Neuer Kurs bei Lufthansa Sparen, nur wie?

Das größte strukturelle Problem der Lufthansa sind die hohen Kosten. Auf der Kurzstrecke liegen sie bis zu doppelt so hoch wie bei Ryanair, auf der Langstrecke etwa ein Drittel über Konkurrenten wie Emirates. Einen großen Teil der Kosten kann Lufthansa nicht kontrollieren, so etwa die Gebühren für Flugsicherung und Flughäfen. Auch die Luftverkehrsabgabe drückt auf den Gewinn. Bei dem Teil der Kosten, den es beeinflussen könnte, stößt das Unternehmen auf massiven Widerstand vor allem der Gewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO).

Immer noch verhandeln Konzern und Piloten über eine neue Altersversorgung, da droht schon der nächste Konflikt. Die VC will verhindern, dass Lufthansa Strecken an günstigere Ableger wie Eurowings ausflaggt, die nicht dem Konzerntarifvertrag (KTV) unterliegen. Fest steht: Das Umbauprogramm Score, das das Ergebnis um 1,5 Milliarden Euro verbessern soll, reicht nicht aus.

Schwierige Töchter

Aufsichtsratschef Mayrhuber hat in seiner Zeit an der Spitze des Vorstands kräftig eingekauft: Swiss, Austrian und Brussels Airlines. Doch nur Swiss, die bereits vor dem Einstieg der Lufthansa zu einem guten Teil saniert war, hat die Erwartungen erfüllt. Sowohl Brussels als auch Austrian stecken noch mitten im Umbruch. Es stellt sich die grundsätzliche Frage, ob traditionelle Anbieter wie Brussels und Austrian im Europaverkehr, in dem sie vor allem aktiv sind, auf Dauer noch die richtige Wahl sind, oder ob Lufthansa nicht eigentlich schon viel früher auf andere Geschäftsmodelle hätte setzen müssen - siehe Eurowings.

Freunde und Feinde

Carsten Spohr hat viele Unterstützer im Konzern, er hat in den vielen Jahren ein großes Beziehungsnetz aufgebaut. Nicht zu seinen Freunden gehört ausgerechnet Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber, der Spohr erst nach ausgiebiger monatelanger externer Suche nach Alternativkandidaten berief. Nach SZ-Informationen hatte einer dieser Kandidaten schon einen unterschriftsreifen Vertrag vorliegen, sagte aber ab.

Die Frage, wen Spohr künftig in Top-Positionen um sich schart, wird intern genauestens beobachtet - und der neue Chef weiß das. Deswegen macht er eines gerade nicht: Dinge, die alle von ihm erwarten. Der von ihm nicht gerade geliebte Strategiechef Sadiq Gilani darf weiterhin Konzepte entwickeln. Personalvorstand Bettina Volkens übernahm dieses Ressort auch für die Flugsparte in Personalunion und muss nun erst recht liefern, statt jetzt schon verabschiedet zu werden. Andererseits: Viele Spohr-Vertraute warten noch auf den nächsten Karriereschritt.