Neuer französischer Wirtschaftsminister Sein Lebenslauf ist außergewöhnlich

Macron hatte in der Zeit zwei Jobs: einen bei Rothschild, wo er kurz vor der Präsidentenwahl noch einen Milliardendeal zwischen den Weltkonzernen Nestlé und Pfizer arrangierte; und einen als Hollande-Berater. Abends traf er sich mit anderen Experten wie dem Harvard-Ökonomen Philippe Aghion in der Pariser Nobel-Brasserie "La Rotonde", um das Wirtschaftsprogramm des künftigen Präsidenten zu beeinflussen. Oder er flog heimlich nach Berlin, um bei Kanzlerinnenberater Nikolaus Meyer-Landrut um Vertrauen für Hollande zu werben - mit mäßigem Erfolg.

Als die Wahl 2012 gewonnen war, gab Macron seinen Job bei Rothschild auf und wechselte in den Präsidialstab. Einige Minister nannten ihn "den Mozart aus dem Elysée", so wunderknabenhaft kam er ihnen vor. In der Tat ist sein Lebenslauf selbst für einen Absolventen der französischen Eliteschule Ena außergewöhnlich. Vor seiner Karriere als Banker war Macron auch Assistent des bekannten Philosophen Paul Ricoeur und Spitzenbeamter im Finanzministerium. Wenn Zeit bleibt, frönt Macron dem Kampfsport Savate, einer französischen Spielart des Kickboxen.

Vor ein paar Wochen erst hatte Macron seinen Beraterjob im Élysée an den Nagel gehängt. Er brauche, hieß es, Zeit für private Projekte und für seine Frau - seine frühere Französischlehrerin am Gymnasium. Allerdings wird ihm in Paris auch nachgesagt, er habe sich übergangen gefühlt, weil Hollande ihn bei der letzten Kabinettsumbildung im Frühjahr nicht zum Minister ernannt habe.

Bei der Amtsübergabe an diesem Mittwoch spielte Macron die weltanschaulichen Gegensätze mit seinem Amtsvorgänger herunter: Montebourg und er gehörten "zur selben Familie". Doch das Programm, das er jetzt umsetzen will, ist genau jenes, das Montebourg abgelehnt hat. Macron kennt es auswendig - er hat es zu Jahresanfang größtenteils selbst entworfen: Frankreichs Unternehmen will er um 30 Milliarden Euro entlastet. Mindestens 50 Milliarden sollen bis 2017 im Staatshaushalt eingespart werden. Macron hält eigentlich sogar 90 Milliarden Euro für nötig, aber so weit lässt Hollande ihn nicht gehen. Selbst wiederholte Nullrunden für Frankreichs Beamte hält Macron für vertretbar.

Macron will die Sozialauflagen für Firmen entschlacken

Zugleich will er die Wirtschaft entlasten - die Arbeitslosigkeit in Frankreich befindet sich gerade auf einem Rekordhoch: Wie das Arbeitsministerium in Paris am Mittwochabend mitteilte, sind gegenwärtig 3,4 Millionen Menschen im Land ohne Job. Den dicken Katalog an Sozialauflagen für Firmen, die mehr als 49 Mitarbeiter beschäftigen, will Macron entschlacken. Diese Auflagen gelten als ein Grund, warum Frankreich keinen starken Mittelstand hat. "Wir müssen das Vertrauen zurückgewinnen, das unsere Partner, die Investoren, und das Ausland in unser Land haben. Und wir müssen auch das Vertrauen der Franzosen in sich selbst wiederherstellen", sagt Macron. Ob die EU-Partner wiederum Vertrauen in Macron haben, dürfte sich schon bei seiner ersten Reisen nach Berlin zeigen.

Die innenpolitischen Reaktionen über seine Ernennung zeigen, wie gespalten Frankreich ist. Während der Arbeitgeberpräsident Macron als Mann lobt, der "etwas von Unternehmen, Wirtschaft und Globalisierung versteht", fallen Rechts- und Linksextreme über ihn her. Der linke Flügel der eigenen Partei spricht von "lachhafter Provokation" durch einen, der nicht einmal ein Wahlmandat besitze.

Der Mann, dem bisher alles gelang im Leben, steht vor seiner größten Aufgabe. Er muss ein von steigender Arbeitslosigkeit und Nullwachstum verunsichertes Land reformieren. Und das gegen einen Teil der eigenen Partei - die nun einen starken Anführer hat: seinen Vorgänger Montebourg.