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Neues Navigationssystem:Galileo wird den Weg weisen — ganz genau

Im Gegensatz zu den bestehenden Systemen GPS (USA) und dem russischen GLONASS soll Galileo nicht militärisch kontrolliert werden und daher präziser sein.

"Galileo" ist der Name für ein ehrgeiziges Projekt der Europäischen Union: Unter dem Namen des historischen Astronomen sollen 30 Satelliten ab 2008 in Erdumlaufbahnen von knapp 24.000 Kilometern Höhe eine exakte Ortsbestimmung überall auf der Erde ermöglichen.

Im Gegensatz zu den bestehenden Systemen GPS der USA und dem russischen GLONASS soll aber Galileo nicht militärisch kontrolliert und daher präziser sein. Die Entwicklungskosten von 1,1 Milliarden Euro werden je zur Hälfte von der EU und der europäischen Raumfahrtagentur ESA getragen. Weitere 2,5 Milliarden Euro für die Errichtung müssen aber noch bei privaten Geldgebern aufgetrieben werden.

Die Testphase für das Projekt wurde im Dezember 2003 von den EU-Verkehrsministern eingeleitet. Noch vor Ende kommenden Jahres soll ein erster Testsatellit mit einer Sojus-Trägerrakete vom Raumfahrtbahnhof Baikonur in Kasachstan in die Umlaufbahn geschossen werden. Dabei geht es vor allem darum, die reservierte Frequenz, auf der die Galileo-Satelliten senden sollen, zu sichern.

Im Jahr 2006 sollen dann die ersten drei Satelliten in Betrieb genommen werden, 2008 soll das ganze System mit 30 Satelliten funktionieren. Davon sind 27 für den Betrieb nötig, drei dienen als Ersatz.

Auf vier Meter genau

Die Europäer scheuten sich von Anfang an, Galileo als Konkurrenz für GPS zu präsentieren. Lange wurde mit den USA über eine Kompatibilität der beiden Systeme verhandelt. Die Gespräche wurden im vergangenen Juni erfolgreich abgeschlossen.

Die Europäer verzichteten im Sinne der USA dabei auf das präziseste existierende Übertragungssystem zugunsten des Systems, das auch die Amerikaner verwenden. Dennoch wird Galileo Positionen bis auf vier Meter genau bestimmen und damit exakter sein als das US-System. Wegen der Verwendung für militärische Zwecke wird im GPS nämlich ein sehr genaues Resultat nachträglich verwässert.

Einmal in der Umlaufbahn angekommen, soll Galileo fünf verschiedene Dienstbereiche abdecken: Den "Offenen Dienst", der kostenlos Daten über Position, Geschwindigkeit und Zeit liefern soll. Er kann in Navigationsysteme von Autos und Mobiltelefone eingebaut werden und soll bis auf vier Meter genau Positionen bestimmen.

Der "Kommerzielle Dienst" wird die genaueste Positionsbestimmung ermöglichen und kostenpflichtig sein. In diesem Bereich kann etwa zentimetergenaue Navigation in Gebäuden geleistet werden. Die Gebühren für diesen Dienst, der auch bei Bohrungen oder dem Bau von Pipelines nützlich sein wird, sollen Haupteinnahmequelle für die Betreiber werden.

Die drei übrigen Dienste sind vorgesehen für den Luft- und Schienenverkehr, für hoheitliche Aufgaben wie bei Polizei und Küstenwache und schließlich für Rettungsdienste, die über Galileo Menschen in Not schneller und genauer orten können.

Studien zufolge könnten durch Galileo europaweit 140.000 Arbeitsplätze entstehen. Die Finanzierung ist aber noch nicht abgeschlossen. Vorgesehen ist dabei die Methode von Gemeinschaftsunternehmen (Public-Private-Partnership). Erste Zusagen gibt es aus China über 280 Millionen Euro, aus Indien über 200 Millionen Euro und auch aus Israel. Verhandlungen laufen mit Brasilien, Russland und Japan.

© sueddeutsche.de/AFP
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