Niedriglohnarbeit bei Takko:Zwölf Stunden Arbeit, keine Bezahlung

Nach Beobachtung von Teng Biao, Anwalt für Menschenrechte in Peking, ist der Missbrauch von Gefangenen in China für Zwangsarbeit gängige Praxis: "Diese Zustände kommen selten ans Tageslicht, weil die Verantwortlichen kein Interesse an Öffentlichkeit haben." Die Gefängnisleiter profitierten von der Ausbeutung der Häftlinge am meisten. Sie kassierten satte Schmiergelder von den Unternehmern, die wegen der geringen Personalkosten große Gewinnmargen verzeichneten.

"In der Regel werden die Insassen kaum bezahlt für ihre Arbeit. Wenn sie einen Lohn bekommen, dann fällt der sehr gering aus", sagt Anwalt Teng. Die Arbeitszeiten schätzt der Jurist auf mindestens zwölf Stunden pro Tag. Sowohl die Arbeitsbedingungen als auch die Haftumstände seien häufig erbärmlich.

Das Problem sind nach Ansicht von Beobachtern meist die Subunternehmer, die von den Vertragspartnern ausländischer Auftraggeber angeheuert werden. Sie ließen häufig jenseits aller internationalen Standards produzieren. Takko hatte nach eigener Aussage seinen Lieferanten "ausdrücklich nicht berechtigt, Aufträge ohne Sicherstellung der Einhaltung unseres Verhaltenskodex weiterzugeben."

Die Überprüfung solcher Vorgaben fällt schwer. Kenner der Produktionsbedingungen in China berichten, dass selbst Kontrollbesuche nicht immer ein Abbild der Realität liefern. Für Auditoren würden Werkshallen eigens aufgemöbelt und Angestellte unter Druck gesetzt. Die Arbeiter würden den Prüfern exakt die Antworten geben, die ihr Chef ihnen vorgegeben habe. Wer nicht gehorche, fliege raus.

Takko will nun erneut seine Kontrollmechanismen überprüfen, "um sicherzustellen, dass sich ein solcher Fall nicht wiederholt." Der Textil-Discounter räumt ein, dass ihm nur etwa drei Viertel der Produktionsstätten bekannt sind, die für ihn fertigen. "Ziel für 2013 ist es, eine weitestgehend komplette Transparenz über alle Produktionsstandorte zu erhalten." Das ist sehr ambitioniert. Denn die Handelsgruppe gibt auch zu, dass sie bei allem "auf die Ehrlichkeit ihrer Vertragspartner angewiesen ist." Also im Grunde ein gutes Stück ohnmächtig ist.

Südwind-Mitarbeiterin Ferenschild ist überzeugt, dass die Versuchung, in Gefängnissen zu fertigen, immer dann besonders groß ist, wenn bei Textilien um Cent-Beträge gefeilscht wird. "Da hat die Einkaufsabteilung das letzte Wort und nicht der für die Ethik zuständige Mitarbeiter." Aber auch wer hochpreisige Textilien aus China kaufe, könne nie sicher sein, dass die Ware nicht von Häftlingen genäht wurde.

© SZ vom 06.11.2012/rela
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