Strickjacke, die Cobain bei dem Konzert getragen hat, bekam erst vor einigen Monaten ebenfalls einen neuen Besitzer - für 334 000 Dollar. Sie soll, so heißt es, nach dem Konzert nie gewaschen worden sein, dubiose Flecken und zwei Brandlöcher aufweisen. Smells like teen spirit.

Der aktuelle Besitzer der nun zu versteigernden Gitarre ist nicht öffentlich bekannt. Das Instrument hat allerdings auch unter nicht-musikalischen Aspekten eine bewegte Geschichte: Cobains Tochter Frances Bean, 27, heiratete 2014 den Musiker Isaiah Silva, der sich zwischenzeitlich optisch stark am Schwiegervater zu orientieren schien. Es gibt sogar Fotos von ihm in einer fleckigen olivgrünen Strickjacke. Im Scheidungsverfahren drei Jahre später argumentierte Silva, Cobains Tochter hätte ihm während der Ehe die berühmte Gitarre "geschenkt". Am Ende wurde sie ihm tatsächlich zugesprochen, was Cobains Witwe Courtney Love nachhaltig erzürnte. Schließlich, sagte sie, sei das ein Familienerbstück. Wie groß der Ärger tatsächlich war, ist umstritten. Der Schwiegersohn behauptete gar, Love habe ihn umbringen lassen wollen und reichte Klage ein.

Wer immer nun also die wichtigste Gitarre des Grunge zu Geld macht - die neuen Besitzer bekommen das Instrument im originalen Gitarrenkoffer, an dem sich ein von Kurt Cobain angebrachter Aufkleber und der Gepäckanhänger von einem Flug befinden sollen. Bei Sammlern sind solche Details begehrt, sie treiben den Preis wohl weiter in die Höhe.

Bloß: Ob man auf diesem Ding dann auch spielen kann? Kurt Cobain war Linkshänder, er hielt die Gitarre seitenverkehrt. Es gibt also nur wenige Menschen, die die wichtigste Gitarre der Neunziger mit der Originalbespannung spielen können.

© SZ vom 20.06.2020

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