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Neue Strategie:So will die Deutsche Bank sparen

  • Die Deutsche Bank will in den kommenden Jahren 200 ihrer bisher etwa 700 eigenen Filialen in Deutschland schließen.
  • Damit wollen die Frankfurter Banker weitere 3,5 Milliarden Euro im Jahr einsparen.
  • Zugleich kündigt das Institut an, seinen Anteil der Postbank bis Ende 2016 unter 50 Prozent zu senken.
  • Investieren will die Deutsche Bank dagegen in die Digitalisierung.

​​Was die Deutsche Bank plant

Die Deutsche Bank will profitabler werden - und dafür schrumpfen. Wie die neue Strategie der Bank aussieht, haben die beiden Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen in Frankfurt vorgestellt. Die operativen Kosten sollen jährlich um 3,5 Milliarden Euro gesenkt werden. Dafür sollen knapp ein Drittel aller Filialen geschlossen werden. Zugleich soll sich die Investment-Sparte der Bank noch stärker aus den weniger rentablen Geschäftsfeldern zurückziehen und ihre Bilanz um etwa 200 Milliarden Euro reduzieren. Um die Einsparungen zu erreichen, rechnet die Deutsche Bank mit einmaligen Kosten von 3,7 Milliarden Euro.

Die Schließung von 200 der bislang 700 Filialen bis zum Jahr 2017 soll etwa 40 Prozent der Einsparung ausmachen. Die anderen 60 Prozent will das Institut durch Effizienzsteigerungen erreichen - etwa über eine stärkere Digitalisierung der Geschäfte, aber auch Stellenabbau. Wie viele Jobs betroffen sind, ließ die Bank zunächst offen. "Wir haben noch keine Entscheidungen bezüglich der Personalmaßnahmen getroffen", sagte Fitschen. Gespräche mit dem Betriebsrat hätten noch nicht begonnen.

Ende 2014 zählte der Konzern weltweit gut 98 000 Vollzeitstellen. Aus sieben bis zehn Ländern will sich die Bank zudem ganz oder teilweise zurückziehen, die Präsenz in fünf weiteren europäischen Märkten solle dagegen erhalten bleiben.

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Was der Strategiewechsel für Kunden bedeutet

Die Schließung der Filialen trifft zunächst vor allem jene Privatkunden, die nicht in den großen Städten leben. Vor der Deutschen Bank haben auch schon die Commerzbank, die Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie - am bislang radikalsten von allen - die Hypovereinsbank eine Ausdünnung ihres Filialnetzes angekündigt. Insgesamt hat sich die Zahl der Niederlassungen von Banken in den vergangenen Jahren mehr als halbiert, auf derzeit etwa 31 000 Filialen. Umstritten ist, ob das langfristig der richtige Weg für Banken ist, denn für zwei Drittel der Kunden ist die Nähe zu einer Niederlassung noch immer wichtig für die Auswahl ihrer Hausbank.

Um keine Kunden zu verlieren und neue Ertragsmöglichkeiten zu generieren, will die Deutsche Bank in den kommenden Jahren bis zu eine Milliarde Euro in die Digitalisierung stecken. Um die Laufkundschaft geht es dem Konzern dabei wohl nicht vordringlich. So lautet eines der Ziele, die Vermögensverwaltung für reiche Kunden und das Transaktionsmanagement für große Firmen auszubauen.

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Eine Bank im Spiegel der Zeit

Wie es mit der Postbank weitergeht

Bereits in der Nacht zum Samstag hatte die Deutsche Bank bekanntgegeben, ihre Tochter Postbank nach nur sieben Jahren wieder abzustoßen. Nun gab es dazu weitere Details aus Frankfurt: Demnach soll die gelb-blaue Tochter mit ihren etwa 14 Millionen Kunden bis Ende 2016 wieder an die Börse gehen. Dabei ist in einem ersten Schritt geplant, dass sich die Deutsche Bank auf eine Position als Minderheitsaktionär zurückzieht. Mittelfristig will sie dann ganz aussteigen.

Nun kündigte die Deutsche Bank zudem an, den Börsengang ohne die verbliebenen Kleinaktionäre der Postbank abwickeln zu wollen. Deshalb sollen diese bis Ende des Jahres über eine Zwangsabfindung aus dem Unternehmen gedrängt werden. Die Deutsche Bank hat das Recht dazu, weil sie inzwischen 96,8 Prozent an der Postbank hält. Mit dem vorherigen Börsen-Rückzug halten sich die Deutsch-Banker aber auch den Verkauf der Postbank im Ganzen an einen Konkurrenten offen, der ohne Börsennotiz leichter machbar wäre. Der Kurs der Postbank-Aktie war durch Spekulationen auf eine hohe Abfindung aufgebläht worden.

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Die Deutsche Bank trennt sich von ihrer Tochter Postbank. Es ist die größte Richtungsänderung seit Jahren für das Institut - und zeigt, dass die Doppelspitze Jain und Fitschen versagt hat. Der Verlierer der großen Wende ist nun trotzdem ein anderer.   Von Harald Freiberger

Warum der Strategiewechsel nötig ist

Die Deutsche Bank reagiert mit ihrem Strategiewechsel auf verschärfte Anforderungen der Aufseher weltweit, die zum Beispiel immer mehr Eigenkapital für Anlagen verlangen. Sie will ihre Verschuldungsquote nun mittelfristig deutlich verbessern. Der Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme soll auf mindestens fünf Prozent klettern. Ende März waren es 3,4 Prozent. Das heißt, 100 Euro in der Bilanz standen 3,40 Euro an eigenen Mitteln gegenüber. "Wir sind zuversichtlich, dass die Deutsche Bank bis 2020 besser kapitalisiert und weniger verschuldet sein wird", erklärten Fitschen und Co-Chef Anshu Jain. Die Gewinnziele allerdings wurden nach unten geschraubt: Trotzdem hält der Vorstand noch eine Rendite auf das Eigenkapital von "mehr als zehn Prozent" nach Steuern für realistisch.

Seit dem Amtsantritt von Anshu Jain und Jürgen Fitschen als Doppelspitze der Deutschen Bank 2012 hat das Institut bereits die jährlichen Kosten um 3,3 Milliarden Euro gesenkt, in diesem Jahr sollen weitere 1,2 Milliarden Euro dazukommen. Im gesamten vergangenen Jahr lagen die operativen Kosten der Bank bei 27,7 Milliarden Euro.

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