Niedrige Zinsen Konzerne ächzen unter Mitarbeiter-Pensionen

Das Geld ist angelegt, aber es bringt derzeit kaum etwas ein: Die niedrigen Zinsen spüren gerade nicht nur die Verbraucher, sondern auch die Dax-Konzerne. Ihre Pensionskassen müssen viele Milliarden Euro mehr zurücklegen als geplant.

Da könnte man auf die Idee kommen, die Scheine gleich unter der Matratze zu lassen: Sparer bekommen im Moment nur sehr magere Zinsen für ihr Geld. Die EZB hat den Leitzins auf ein Rekordtief gesenkt, Sparbücher und Tagesgeldkonten werfen kaum etwas ab. So ähnlich ergeht es auch Großinvestoren, die Milliarden Euro verwalten. Wer von ihnen sichere Papiere will und etwa deutsche Staatsanleihen kauft, muss aktuell manchmal sogar draufzahlen, die Zinsen sind negativ.

Siemens-Mitarbeiter produzieren Waschmaschinen im havelländischen Nauen. Für die betriebliche Altersvorsorge müssen Konzerne mehr Rücklagen bilden als geplant.

(Foto: dpa)

Die Niedrigzinsphase macht auch den Großkonzernen zu schaffen. Die betrieblichen Rentenkassen rechnen mit Lücken in Milliardenhöhe, meldet die Financial Times Deutschland. "Die Pensionsverpflichtungen sind ein Riesenproblem für viele Unternehmen", sagte der Finanzchef des Rückversicherers Munich Re, Jörg Schneider, der FTD. Auch Joe Kaeser, Finanzvorstand von Siemens, sieht die Lage auf den Finanzmärkten mit Sorge. "Sollte die Niedrigzinsphase länger andauern, kann das zu einer ernsten Herausforderung werden", sagte er.

Was haben die niedrigen Zinsen auf dem Markt mit den Pensionskassen zu tun? Weil es keine Möglichkeit gibt, Geld für Angestellte zu hohen Zinsen anzulegen, müssen die Unternehmen den sogenannten Rechnungszins senken. Nach dieser versicherungsmathematischen Größe richten sich die Rücklagen, die Unternehmen für die Pensionen bilden müssen. Je niedriger der Zins, umso mehr Geld müssen sie zurückhalten.

Pensionspläne haben einen langen Zeitraum. Fängt jemand mit 16 Jahren eine Ausbildung im Unternehmen an und geht mit 67 Jahren in Rente, hat der Betrieb 51 Jahre, um das Geld anzulegen. Auf so einen langen Zeitraum gerechnet, haben schon kleinste Änderungen beim Zins große Auswirkungen. Die Financial Times Deutschland rechnet vor, das etwa Siemens eine Lücke von vier Milliarden Euro entsteht, wenn der Rechnungszins nur um einen Prozentpunkt sinkt.

Die niedrigen Zinsen haben somit Folgen für die gesamte Wirtschaft. Müssen Konzerne mehr Rücklagen bilden, leiden ihre Gewinne. Somit haben sie weniger Geld zur Verfügung, dass sie investieren können.

Nach Berechnung der Beratungsfirma Mercer haben die Gesamtverpflichtungen aller 30 Dax-Konzerne infolge der Niedrigzinsen seit Jahresbeginn um gut 40 Milliarden Euro auf fast 300 Milliarden Euro zugenommen, schreibt die FTD weiter. Die Beratung Towers Watson komme auf einen Zuwachs um 22 Milliarden Euro auf 281 Milliarden Euro. Dem stehe nur ein dafür reserviertes Anlagevermögen von 174 Milliarden Euro gegenüber.

Auch die steigende Lebenserwartung belastet die Kassen, weil sie länger für die Pensionäre aufkommen müssen. Allerdings können alle Berechnungen schon besser aussehen, wenn die Zinsen am Markt wieder steigen.