Süddeutsche Zeitung

Neuer Job für Philipp Rösler:Bloß weg

Den Posten des Wirtschaftsministers hat er abgegeben, FDP-Parteichef ist er auch nicht mehr. Philipp Rösler steht vor den Scherben seiner Parteikarriere. Jetzt wechselt der 40-Jährige zum Weltwirtschaftsforum in Davos - und könnte neu durchstarten.

Was so ein Befreiungsschlag alles bewirken kann, das weiß Philipp Rösler ausgerechnet aus Davos. Im vergangenen Januar war es, das Drehbuch für seinen Sturz als FDP-Chef war schon fertig und zwischen den Hauptdarstellern - allen außer Rösler - abgesprochen.

Doch dann brachte eine Zweitstimmen-Kampagne den Liberalen einen überraschenden Wahlerfolg in Niedersachsen. Tags darauf überrumpelte Rösler seinen Rivalen Rainer Brüderle, bot ihm sein Amt als Parteichef an. Als Brüderle ablehnte, ging das Drehbuch in die Binsen, Rösler aber war wieder obenauf. Und das Frühstück, zu dem der Bundeswirtschaftsminister Rösler beim Weltwirtschaftsforum führende Manager geladen hatte, war plötzlich gefragt. Vorher nämlich hatte sich keiner recht dafür anmelden wollen.

Gut möglich, dass sich Rösler zwischenzeitlich gewünscht hat, es wäre beim Drehbuch seines Sturzes geblieben. Dann hätte entweder jemand anders den Niedergang der FDP verantworten müssen, oder vielleicht wäre der auch nicht ganz so verheerend ausgefallen.

So aber steht Philipp Rösler, 40, nun vor dem Scherbenhaufen seiner Parteikarriere - und noch einmal könnte Davos zum Ort des unverhofften Wiederaufstiegs werden.

Bemerkenswerter Schritt

Das Weltwirtschaftsforum, so gab Rösler am Wochenende bekannt, wird sein neuer Arbeitgeber. Künftig werde er "die regionalen Aktivitäten des World Economic Forum außerhalb der Schweiz" verantworten, sagte der Ex-Gesundheitsminister, Ex-Wirtschaftsminister und Ex-FDP-Chef dem Focus. Mit der ganzen Familie ziehe er in die Schweiz. Bloß weg.

Für einen bodenständigen Menschen wie ihn ist das ein bemerkenswerter Schritt. Seit der Schulzeit lebt Rösler in und um Hannover, wo auch seine FDP-Karriere begann. Mit seiner Familie, Rösler hat fünfjährige Zwillinge, lebte er bislang in Isernhagen bei Hannover, in einem "Häuschen", wie Rösler sagt.

Den Urlaub verbringt er seit gefühlten Jahrzehnten im Ostseebad Boltenhagen. Mit dieser Art Bodenhaftung hat Rösler, der in Vietnam zur Welt kam und als Baby nach Deutschland adoptiert wurde, gern kokettiert. Das zeigt auch, welche Zäsur in dem Umzug nach Genf steckt - nach allen Schmähungen, die Rösler zuletzt erleiden musste, sucht er jetzt den Neustart.

Womöglich viel Arbeit

Vermutlich ist es die beste Chance für einen Neuanfang - wohin soll ein derart gestrandeter Spitzenpolitiker schon gehen, wenn nicht ins Ausland? Nicht einmal als Arzt, seinem eigentlichen Beruf, hätte Rösler ohne weiteres wieder arbeiten können.

Er habe, sagt Davos-Chef Klaus Schwab, Rösler nicht wegen dessen Vergangenheit als FDP-Chef oder Wirtschaftsminister eingestellt. "Wichtig war die Frage: Bringt er die menschlichen und beruflichen Fähigkeiten mit, diese wichtige Funktion im Weltwirtschaftsforum auszuüben", sagt Schwab.

Ob auch Vitamin B, also Beziehungen im Spiel sind, darüber ist nichts bekannt. An Qualifikation für einen internationalen Job jedenfalls mangelt es Rösler nicht. Und an Arbeit möglicherweise bald auch nicht: Denn das 1971 gegründete Forum hat in den vergangenen Jahren massiv expandiert, es gibt Veranstaltungen in Asien, Südamerika, Afrika. Im Februar tritt Rösler den neuen Job nun an.

So wenden sich die Dinge zum Ende eines Jahres, das fast mit einer Niederlage begonnen hätte, für Rösler zum Besseren.

Vorige Woche war er noch einmal im mächtigen Eichensaal seines Ministeriums, zur Amtsübergabe an Sigmar Gabriel. Es gab viele nette Worte vom Nachfolger, über ein gut bestelltes Haus und so weiter. So beginnt nun das Vergessen, rund um den Niedergang der FDP, um Drehbücher und Protagonisten von einst. Sicher ganz in Röslers Sinn.

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SZ vom 23.12.2013/pak
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