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Nirosta:Aufstieg und Fall einer Marke

Einst begründete Edelstahl die Tradition von Krupp mit, heute ist die Marke in finnischer Hand.

Von Kirsten Bialdiga, Krefeld

Für Berthold Beitz war Nirosta unantastbar. Der vor fast zwei Jahren verstorbene Thyssen-Krupp-Patriarch sperrte sich lange gegen einen Verkauf der Traditionsmarke. Nirosta, das stand für nicht rostenden Stahl, für Edelstahl, wie er in Wasch- und Spülmaschinen, Besteck oder Autos zum Einsatz kommt.

Zwei Erfinder bei Krupp, Eduard Maurer und Benno Strauß, meldeten die Rezeptur für diesen rostfreien Stahl 1913 als Patent an. In den Folgejahren entwickelte es sich zu einem Produkt, das neben den nahtlosen Radreifen für Eisenbahnen die Tradition des Krupp-Konzerns wesentlich mitbegründete. Nirosta, das war ein Begriff, der in der Industrie als Synonym für bestimmte Edelstahlsorten verwendet wurde. Ähnlich wie Tempo für Papiertaschentücher oder Persil für Waschmittel. Kein Wunder, dass Berthold Beitz auch noch an der Sparte hing, als sie längst hohe Verluste machte.

Erst als sich das Traditionsgeschäft zu einem Risiko für den gesamten Thyssen-Krupp-Konzern entwickelte, habe Beitz dem Verkauf zugestimmt, heißt es. Anfang 2012 verkaufte der damals neue Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger die Edelstahlsparte mit den Marken Nirosta und VDM an den finnischen Konkurrenten Outokumpu.

Doch das Geschäft lief nicht wie geplant. Outokumpu geriet in Schwierigkeiten und konnte als Käufer die finanziellen Verpflichtungen nicht erfüllen. Hiesinger musste Ende 2013 Teile der Edelstahltochter wieder zurücknehmen. Die sind inzwischen erneut verkauft worden, dieses Mal an einen Finanzinvestor.

Nirosta aber blieb bei Outokumpu. Nur wer genau hinschaut, kann an den Fabrikmauern in Krefeld noch das alte Thyssen-Krupp-Logo erkennen. 108 Millionen Euro investiert Outokumpu am Standort Krefeld. Das ist die gute Nachricht.

Die schlechte: Das 140 Jahre alte Edelstahlwerk in Düsseldorf-Benrath wird geschlossen. Die Produktion zieht nach Krefeld um, den knapp 500 Beschäftigten soll eine Lösung geboten werden, die sozialverträglich genannt wird. Der Umzug der Edelstahlproduktion folgt einem nüchternen Kalkül: Eine Aufteilung auf mehrere Produktionsstandorte sei nicht mehr zeitgemäß, heißt es bei Outokumpu. Die Schließung in Düsseldorf und die Verlagerung der Produktion nach Krefeld senke die Produktionskosten.

Nach dem Umzug wollen die Finnen in Krefeld die komplette Bandbreite an Edelstahl mit den unterschiedlichsten Oberflächen produzieren. Schon im Frühjahr 2016 sollen die ersten glänzenden Stahlrollen die Fabrik verlassen. Bisher liegt alles im Zeit- und Budgetplan. Die Finanzmanagerin Tamara Weinert muss dafür sorgen, dass es so bleibt.

© SZ vom 10.06.2015
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