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Nick Reilly übernimmt:Ein harter Hund für Opel

Mit Nick Reilly wechselt ein knallharter Sanierer auf den Chefsessel von Opel und Vauxhall - zugleich bekommt die europäische Tochter mehr Freiheiten.

Opel bekommt einen neuen Chef. Nach dem Abgang des bisherigen Europachefs von General Motors (GM), Carl-Peter Forster, wird nun ein alter GM-Haudegen das europäische Geschäft (Opel, Vauxhall) führen.

Nick Reilly, Foto: AFP

Nick Reilly wird neuer Chef von GM Europe.

(Foto: Foto: AFP)

Der 59 Jahre alte Nick Reilly arbeitet seit 1975 für General Motors, gilt als harter Sanierer und ist momentan für das internationale Geschäft verantwortlich. Der Manager wird das Machtvakuum jedoch nur so lange füllen, bis eine langfristige Lösung gefunden ist, teilte GM mit. "Dank seiner umfangreichen Erfahrung mit den Marken Opel und Vauxhall ist Nick Reilly der richtige Mann, um das Unternehmen in dieser Übergangsphase zu führen und an der schnellstmöglichen Normalisierung des Geschäftsbetriebs zu arbeiten", sagte GM-Chef Fritz Henderson.

Der bisherige Chef der Adam Opel GmbH, Hans Demant, werde der Geschäftsleitung in Rüsselsheim weiterhin vorstehen und während der Übergangsphase mit Reilly zusammenarbeiten.

Zugleich hat die Suche nach einem neuen Opel-Chef begonnen. General Motors möchte dafür offenbar ein europäisches Führungsteam zusammenstellen, an dessen Spitze nach Möglichkeit ein Deutscher stehen soll.

Zunächst jedoch soll Reilly für GM das Sanierungskonzept bei Opel umsetzen. Der deutsche Autohersteller wird dabei offenbar mehr Eigenständigkeit erhalten. "Fritz Henderson bekräftigte, dass Opel in Europa wieder zu alter Stärke geführt werden solle, mit einem hohen Maß an Unabhängigkeit und Eigenständigkeit innerhalb des GM-Konzerns", sagte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz nach Gesprächen mit dem Unternehmenschef.

Teil des Brückenkredits zurückbezahlt

Als wichtiges Signal für den größeren Entscheidungsspielraum in Rüsselsheim verlangte Franz daher erneut die Umwandlung von Opel in eine Aktiengesellschaft: "Damit kann General Motors zeigen, ob die Eigenständigkeit von Opel ernst gemeint ist."

Die Arbeitnehmervertretung erwarte nun einen umfassenden Unternehmensplan für Opel bis 2014 mit einem soliden Finanzierungskonzept. "Wir selbst haben in den vergangenen eineinhalb Jahren mit unseren Beratern einen solchen Plan erarbeitet. Wir wissen, wo die wichtigen Stellschrauben für eine erfolgreiche Zukunft von Opel sind", sagte Franz. Die Arbeitnehmervertreter würden den GM-Plan an diesen Vorgaben messen und dann entscheiden, ob die Belegschaft in weitere Verhandlungen einsteigt.

Unterdessen hat der US-Autokonzern einen weiteren Teil des Opel-Brückenkredits zurückbezahlt. Die Opel-Mutter habe am Dienstag 200 Millionen Euro überwiesen, teilte das Unternehmen mit. Die nun noch offene Summe von 600 Millionen Euro wolle der Konzern noch vor Ende November zurückzahlen, sagte GM-Europe-Finanzvorstand Enrico Digirolamo.

Die Rückzahlung des Brückenkredits an Bundes- und Landesregierungen ist Voraussetzung dafür, dass GM wieder vollständig in den Besitz der Opel-Anteile gelangt. Derzeit werden 65 Prozent der Opel-Anteile von einer Treuhand verwaltet. Sie war eingerichtet worden, um den mittlerweile abgeblasenen Opel-Verkauf zu begleiten und den bis zu 1,5 Milliarden Euro schweren Brückenkredit aus Deutschland zu verwalten.

© sueddeutsche.de/dpa/Reuters/tob
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